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Selb

Zeitreise zu Jazz und Dixieland

"Heye’s Society" bietet im Rosenthal-Theater leidenschaftliche und coole Klänge. Die Band erfreut mit authentischem frühen Jazz.



Legte im Rosenthal-Theater einen fulminanten Auftritt hin: "Heye’s Society". Foto: Jürgen Henkel
Legte im Rosenthal-Theater einen fulminanten Auftritt hin: "Heye’s Society". Foto: Jürgen Henkel  

Selb - So kann man sich täuschen. Wer diesen fünf distinguierten Gentlemen auf der Straße begegnet, kommt wohl nicht so schnell auf die Idee, dass diese reifen Herren im gesetzten Alter Vollblutmusiker sind und mit Unterstützung eines brillanten jüngeren Musikers einen derart fetzigen und leidenschaftlichen Jazz auf die Bühne zaubern können, wie das am Samstag im Rosenthal-Theater in Selb zu erleben war. Jazz, Ragtime, Blues und Dixieland standen auf dem Programm der bekannten Band "Heye’s Society". Über zwei Stunden lang boten die sechs Musiker Jazz vom Feinsten und nahmen ihr Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise in das New Orleans und Chicago der Zeit zwischen 1900 und 1930.

Es waren leider nicht viele Zuhörer gekommen, nur rund 40. Doch diese brauchten ihr Kommen keine Sekunde lang zu bereuen. Und es spricht für die Klasse und Größe dieser Musiker, dass sie ihr Programm nicht einfach angesichts leerer Reihen gelangweilt herunterspulten, sondern so auftrumpften, als wäre der Saal brechend voll. Schon dafür gebührt dem Sextett Dank und Lob zugleich für ein unvergessliches Musikereignis.

Die Jazzband "Heye’s Society", deren Name ganz bewusst an den berühmten Spielfilm "High Society" erinnert, besteht aus sechs Mitgliedern. Fünf davon waren an diesem Abend da. Heye Villechner, "bekennender Ostfriese" ist der Gründer, Manager und Kopf der Gruppe und mittlerweile schon über 80 Jahre alt. Er spielt virtuos wie grandios Schlagzeug und legt einen an Coolness kaum zu überbietenden Auftritt hin, wenn er leger, schelmisch, verschmitzt und abgebrüht zugleich "Ain’t she sweet" singt. Für ihn auch eine große persönliche Erinnerung, durfte er doch diesen Song Anfang der 60er-Jahre einmal mit den Beatles in einem Hamburger Jazzclub gemeinsam singen, als diese mangels eigenen Repertoires noch Jazzstücke vortrugen. So wurde er ein Lied lang zum "fünften Beatle", wie es Toni Ketterle launig ausdrückte.

Ketterle wiederum ist der musikalische Leiter der Band. Er ist auf der Trompete und dem klanglich tieferen Kornett zu hören und begeistert das Publikum mit reifem Spiel, mitreißendem Rhythmus und zündenden Improvisationen. Er moderierte den Abend auch und gab stimmige wie humorvolle Anekdoten zum Jazz, aber auch zu den Stücken und deren Komponisten zum Besten. Bei dem von ihm gesungenen bekannten "Eh, la bas" bezieht er das Publikum kurzerhand mit ein und lädt zum Mitsingen ein.

Am Klavier brilliert Dr. Tino Roßmann, der an dem Abend auch singt, etwa mit geschmeidig-kratzigem Soul-Unterton das berühmte "Georgia on my mind". Erwin Gregg steuert auf seiner Posaune temperamentvoll vielfältigste Klangvariationen bei. Achim Bohlender schließlich spielt stilsicher auf der Klarinette. Er entlockt seinem Instrument, das er perfekt beherrscht, meisterhafte wie unvergleichliche Klangfolgen. Er fetzt nur so dahin über die Tonleitern und lässt das Publikum schier atemlos zurück. Diese fünf Musiker gehören zur Stammbesetzung von "Heye’s Society". Sie alle zeigen, was Jazzmusiker aus diesen doch meist "klassischen" Instrumenten alles herausholen können.

Mit von der Partie war allerdings auch Florian Burgmayr an der Tuba. Und der ist eine echte Entdeckung. Er legt Soli hin mit Tönen und Melodieführungen, die man der behäbig-bräsigen Tuba gar nicht zugetraut hätte. Da wird die Tuba melodiös und meisterhaft auf die Spitze getrieben. So wird auch die Tuba an diesem Abend zu einem echten Klangerlebnis. Sehr zur Freude des Publikums, das solche Sololeistungen wie auch die Gesamtleistung des Ensembles immer wieder völlig zu Recht mit begeistertem Applaus quittiert.

Viele Klassiker sind an dem Abend zu hören. Die sechs Spitzenmusiker sind allesamt im Solo wie im Ensemble souveräne und technisch geniale Meister ihres Fachs. Da stimmen Rhythmus und Lautstärke wie auch das perfekte harmonische Miteinander der Musiker und ihrer Instrumente. Und so lässt das Sextett nicht nur Stücke von Louis Armstrong und Duke Ellington, Scott Joplin, Hoagy Carmichael, Joe King Oliver und Boddy Bolden lebendig werden, sondern auch deren Epoche. Wechselnde wunderbare Bilder aus jener Zeit von Bars und Bands, Komponisten und Plattencovers, Straßenzügen aus New Orleans oder auch dem legendären "Satchmo" Louis Armstrong auf der Großleinwand hinter der Band brachten neben der großartigen Musik auch eine zaubehafte Atmosphäre auf die Bühne.

Nach zahlreichen Klassikern wie etwa "Creole Love Call" von Duke Ellington oder "Cornet Chop Suey" von Armstrong ging es aufs Ende zu. Doch da drehten die Sechs erst noch richtig auf. So mischten sie in den berühmten "Tiger Rag" Melodien aus "Schiwago", "Die Fischerin vom Bodensee", "Das macht die Berliner Luft" und "La Paloma". Und als Zugaben zündeten sie mit "What a wonderful World" und "Oh when the Saints go marching in" noch einmal ein wahres Feuerwerk an Temperament und Spielfreude. Ein tolles Konzert von Musikern, die nicht nur technisch perfekt und stark im Ausdruck sind, sondern sich auch allesamt als Sympathieträger ihres Genres in die Herzen des Publikums spielten. Das war ein toller Auftritt.

Autor

Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
03. 12. 2018
18:00 Uhr

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03. 12. 2018
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