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Wirtschaft

BAT: Zwischen Wut und Enttäuschung

Der Tabakproduzent BAT streicht 185 Stellen in Bayreuth. Die Stimmung im Werk ist schlecht. Die Arbeitnehmervertreter wollen nun kämpfen.



Den BAT-Arbeitnehmervertretern stehen schwere Verhandlungen bevor (von links): Mario Giannakakis, Michael Grundl und Betriebsratschef Ulrich Popp. Foto: Andreas Harbach
Den BAT-Arbeitnehmervertretern stehen schwere Verhandlungen bevor (von links): Mario Giannakakis, Michael Grundl und Betriebsratschef Ulrich Popp. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Am Tag nach der Horrornachricht, dass der Tabakkonzern BAT in Bayreuth das Produkt- und Entwicklungszentrum schließen und damit erneut rund 185 Mitarbeiter entlassen will, sprechen die Arbeitnehmervertreter von Wut und Enttäuschung unter ihren Kollegen. Für sie gehe es nun darum, eine gute Lösung für die Betroffenen auszuhandeln. Bei der Arbeitsagentur spricht man von einem weiterhin aufnahmefähigen Arbeitsmarkt in der Region, der aber auch nicht mehr ganz so gut laufe wie 2016, als bei BAT 950 Mitarbeiter gehen mussten.

Die Emotionen haben sich natürlich auch einen Tag nach der verhängnisvollen Betriebsversammlung noch nicht gelegt. "Da gab es sehr viele Tränen", sagt Betriebsratsvorsitzender Ulrich Popp im Gespräch mit unserer Zeitung. Gerade erst hat er sich von einer Kollegin verabschiedet, die ihn gar nicht mehr aus der Umarmung lassen wollte. Er sei auch selber emotional sehr mitgenommen, sagt der 51-Jährige: "Ich bin jetzt 27 Jahre dabei, habe als Schlosser hier viel mit aufgebaut, und jetzt wird es wieder abgebaut."

Bei den Betroffenen schwanke die Stimmung stark, manche wollten mit niemandem mehr reden.
Außerdem gebe es völliges Unverständnis über die Entscheidung, das bislang hochgelobte Entwicklungszentrum zu schließen und die Arbeit auf andere Standorte im Ausland zu verteilen. "Wir sind mit Test- und Forschungsaufträgen voll bis unters Dach - und dann kommt so eine Horrornachricht. Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagt Popp. Eine schlüssige Begründung habe es nicht gegeben.

Dabei sei doch die Hoffnung genährt worden, dass das Forschungszentrum eine Keimzelle für neues Wachstum in Bayreuth sein könne. "Alles leere Versprechungen", sagt Popp kopfschüttelnd. Das sei um so unverständlicher, als über Jahre hohe Expertise aufgebaut worden sei: "Hier wurden Forschungen betrieben und zur Serienreife gebracht, die dem Unternehmen Einsparungen von mehreren Milliarden Euro gebracht haben. Und jetzt sagt das Management: Alles weg, brauchen wir nicht mehr."

Betroffen seien Mitarbeiter im Alter von 18 bis 59 Jahren. Es gebe viele hoch Qualifizierte wie Ingenieure, Chemiker, Biologen oder Physiker, aber auch Produktionsmitarbeiter. Alle müssten in einer Transfergesellschaft qualifiziert werden, damit sie schnell wieder einen Job finden.

Auch der Betriebsrat sei von der Entscheidung überrascht worden. Zwar sei man am 1. Juli informiert worden, dass die komplette BAT-Welt, vom Top-Management bis in jede kleine Fabrik, überprüft wird. "Als Betriebsrat ist man ja eher pessimistisch. Wir sind da zwar hellhörig geworden, aber geahnt haben wir dann doch nichts."

Michael Grundl, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Oberfranken, sagt: "Wir sind jetzt in der Pflicht, für die Betroffenen einen guten Sozialplan auszuhandeln. Dafür gibt es einen klaren Auftrag der Mitarbeiter." Dabei werde man sich am Abschluss 2016 mit Abfindungen und einer Transfergesellschaft orientieren. "Die war ein Erfolgsmodell." Jetzt müssten erst mal Gespräche starten. "Wir wollen dem Management natürlich dazu Gelegenheit geben. Aber wenn die glauben, irgendeine Billiglösung durchzubekommen, sind wir zu Protestaktionen bereit."

Zur Tatsache, dass der Schließungsprozess zwei Jahre dauern soll, sagt Grundl: "Man sagt den Leuten ja, wir brauchen euch noch zwei Jahre, aber dann ist euer Job weg. Das wird spannend, wie die Menschen damit umgehen."

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
22:02 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
22:02 Uhr



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