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Wirtschaft

Airbus fliegt dank Technik aus Coburg

Kunstrasen, Flugzeug- und Windradflügel oder hoch belastbares Verpackungsband: Ohne das Know-how des Maschinenbauers Dietze+Schell sind solche Produkte nicht denkbar.



Rainer Landwehr, Geschäftsführer von Dietze+Schell Coburg (links), und geschäftsführender Gesellschafter Andreas Heckendorff in einer Maschinenstraße, die in Kürze ausgeliefert wird. Foto: Frank Wunderatsch
Rainer Landwehr, Geschäftsführer von Dietze+Schell Coburg (links), und geschäftsführender Gesellschafter Andreas Heckendorff in einer Maschinenstraße, die in Kürze ausgeliefert wird. Foto: Frank Wunderatsch  

Coburg - Es ist das weltweit wohl größte Spektakel in der Sportwelt: der amerikanische Super Bowl. Das Finale der US-Football-Profiliga NFL, das Anfang Februar weltweit Millionen von Menschen am Fernseher verfolgten, fand mit Coburger Beteiligung statt. Der Kunstrasen, auf dem die Superstars der amerikanischen Football-Szene spielten, ist auf einer von Dietze+Schell entwickelten und gebauten Maschine hergestellt worden. Und es gibt in den Staaten kaum einen der unzähligen privaten Swimmingpools, um den herum nicht ein solches Vlies verlegt ist.

28.03.2018 - Hinter den Kulissen des Maschinenbauers Dietze+Schell - Foto: Frank Wunderatsch

Hinter den Kulissen von Dietze+Schell
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Hinter den Kulissen von Dietze+Schell
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Hinter den Kulissen von Dietze+Schell

Ohne den Coburger Maschinenbauer fliegt weder der Airbus A 320, noch der Boeing Dreamliner. Bauteile für Flügel und Rumpf entstehen aus Gewichtsgründen nicht mehr aus Metall, sondern aus Karbon. Die Technologie zur Produktion dieses leichten, aber hoch stabilen Werkstoffs kommt aus Coburg. "Wir sind der weltweit einzige Maschinenhersteller, der dafür zertifiziert ist", sagt geschäftsführender Gesellschafter Andreas Heckendorff.

Ohne Dietze+Schell müsste die Energiewende ohne Windkraft stattfinden. Die mächtigen Flügel der Rotoren werden aus Glasfaser hergestellt, die feiner als ein Haar ist und über Maschinen aus Coburg läuft. "Wir sind so ziemlich die Einzigen weltweit, die das können", betont Heckendorff. Und: 80 Prozent aller Kisten, Päckchen, Paletten und Stapel könnten nicht verpackt werden, würde der Maschinenbauer nicht die Technologie für PE- und PET-Verpackungsband liefern. "In jedem dieser Bereiche sind wir Weltmarktführer", berichtet Heckendorff. Die Palette von Werkstoffen und Produkten, die auf Dietze+Schell-Maschinen entstehen, ist damit längst nicht ausgereizt. Sie finden sich im BMW i3, in Reifen von Michelin und Conti, in Motorsensen von Stihl, in der Frontpartie von Mercedes-Lkw oder in Gittergewebesteinen, die in der Bauindustrie Verwendung finden.

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1951. Dr. Günther Schell und Bruno Dietze beginnen in Coburg mit der Lohnfertigung von Verpackungsmaschinen für die Süßwarenindustrie. 1953 kommen Spul- und Kabliermaschinen dazu. Damit nehmen die beiden Firmengründer im wahrsten Sinne den Faden auf, um an der erfolgreichen Zukunft des Unternehmens zu spinnen. Mit großem Erfolg: Der Maschinenbauer wächst beständig.

Ab 1959 leitet Jürgen Schell, der später von seinem Bruder Detlef unterstützt wird, die Geschicke des Unternehmens. 2004 scheiden beide aus der Geschäftsführung aus - und haben die Zukunft des Maschinenbauers gesichert. Mit Bedacht hat die Familie neue Eigentümer gesucht und in Andreas Heckendorff und der TTT Technical Textile Technologies Holding GmbH, München, gefunden. "Die Familie hat ihr Unternehmen im Zuge der Altersnachfolgeregelung mit dem Anspruch verkauft, es zukunftsfähig zu machen und nicht auf den eigenen Profit geschaut. Das rechne ich ihr bis heute hoch an", betont Heckendorff.

