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Spurensuche nach der Wiedervereinigung

Zum Tag der Deutschen Einheit gibt es eine Feier in Hohenberg. Zeitzeugen aus der Region erinnern an die Jahre der Teilung.



Spurensuche nach der Wiedervereinigung
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Hohenberg - Gänzlich ohne Blutvergießen ist die friedliche Revolution im November 1989 verlaufen. An diese Zeit, die in die Geschichtsbücher einging, erinnerte am Tag der Deutschen Einheit eine Feier an der Friedenseiche in Hohenberg. Allerdings musste die Veranstaltung in das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr verlegt werden: Zu kalt, zu regnerisch, zu windig ist es draußen gewesen. Bürgermeister Jürgen Hoffmann begrüßte die zahlreichen Gäste und Ehrengäste, Mitglieder der Feuerwehr und besonders die Jugendlichen in der Wehr. Die "Hohbercha Feierwehrkapelln" umrahmte die Feierstunde musikalisch.

"Familien und Ortschaften tragen die Spuren der Wiedervereinigung weiter", sagte Hoffmann. Die Bürger der DDR wollten die Einschränkung der Freiheit und die Überwachung durch den Staat nicht länger hinnehmen und gingen mutig auf die Straße. "Dafür sind wir dankbar", betonte Hoffmann. Die Menschen wünschten sich Reise-, Meinungsfreiheit und eine bessere Zukunft, auch für ihre Kinder. All diejenigen, die dafür auf die Straße gingen und sich einsetzten, machten die Revolution möglich.

Eine unglaubliche Entwicklung sei vorangebracht worden. Hoffmann: "Wir können gemeinsam stolz sein, die große Mauer ist verschwunden." Allerdings gebe es weiterhin "Mauern": Ohne Stacheldraht grenzen sich Menschen voneinander ab, online und offline, in der Stadt und auf dem Land, Jung und Alt: Mauern der Entfremdung, Enttäuschung und Wut schürten Misstrauen, warnte Hoffmann. Integrationswilligen, die auf der Flucht und in Not seien, dürfe niemand gleichgültig gegenüberstehen. "Millionen, die hier anpacken, machen Mut", hob Hoffmann hervor. Sie seien es, die das Land zusammenhielten, die Einheit und Frieden stifteten.

Der frühere Landrat Dr. Peter Seißer erinnerte sehr persönlich an die Zeit der Wende und die Jahre danach. Als Kind erlebte er den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 mit, ebenso den Ungarnaufstand 1956. Fünf Jahre später, 1961, fuhr Seißer mit dem Omnibus zum Kirchentag nach Berlin und ging zu Fuß durch das Brandenburger Tor. Drei Wochen später war das nicht mehr möglich, die Mauer wurde gebaut.

Zur Abiturfahrt im September 1961 fand Seißer ein "völlig anderes Berlin" vor. Im zweiten Semester Jura und politische Wissenschaften zog Seißer nach Berlin und erlebte am 1. Mai 1963 die letzte große Maikundgebung mit 500 000 Teilnehmern. Der Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Ein halbes Jahr später, als Kennedy ermordert wurde, zog Seißer mit Studenten von der Technischen Universität zum Schöneberger Rathaus. "Gegen halb zwei Uhr morgens kamen wir an und die Friedensglocke läutete."

Seißer erwähnte Besuche in Prag und die Zeit, in der Besuche verwehrt blieben. "Die Erlebnisse, als die Züge und Trabbis in Marktredwitz und Hof ankamen, möchte man nicht missen", sagte Seißer, der immer an die Wiedervereinigung glaubte: "Die Teilung war unnatürlich, das musste überwunden werden."

Gebet, Dank und Segen sprachen Pfarrerin Ellen Meinel und Pfarrer Stefan Prunhuber. Meinel entschied sich zu DDR-Zeiten gegen die Jugendweihe und für die Konfirmation. "Es war mir nicht möglich, dem Staat die Treue zu schwören. Ich wollte bewusst meinen Glauben zu Gott bekennen", sagte die Pfarrerin. Das Abitur und ein Studium seien dadurch ausgeschlossen gewesen. "Für mich kam die Wende zur rechten Zeit, ich konnte meinen Beruf frei wählen", betonte die Geistliche und las die Tageslosung des 3. Oktober 2019: "Es hat für mich eine große Bedeutung, zu sagen: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit." Nach dem Segen erhob sich die Versammlung. Gemeinsam, begleitet von der Kapelle, sangen alle das Deutschlandlied.

Autor

Silke Meier
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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
18:00 Uhr

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Autor

Silke Meier

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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
18:00 Uhr



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