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Selb

"Wir kämpfen weiter"

Die Selber Nachbarstadt Asch will für die Freundschaftswochen nachziehen. Der zweite Bürgermeister legt seinem Stadtrat nun einen Projektplan vor.



Stolz auf das neue Kulturzentrum mit Kunstschule: Pavel Klepácek, zweiter Bürgermeister der Stadt Asch. Foto: Wolfgang Neidhardt
Stolz auf das neue Kulturzentrum mit Kunstschule: Pavel Klepácek, zweiter Bürgermeister der Stadt Asch. Foto: Wolfgang Neidhardt  

Asch/Selb - Sie sind Partner, allerdings ein wenig ungleich. Die Stadt Selb arbeitet intensiv an diversen Projekten für die deutsch-tschechischen Freundschaftswochen 2023. In der Nachbarstadt Asch hingegen legt der zweite Bürgermeister Pavel Klepácek dem Stadtrat an diesem Montag erst einmal eine Liste für mögliche Maßnahmen vor. Im Interview mit unserer Zeitung verspricht er: "Wir kämpfen weiter."Denn verwirklichen können die Tschechen in diesem Jahr wohl bestenfalls kleine Projekte.

 

Herr Klepácek, sind Asch und Selb als Partner bei den Freundschaftswochen gleichauf?

Pavel Klepácek: Es gibt schon Unterschiede. Bayern hat alles vorbereitet. Wir brauchen hingegen Unterstützung vom tschechischen Staat. Die GgmbH, die die Freundschaftswochen organisiert, funktioniert hervorragend. Ihre Mitarbeiter haben uns begleitet bei Gesprächen in tschechischen Ministerien.

 

Aber Sie hängen im Vergleich zur Nachbarstadt ein wenig zurück?

Ich möchte an diesem Montag unserem Stadtrat eine Liste von Maßnahmen vorlegen.

 

Und wie sieht es dann mit der Verwirklichung aus?

Leider kompliziert sich hier einiges. Unser größtes Projekt, den Park hinter dem Rathaus mit dem Lutherdenkmal, wollten wir im Frühjahr starten. Doch die beiden einzigen Angebote, die wir auf die Ausschreibung erhalten haben, waren viel zu teuer, zumal ein EU-Zuschuss nur einen kleinen Teil abdeckt. Deshalb schreiben wir nun erneut aus. Ich verspreche aber: Wir kämpfen weiter!

 

Was steht denn außer dem Park noch in Ihrer Vorschlagliste?

Sieben weitere Maßnahmen in Stichworten: Verkehrsterminal und Neubau am Bahnhof, vermutlich im kommenden Jahr, Bahnhofstraße, Radweg Wildenau, Kreuzung Selber Straße am oberen Bahnhof, Erholungsgebiet Isola Bella, ehemaliges Kulturzentrum und die Selbbachquelle.

 

Erste Nachfrage: Wie sieht es denn um die Selbbachquelle aus?

Komplizierter, als es viele denken. Denn während die Quellfassung, die engagierte Selber nach der Grenzöffnung gepflegt haben, südöstlich der Verbindungsstraße liegt, müsste die eigentliche Quelle nordwestlich davon sein. Eine Leitung, die beide Standorte verbindet, ist gebrochen. Vermutlich werden wir also die Quellfassung verlegen müssen. Mit Dusan Caran haben wir auf tschechischer Seite einen sehr kundigen und engagierten Bürger. Aber die Sache wird dauern.

 

Und was verbirgt sich hinter dem schönen Namen Isola Bella?

Die alten Selber erinnern sich vielleicht. Das war, ganz in Grenznähe, ein kleiner See mit Gaststätten und Bootsverleih, ein nettes Naherholungsgebiet. Heute ist der ganze Bereich stark zugewachsen.

 

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit Selb über die Freundschaftswochen hinaus?

Der Auftritt des Spielmannszuges in der Weihnachtszeit in Asch ist trotz schlechten Wetters gut angekommen. Wir bleiben Partner bei den Grenzland-Filmtagen, wollen hier die Besucherzahlen aber noch steigern. Und nach einer Pause in diesem Jahr planen wir einen neuen Vertrag mit dem Festival Mediaval für die Jahre 2020 bis 2023. Den Organisatoren dieser Veranstaltung muss ich übrigens ein großes Kompliment machen!

 

In Ihrer Stadt ist im vergangenen Jahr einiges geschehen.

Ja, wir haben, angrenzend an das Rathaus ein Kulturzentrum mit Kunstschule fertig gestellt. Hier lassen sich etwa 600 Schüler ausbilden in den Fächern Musik, Theater, Tanzen und Malen. Übrigens stammt die bemerkenswerte Architektur von einem Einheimischen. Dieses Projekt hat umgerechnet etwa zwei Millionen Euro verschlugen. Daneben haben wir im Bereich rund um das Museum und die Kirche auch zahlreiche Straßen und Gehwege saniert.

 

Und auf Ihrem Hausberg tut sich auch etwas.

Wie im Vorjahr berichtet, engagiert sich hier ein griechischer Arzt, der in Prag studiert hat und seit langem in Asch praktiziert. Er hat damit begonnen, das abgebrannte ehemalige Ausflugslokal zu sanieren und ein weiteres Gebäude nebenan erworben. Die Arbeiten sollen so schnell wie möglich vorangehen.

 

Schauen Sie sich auch von Ihrer Nachbarstadt mal etwas ab?

Genau das haben wir getan. Seit diesem Jahr fährt auch bei uns ein Seniorenbus, nach Fahrplan oder auch auf Anruf. Er wird sehr gut angenommen.

 

Wie ist denn die wirtschaftliche Situation in Ihrer Stadt?

Im November 2018 hatten wir 1,3 Prozent Arbeitslose. So niedrig lagen wir noch nie. Es gab 467 freie Stellen…

 

...die schwer zu besetzen sind?

In der Tat. Viele gute Handwerker arbeiten in unserem Nachbarland. Mancher Einpendler aus dem östlichen Teil unseres Landes wohnt wochentags in Asch und reist über die Grenze zum nahen Arbeitgeber. Wir haben mittlerweile zu wenig Wohnungen in Asch. Tschechische Köche und Kellner arbeiten fast ausnahmslos in Deutschland. Trotz dieser Probleme blicke ich auf ein erfolgreiches Jahr zurück.

 

Weil die politische Selbstverwaltung funktioniert?

Die Kommunalwahlen im vergangenen Jahr haben wenig verändert. Im Stadtrat in Asch ziehen alle Gruppen an einem Strang.

 

Und die große Politik? Mit Andrej Babiš haben Sie einen umstrittenen Premierminister.

Für uns hat sich nicht geändert. Entscheidend ist: Nach einem halben Jahr Verhandlungen läuft die Staatsregierung wieder - und unterstützt uns hoffentlich intensiv dabei, die Zusammenarbeit mit Selb weiter zu vertiefen.

 

 

Autor

Wolfgang Neidhardt
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 01. 2019
15:52 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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06. 01. 2019
15:52 Uhr



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