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AWG-Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

Nach der Insolvenz bangen die Mitarbeiter aus den Filialen in Oberfranken um ihre Arbeitsplätze. Im April soll die Entscheidung fallen.



Neben dem Kaufland in der Stammbacher Straße finden die Münchberger bislang eine AWG-Filiale. Ob das Geschäft erhalten bleibt, ist offen, sagt ein Sprecher der Textilkette, die Insolvenz anmelden musste. Das Unternehmen will sich sanieren, heißt es. Foto: Siegfried Gottesmann
Neben dem Kaufland in der Stammbacher Straße finden die Münchberger bislang eine AWG-Filiale. Ob das Geschäft erhalten bleibt, ist offen, sagt ein Sprecher der Textilkette, die Insolvenz anmelden musste. Das Unternehmen will sich sanieren, heißt es. Foto: Siegfried Gottesmann  

Kulmbach/Münchberg/Naila/Kronach/Wunsiedel- Die Mitarbeiterinnen der Münchberger AWG-Filiale nahe des Kauflands in der Stammbacher Straße bangen, wie insgesamt rund 2900 Mitarbeiter der in Baden Württemberg ansässigen Textilkette AWG, um ihre Arbeitsplätze. Auch die Beschäftigten in den Filialen in Kronach, Kulmbach, Naila und Wunsiedel haben bislang nicht mehr in Händen als die Gewissheit, dass sie noch bis Ende April Arbeit haben. Dann wird über die Zukunft der Kette entschieden, die vor wenigen Tagen Insolvenz anmelden musste und derzeit versucht, sich in Eigenverwaltung zu sanieren.

Insolvent im 50. Jahr des Bestehens

Ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens ist AWG von einer Insolvenz betroffen. Die "Allgemeine Warenvertriebsgesellschaft mbH" (AWG) mit dem Solgan "Alle werden glücklich" ist eine deutsche Bekleidungs-Handelskette mit Sitz in Köngen (Baden-Württemberg). 1969 gründete Schneidermeister Imanuel Maier die Gesellschaft und eröffnete 1970 das erste AWG-Modecenter. Die Kette wird heute von seinem Sohn Albrecht Maier geführt. Im Jahr 2000 öffnete AWG seine 100. Filiale. Bis vor Kurzem hatte das Unternehmen 300 Filialen, zehn davon wurden in den vergangenen Monaten bereits geschlossen. Am 28. Januar hat die Textilhandelskette beim Amtsgericht Esslingen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.

Noch gebe es keine konkreten Planungen, sagt Veit Mathauer von der Stuttgarter Agentur Sympra, die die Öffentlichkeitsarbeit für AWG übernommen hat. Ziel sei es natürlich, das Unternehmen wieder auf gesunde Beine zu stellen. Aber man könne noch nicht sagen, ob alle der derzeit 290 Filialen erhalten bleiben oder ob es eine "Straffung" geben wird. "Alle Filialen werden derzeit auf ihre Rentabilität geprüft", sagt Mathauer. Bis Ende April habe der Betrieb dafür Zeit. So lange sind die Gehälter über das Insolvenzgeld gesichert. "Dann muss klar sein, ob Filialen geschlossen werden müssen, und wenn ja, welche."

 

AWG setzt dabei auch auf ihre Kunden. Die sind nach Aussagen des Sprechers der Textilkette, besonders treu. "Viele unserer Kunden kaufen ihre Textilien ausschließlich bei uns. Dieses Potenzial soll natürlich erhalten bleiben."

Die vergangenen beiden Monate haben laut Veit Mathauer bereits ersten Grund zur Hoffnung gegeben. Den Textilmarkt in Deutschland nennt Mathauer "brutal". Es gebe sehr viele Ketten. Zudem haben auch Discounter wie Aldi oder Lidl Bekleidung in ihrem Sortiment aufgenommen. Die Preise sind niedrig, die Margen sinken immer weiter. AWG sei in die Katastrophe geraten, weil im vergangenen Jahr mit der immensen Hitze praktisch das gesamte Herbstgeschäft ausgefallen sei. "Keiner hat Herbstkleidung gekauft. Das merkt man gewaltig, und das hat das Unternehmen schließlich in die Schieflage geführt."

AWG sei ein Familienunternehmen, sagt Mathauer. Dem Inhaber sei alles daran gelegen, den Betrieb zu retten und auch die Arbeitsplätze seiner Beschäftigten. AWG sei für Albrecht Maier ein Lebenswerk. Mit aller Kraft werde in der Firma an der Sanierung und damit an der Sicherung der Zukunft gearbeitet. "Unsere Mitarbeiter verstehen sich alle als große Familie. Alle halten zusammen und wollen gemeinsam die Firma retten."

Die Verkäuferinnen der Filialen in der Region reagieren verhalten, wenn man sie auf die Insolvenz anspricht. Sie wissen, dass es ihrem Arbeitgeber schlecht geht, bestätigen sie. Und natürlich machen sie sich Gedanken, ob ihre Filiale und damit auch ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben werden. Über ihren Arbeitgeber verlieren sie kein schlechtes Wort. Man spürt, dass sie hinter dem Unternehmen stehen und weiter dort arbeiten wollen.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
19:50 Uhr

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