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Traditionshaus schließt Ende August

Nach 60 Jahren macht in Selb die Drogerie Dittmar zu. Inhaberin Elli Netzsch geht Ende August mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand.



Nach 48 Berufsjahren geht Elli Netzsch in den Ruhestand und schließt die Drogerie Dittmar.
Nach 48 Berufsjahren geht Elli Netzsch in den Ruhestand und schließt die Drogerie Dittmar.   Foto: Andreas Godawa

Selb - Seit sechs Jahrzehnten ist die Drogerie Dittmar Inbegriff für ansprechende Düfte, hochwertige Kosmetik und freundliche Beratung in Selb. Dieses Kapitel geht nun zu Ende: Spätestens Ende August geht Inhaberin Elli Netzsch nach 48 Berufsjahren in den Ruhestand und schließt die Drogerie in der Selber Ludwigstraße.

Die 63-Jährige geht in den Ruhestand, weil sie es möchte, nicht weil sie muss. "Alles hat seine Zeit. Es war ein sehr erfülltes und schönes Arbeitsleben. Aber jetzt ist es genug", sagt sie. Allerdings fällt ihr der Abschied von ihrer Drogerie und ihren Kunden nicht leicht. Denn sowohl die Kunden als auch das Geschäft haben sie erfüllt, waren ihr Leben. Immerhin hat sie die Firmengeschichte fast fünf Jahrzehnte begleitet und am Schluss geprägt, andererseits hat die Drogerie ihr Leben bestimmt.

Gegründet wurde die Drogerie Dittmar 1959 von Gundi und Karl Dittmar. Erster Firmensitz war das Haus Schlossstraße 2, wenige Meter vom heutigen Geschäft entfernt. Im Juli 1973 zog die Firma in das heutige Gebäude, das die Familie Dittmar gebaut hatte - etwa drei Jahre bevor das Kaufhaus Storg entstand.

Elli Netzsch trat im zarten Alter von 15 Jahren als Lehrling in die Firma ein. Sie kann sich noch an das alte Geschäft in der Schlossstraße erinnern. "Das war zwar sehr schön und malerisch. Wie man sich eben einen Laden damals vorstellt." Allerdings habe Karl Dittmar die Zeichen der Zeit erkannt. Mit dem kleinen Geschäft hätte er nicht überleben können. Deswegen entschloss sich die Familie für den Neubau.

Für die junge Elli Netzsch war der Start ins Berufsleben auch ein Sprung ins kalte Wasser. Ihre Mutter stammt aus Selb, die Wirren des Krieges hatten sie und ihren Mann aber nach Österreich verschlagen, wo Elli Netzsch in einem kleinen Ort in der Nähe von Krems geboren wurde. Gleich nach der Schule kam sie dann alleine zurück nach Selb, das sie von vielen Ferienaufenthalten kannte.

Der neue Laden in der Ludwigstraße war groß. Zu kaufen gab es schon damals fast alles: von hochwertiger Kosmetik und Parfums über Bade- und Hygieneartikel, Tees und Naturheilmittel bis hin zu Haushaltswaren. Im Obergeschoss gab es sogar eine Babyabteilung. Selb prosperierte in diesen Jahren, der Wirtschaft ging es gut, die Bevölkerungszahl stieg. Es war die Zeit der Hochkonjunktur und der Vollbeschäftigung. "In den besten Zeiten waren wir hier in der Drogerie acht Mitarbeiterinnen", erinnert sich Elli Netzsch.

Die junge Frau lernte Einzelhandelskauffrau, erwarb sich Ansehen und Vertrauen und führte dann 20 Jahre lang die Drogerie als Geschäftsführerin. Seit zehn Jahren ist sie inzwischen Inhaberin. "Aber jetzt ist es genug." Natürlich geht sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn die vielen guten Gespräche mit den Kunden, die Begegnungen mit den Menschen in Selb werden ihr fehlen, bekennt sie ganz offen. "Ich bin meinen Kunden, die ich ja zum Teil schon seit Jahrzehnten kenne, sehr dankbar für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben."

Und noch etwas wird sie vermissen: die neuen Düfte. "Ich habe alle selbst ausprobiert und getragen. Nur dann kann man sie einer Kundin guten Gewissens empfehlen."

Aber die erfahrene Geschäftsfrau sieht auch, dass die Zeiten härter geworden sind. Zum einen hätten die großen Parfumeure inzwischen Mindestabnahmewerte, die für kleinere Firmen ein Problem sein könnten. Zum anderen mache das Internet gerade den Drogerien große Konkurrenz, findet Elli Netzsch. Dabei gebe es im Internet keine fachlich fundierte Beratung. "Und: Unsere Innenstädte veröden."

Einen Nachfolger für die Drogerie hat Elli Netzsch nicht gefunden. "Ab Ende August wird es die Drogerie nicht mehr geben." Dabei habe sie sich wirklich bemüht und sogar mit größeren Ketten Verhandlungen geführt. Die hätten aber letztlich abgewinkt.

Große Pläne für den Ruhestand haben Elli Netzsch und ihr Mann nicht. Ruhig wollen sie es angehen lassen. Und zu ihrem Abschied aus dem Berufsleben zitiert Elli Netzsch das Motto des Firmengründers Karl Dittmar: "Nichts ist so beständig wie der Wandel."

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
17:10 Uhr

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02. 08. 2019
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