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Schönheit ganz aus weißem Gold

Barbara Flügel und Marina Kropf haben die größte Porzellanpuppe der Welt geschaffen. Zum Porzellinerfest ist sie in Schönwald zu bewundern.



Barbara Flügel (links) und Marina Kropf mit ihrem Gemeinschaftswerk "Mademoiselle Belle". Foto: Wolfgang Neidhardt
Barbara Flügel (links) und Marina Kropf mit ihrem Gemeinschaftswerk "Mademoiselle Belle". Foto: Wolfgang Neidhardt  

Schönwald - "Schau’ mir in die Augen, Kleiner!" Der Besucher in der Porzellanmanufaktur Flügel in Schönwald fühlt sich an den legendären Spruch von Humphrey Bogart im Film "Casablanca" erinnert - mit vertauschten Rollen. Er wird aufgefordert, einer attraktiven Dame ins Auge zu blicken, um der Künstlerin zu zeigen, ob der letzte Schliff passt. Die Gegenüber ist freilich nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Porzellan - und etwas, das es bisher auf der Welt noch nicht gegeben hat: die größte Porzellanpuppe der Welt. Hergestellt hat sie Barbara Flügel gemeinsam mit ihrer Freundin Marina Kropf.

Selfie mit Belle

Barbara Flügel lädt für Samstag, 3. August, alle Interessenten ein zu "Selfies mit Mademoiselle Belle". Ihre Manufaktur in der Schützenstraße 20 in Schönwald ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Von Selb aus fahren regelmäßig Shuttlebusse in die Nachbarstadt.

 

Bis Dienstagmittag war die Dame namens "Mademoiselle Belle" völlig weiß. Barbara Flügel dachte sich: Irgendetwas fehlt hier. Und so verlieh sie ihr mit feinen Punkten und Strichen dunkle Augen und zarte Augenbrauen - und fragt den Besucher nach seinem Eindruck.

 

Mehrmals bessert die Künstlerin nach, bis Mademoiselle mit offenen Augen in die Welt schaut. Diesen Blick schenkt die "Hübsche aus der Barockzeit", so der Arbeitstitel, jedem Besucher, der vom Porzellinerfest einen Abstecher in die Manufaktur Schönwald unternimmt. Für Barbara Flügel ist sie schon heute das "Maskottchen des Kunstateliers, ein Mitglied einer großen Familie", die sie noch schaffen will.

1,81 Meter groß, vielleicht 80 Kilo schwer - und von Kopf bis Brust und Unterarmen aus Porzellan. "Ich wollte zum Porzellinerfest etwas machen, was es noch nicht gegeben hat, was aber schee is’ ". Die Künstlerin sieht sich durch eine Recherche im Guinness-Buch der Rekorde bestätigt, etwas Einmaliges erschaffen zu haben.

Die Idee, eine lebensgroße Puppe zu fertigen, trägt sie schon länger mit sich herum. Nach knapp 200 Arbeitsstunden war diese eine Woche vor dem Porzellinerfest so gut wie fertig - dachte Barbara Flügel und zeigte die Figur voller Stolz ihrer Freundin Marina Kropf, mit der sie eine Art Seelenverwandtschaft verbindet. Daraus erwuchs der nächste Vorschlag: "Willst du die Dame nicht anziehen?" Jetzt zeigt sich Belle in feinste Plauener Spitze gewandet. "Stundenlang hat die Barbara an den Falten der Kleidung herumgebastelt, bis sie ihr gut genug waren", verrät Marina Kropf.

Die studierte Architektin war, nicht zuletzt mit ihrem statischen Grundwissen, die unverzichtbare Stütze bei der "Flügel-Kropf-Mischung", wie die Hausherrin betont. "Wir haben unser beider Wissen über das Material zusammengeworfen", berichtet Marina Kropf. Am vergangenen Freitag arbeiteten sie bis 2 Uhr nachts, am Samstag und Montag noch einmal sechs Stunden, probierten diverse Materialien wie Kleber, Gips und spezielle Farben aus.

Testergebnisse sind in einem Regal der Werkstatt zu erkennen: Der erste Kopf der Dame leicht geneigt, der zweite stärker geneigt, der dritte vornüber gekippt - keine Absicht, sondern Dokumente für die Tücke des Materials Porzellan nach mehreren Brennversuchen. "So etwas Schwieriges kann man nur miteinander machen", hat Marina Kropf erfahren. Die Puppe ist nicht das erste Gemeinschaftsprojekt. Seit vergangenem Jahr steht im Kempinski-Hotel in Dresden ein großer Porzellanbrunnen aus der Manufaktur Flügel.

Bei Künstlern sind Träume nicht nur erlaubt, sondern notwendiger Antrieb. Und so sieht Barbara Flügel vor ihrem geistigen Auge auf ihrem Firmengelände einen Künstlerpark. Den will sie selbst mit "großen verrückten Objekten" mitgestalten - und auf diese Weise einem Werkstoff den Rang verleihen, den er aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahrzehnten verloren hat: "Porzellan als künstlerisches Material kommt viel zu kurz."

Manchen Widerständen zum Trotz steht die Künstlerin - wie auch ihre Partnerin Marina Kropf in deren Fachgebiet - seit Jahrzehnten fest auf eigenen Beinen und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Gelegentlich kommt dabei dann sogar eine Weltneuheit heraus.

Autor

Wolfgang Neidhardt
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
16:06 Uhr

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Autor

Wolfgang Neidhardt

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
16:06 Uhr



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