Mit ihrem Einstieg 2005 stellen die neuen Gesellschafter die Firma konsequent international auf. Dies geschieht in den Folgejahren durch die Übernahme von Unternehmen, die zum Profil von Dietze+Schell passen: in Nordamerika, Tschechien, Italien und Deutschland. "Damit sind wir in der Lage, komplette Produktionslinien zu fertigen, beispielsweise für Kunstrasen, Verpackungsband oder Produkte aus Glasfaser", so Andreas Heckendorff.

"Die Glasfaser ist mittlerweile die Perle im Konzern und erreicht 30 Prozent unseres Gesamtumsatzes", ergänzt Rainer Landwehr, der sich mit Andreas Heckendorff die Geschäftsführung teilt. Heckendorff verantwortet die Bereiche Vertrieb, Technik und Marketing, Landwehrs Zuständigkeitsbereich umfasst Finanzen, Personalwesen, Einkauf, Produktion sowie die Betreuung der Schwestergesellschaften.

Dietze+Schell beschäftigt an seinen insgesamt sechs Produktionsstandorten 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 170 in Coburg. Schrieb die Gruppe im Jahr 1994 noch einen Umsatz von acht Millionen D-Mark, wird in diesem Jahr das Umsatzziel von 110 Millionen Euro angepeilt. Das Unternehmen ist nach Angaben seines geschäftsführenden Gesellschafters Heckendorff bis zum Jahr 2019 ausgelastet, "und das mit guten Aufträgen. Das ist im Maschinenbau extrem unüblich." Normal sei eine Auslastung von vier bis fünf Monaten.

Das Geheimnis des Erfolgs? Andreas Heckendorff schmunzelt und sagt: "Wir wollen auf jedem Feld, auf dem wir unterwegs sind, die Besten sein." Dass dem so ist, scheint sich herumgesprochen zu haben. Dietze+Schell liefert seine Maschinen in alle Teile der Welt, "außer in die Antarktis", so der geschäftsführende Gesellschafter. "93 Prozent gehen in den Export, und wir unterhalten Vertretungen in über 65 Ländern", ergänzt Geschäftsführer Landwehr. Die stärksten Märkte für die Coburger sind Nordamerika mit 25 Prozent und China mit 20 Prozent.

Dietze+Schell investiert konsequent in den Standort Coburg, betont Heckendorff. Das zahlt sich aus. Heute ist Dietze+Schell Weltmarktführer bei der Entwicklung und Produktion von Spul-, Texturier-, Schneid- und Extrusionsanlagen in den Anwendungsbereichen Glasfaser, Karbon, technische Garne und Bändchen sowie Kunstrasen und hoch belastbares Verpackungsband.

Die Belegschaft hält zum Unternehmen. Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten im Betrieb, "über die Hälfte der Facharbeiter haben ihre Ausbildung bei Dietze+Schell absolviert", berichtet Landwehr. Gemeinsam unternehmen Geschäftsführung und Belegschaft Ausflüge. Andreas Heckendorff: "Wir waren schon in Tschechien und Italien."

Um die Zukunft des Unternehmens ist es Heckendorff nicht bange. Die Auftragslage ist gut, die Innovationskraft hoch. "Du musst immer zwei Jahre vorausdenken, um im Markt bestehen zu können. Das ist Grundsatz unserer Firmenphilosophie", sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Und: "Wir investieren konsequent in neue Technologien und Innovationen", betont Rainer Landwehr. Die Investitionsquote von Dietze+Schell liegt bei zehn Prozent vom Umsatz.

Großen Wert legt der Maschinenbauer auf die Ausbildung seiner Fachkräfte. Dafür gibt der Betrieb rund eine halbe Million Euro im Jahr aus. Die Ausbildungsquote liegt nach Angaben von geschäftsführendem Gesellschafter Heckendorff seit Jahren zwischen acht und zwölf Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl.

Dietze+Schell bietet sechs Ausbildungsberufe an: Mechatroniker, Industrie- und Zerspanungsmechaniker, Industriekaufmann, Technischer Produktdesigner und Fachkraft für Lagerlogistik. Rainer Landwehr: "Wir freuen uns über jede Bewerbung."

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
30. 03. 2018
20:14 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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30. 03. 2018
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