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Selb

Seit 50 Jahren aktive Gäste in Tirol

Der Selber Alpenverein feiert bald Jubiläum: Seit 1969 betreibt er das Selber Haus im Pitztal. Seine Geschichte ist geprägt von Umzügen und viel ehrenamtlichem Engagement.



Idyllisch gelegen: Das neue, heutige Selber Haus in Arzl. Fotos: pr.
Idyllisch gelegen: Das neue, heutige Selber Haus in Arzl. Fotos: pr.   » zu den Bildern

Selb - Zu einer gestandenen Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) gehört ein Haus in den Bergen. Dieses Ziel haben die Vorstandsmitglieder der Selber Bergfreunde vor 50 Jahren umgesetzt. Freilich wurde es für den relativ kleinen Verein kein Wolkenhaus oben in den Bergen, sondern eine Talunterkunft, erst in Ortsnähe, dann in Ortsmitte. Am 15. Juni 1969 war es so weit: Etwa 40 Mitglieder waren aus Selb angereist, um im Dörfchen Wald im Pitztal das "Selber Haus" einzuweihen. Gut 30 Jahre später zog die Sektion innerhalb der Gemeinde in den Hauptort Arzl um - und hat seitdem ihre Aktivitäten in Tirol noch weiter gesteigert.

Das Selber Haus in Arzl

Das Selbstversorgerhaus des Selber Alpenvereins, knapp 900 Meter hoch gelegen, steht im Ortszentrum von Arzl, etwa sechs Kilometer südlich von Imst im Inntal. Es ist wie folgt ausgestattet: ein Zimmer mit sechs, je zwei Zimmer mit vier oder drei Betten, ein Doppelzimmer sowie zwei Notlager mit vier Schlafplätzen; drei Küchen, zwei Bäder, eine separate Dusche, zwei separate Toiletten, ein Aufenthaltsraum, Terrasse, Balkon, Skiraum, Fahrradraum, Parkplatz, Schlitten und Spielecke für Kinder. www.dav-selb.de


Sie beherbergt nicht nur alljährlich viele Bergfreunde, sondert fördert auch den Ausbau der alpinen Infrastruktur im Sommer. Denn auf Anregung gerade der kleinsten Sektion haben sich alle im Pitztal aktiven DAV-Mitarbeiter zusammengeschlossen zu einer Wege-Gemeinschaft. Gemeinsam mit den Touristik-Fachleuten vor Ort haben sie intensiv für diese Urlandschaft in den Ötztaler Alpen geworben, das Wegenetz ausgebaut und die Hütten erweitert und gepflegt.

Doch zurück zu den Anfängen. Philip Rosenthal, aktiver Bergsteiger und Sektionsmitglied, wollte dem Verein sogar eine echte Hütte vermitteln in seiner Eigenschaft als Mitglied des DAV-Hauptausschusses in München. Doch das geplante Objekt, die Glorerhütte in der Glocknergruppe, wurde der Sektion Eichstätt zugeschlagen. Danach gab sich der Vorstand etwas bescheidener und suchte ein Haus in Talnähe, um es zu pachten - im Rückblick eine richtige Entscheidung, denn Häuser oben am Berg sind für viele Sektion eine riesige Sparkasse. Neben dem langjährigen zweiten Vorsitzenden und Geschäftsführer Herbert Zuber ging Sektionsmitglied Fritz Rammelt intensiv auf die Suche - und fand das Haus am oberen Ortsrand von Wald.

Was es bedeutete, so ein Haus zum alpinen Talstützpunkt zu machen, beschreibt Zuber im Mitteilungsheft der Sektion unter dem Titel "Großeinsatz am Selber Haus": "Schon vorher werden Autofahrer zwangsrekrutiert, Facharbeiter verpflichtet, Ehefrauen und Freundinnen vertröstet. Autos werden beladen, zollbare Gegenstände bestmöglich getarnt. Vom Ofenrohr bis zum Toilettenpapier ist alles vorhanden. Schnell schlafen, antreten in Arbeitskluft. Wenn sie daheim so viel arbeiten müssten, hätten sie schon lange gekündigt."

In den folgenden drei Jahrzehnten kamen viele Stammgäste ins erste Selber Haus. Die Sektion zählte fast in jedem Jahr über 2000 Übernachtungen - in damals fünf Zimmern und einem großen Lager. Doch im Laufe der Zeit stiegen die Ansprüche der Gäste - nicht das einzige, was sich in Richtung Jahrtausendwende geändert hat.

Für die Sektion Selb war es der Standort. Der Besitzer des alten Selber Hauses meldete Eigenbedarf an. Und in Rücksprache mit dem damaligen Bürgermeister Siegfried Neururer fand die Sektion ein neues Haus, direkt im Zentrum von Arzl - sein altes Bauernhaus, während er neu baute.

Siegfried Uhl zeichnete verantwortlich für die Umbauten. Im Sommer schuftete er wochenlang gemeinsam mit Otto Ruhland und Karl Hacker, verwandelte unter anderem den Kartoffelkeller in ein gemütliches Lager und versuchte die Grundsätze der tirolischen Stromversorgung zu durchschauen. Für ihn war die Installation schlicht "russisch": höchst schlicht, aber die Sache funktionierte. Schließlich galt es mithilfe einer größeren Truppe umzuziehen - und einzuweihen. Das neue Haus war anders. Mancher trauerte der idyllischen Lage des alten nach, viele aber freuten sich, nun mitten im Hauptort zu wohnen inklusive Einkaufsmöglichkeiten, Bushaltestelle und Gaststätten.

Das neue Selber Haus wurde zum Treffpunkt. Denn der damalige Vorsitzende Wolfgang Neidhardt hatte alle im Pitztal aktiven Sektionen eingeladen, und für etwa ein Jahrzehnt nahmen Gäste aus Braunschweig, Erlangen, Fulda, Ludwigsburg, Mainz, Rüsselsheim und später auch München die Einladung im Juni zu einem gemütlichen Gedankenaustausch bei fränkischem Bier, Leberkäse und natürlich selbstgemachtem Sauerkraut dankend an.

Auch in dieser Hinsicht haben sich die Zeiten gewandelt. In den vergangenen Jahren wurde das Treffen unter der Leitung des Selber Vorsitzenden Bernd Hofmann professionalisiert - wie die gesamte Arbeit. Die Mitarbeiter ziehen es vor, gleich auf ihre Hütte zu gehen, um sie für die Sommersaison zu rüsten.

Letzteres tut für das Selber Haus seit einigen Jahren eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer unter Führung von Siegfried Wagenführer, dem zweiten Vorsitzenden und Geschäftsführer der Sektion. Zwei oder drei Tage lang wird gründlich saubergemacht, repariert und bei Bedarf die Ausstattung ergänzt. Genutzt wird das Haus unvermindert, jüngst allerdings verstärkt von Gruppen. Und wären nicht viele Gäste aus dem benachbarten Tschechien, von denen viele der Sektion Selb angehören, so entstünden schon einmal Belegungslücken. Nach heutigem Stand ist es aber keine Frage, dass das Selber Haus in Arzl für die kommenden Jahre gerüstet ist - und von der Sektion gehalten wird. W. N.

Wenn sie daheim soviel

arbeiten müssten, hätten sie

schon lange gekündigt.


zitat

Herbert Zuber, DAV Sektion Selb über

einen Arbeitseinsatz am Selber Haus


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Veröffentlicht am:
30. 12. 2018
16:32 Uhr

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