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Wirtschaft

Alter Tagebau birgt automobile Zukunft

Das Auto von morgen wird kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze entwickelt. 200 Millionen Euro investiert BMW dort in ein Zentrum für autonome E-Mobilität.



Auf dem Gelände eines alten Kohle-Tagebaus nahe Sokolov will BMW ein neues Testzentrum errichten. Fotomontage: BMW
Auf dem Gelände eines alten Kohle-Tagebaus nahe Sokolov will BMW ein neues Testzentrum errichten. Fotomontage: BMW  

Waldsassen/Sokolov - Ein ehemaliger Tagebau im tschechischen Sokolov soll für den deutschen Autobauer BMW der ideale Standort als Testzentrum für autonomes Fahren werden. Grund für den Neubau in Sokolov, den sich BMW knapp 200 Millionen Euro kosten lassen will, ist die Überlastung der bestehenden Testzentren in Aschheim bei München, erklärt BMW-Immobilienchef Herbert Grebenc. Rund 200 Millionen Euro will der Automobilkonzern in das neue Zentrum rund 35 Kilometer hinter der deutsch-tschechischen Grenze etwa auf halber Höhe zwischen dem weltberühmten Kurbad Karlovy Vary (Karlsbad) und Cheb (Eger) investieren.

Bürgermeister werben

BMW will für sein Testzentrum vermutlich auch deutsche Ingenieure gewinnen. Tatsächlich hat der bayerische Automobilkonzern eigens eine Studie in Auftrag geben lassen, die eruiert, wo gehobenes Wohnen auf deutscher Seite möglich ist. Auch zwei Bürgermeister aus der Oberpfalz, das Waldsassener Stadtoberhaupt Bernd Sommer und sein Mitterteicher Amtskollege Roland Grillmeier, stellen bauplanerisch bereits die Weichen für mögliche Ansiedlungen.

 

"Am geplanten Erprobungsstandort in Sokolov werden wir zukunftsweisende Themen wie Elektromobilität, Digitalisierung und automatisiertes Fahren weiter vorantreiben und beispielsweise Assistenzsysteme unter dem Aspekt der Fahrsicherheit erproben", erklärt eine BMW-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Mit dem Zuschlag für Sokolov kommt es zu einer weit in die Zukunft reichenden Richtungsentscheidung. "In Sokolov haben wir ideale Bedingungen für die Erprobung unserer Fahrzeuge gefunden", begründete Grebenc jüngst die Standortwahl auf einer Pressekonferenz in Prag.

 

Drei Jahre lang hatte BMW zwischen 82 Kandidaten ausgewählt. Als entscheidende Kriterien für Sokolov nannte Grebenc die gute verkehrstechnische Anbindung und die Topografie des Geländes. Start der Anlage soll "Anfang des kommenden Jahrzehnts" sein, wie BMW-Sprecherin Saskia Essbauer mitteilt.
Auch von der tschechischen Regierung kann BMW maximales Entgegenkommen erwarten. Das Land plant in Zukunft, nicht mehr
den Bau reiner Montagehallen zu unterstützen, sondern setzt auf die Ansiedlung entwickelter Technologien mit einem hohen Grad an Wertschöpfung.

Inwieweit BMW auch mit finanzieller Förderung rechnen kann, ließ der neue Industrieminister TomᚠHüner zunächst offen, verspricht aber: "Die Verhandlungen der tschechischen Regierung mit BMW über eine Deklaration für den Bau des Testzentrums werden sachlich und schnell verlaufen."

Für den Test seiner Assistenzsysteme hatte BMW bereits 2015 den Flughafen Hof-Plauen anmieten müssen. "Zum Standort Hof sehen wir durch Sokolov keine Konkurrenzbeziehung", teilt eine Sprecherin der Stadt Hof auf Nachfrage unserer Zeitung mit. "Im Gegenteil: Möglicherweise ergeben sich Synergien mit dem Hofer Standort."

 

Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Bürgermeister von Sokolov, Jan Picka: "BMW hebt die Region auf ein neues Niveau"

 

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Christopher Michael, Jürgen Herda, Sören Göpel
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Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
18:12 Uhr

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15. 11. 2018
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