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Wirtschaft

Baur-Gruppe bleibt auf Kurs

Das Unternehmen schließt das Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 817 Millionen Euro ab. Wachstumstreiber ist erneut der Online-Handel.



Neuer Steuermann: Am 1. Juli übernimmt Patrick Boos (links) von Albert Klein (Zweiter von links) den Vorsitz der Baur-Geschäftsführung. Das Führungsteam komplettieren Hans-Christian Müller und Olaf Röhr.	Foto: Christoph Scheppe
Neuer Steuermann: Am 1. Juli übernimmt Patrick Boos (links) von Albert Klein (Zweiter von links) den Vorsitz der Baur-Geschäftsführung. Das Führungsteam komplettieren Hans-Christian Müller und Olaf Röhr. Foto: Christoph Scheppe  

Weismain - Es geht weiter aufwärts: Die Baur-Gruppe hat den Vorjahreserfolg bestätigt und damit "wiederholt ihre Position als zuverlässiger Umsatz- und Ergebnisträger innerhalb der Otto-Gruppe bekräftigt", zeigte sich Albert Klein am Mittwoch zufrieden mit der Bilanz des Geschäftsjahrs 2018/19. Danach erzielte der Unternehmensverbund aus Burgkunstadt einen Umsatz von 817 Millionen Euro und übertraf damit sowohl den Vorjahresrekordwert (806 Millionen Euro) als auch den Umsatzplan. Minimal hinter den Erwartungen blieb die Rendite, weil die österreichische Tochter Unito und der Dienstleister BFS nicht die erhofften Ziele erreichten. Klein: "Aber mit mehr als drei Prozent sind wir besser als der Wettbewerb."

132 neue Stellen

Die Baur-Gruppe beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahrs 2018/19 nach eigenen Angaben 4201 Mitarbeiter aus 48 Nationen. Das sind 132 als im Vorjahr. 3791 davon arbeiten an den oberfränkischen Standorten mit den Schwerpunkten Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain. 400 Mitarbeiter sind für die österreichische Tochter Unito tätig.

 

Integriert ins Team sind trotz bürokratischer Hürden auch 60 Asylbewerber.

 

Die Digitalisierung verändert auch die Baur-Arbeitswelt. Das spiegelt sich in der Weismainer Zentrale wider. Dort wurde im Dezember 2018 eine Etage zum Coworking Space "Freiraum" umfunktioniert. Ziel ist es, eine offene und gemeinschaftliche Arbeitsatmosphäre zu etablieren.

 

Für den gebürtigen Saarländer, der am 30. Juni aus der Baur-Gruppe ausscheidet, war es die letzte Bilanz unter seiner Ägide. Er übergibt nach 18 Jahren in der Geschäftsführung den Vorsitz an Patrick Boos, der als Geschäftsführer den Bereich Marke & Vertrieb verantwortet. Voraussichtlich bis Mitte 2020 wird Klein als Unito-Aufsichtsratsvorsitzender dem Unternehmensverbund aber weiter zur Verfügung stehen.

 

Am Dienstag revidierte er seine zu Jahresbeginn getroffene vorläufige Einschätzung von bedingt zufrieden auf nunmehr insgesamt zufriedenstellend. Ausschlaggebend für die etwas bessere Bewertung war die "dynamische Ergebnisentwicklung im letzten Quartal". Dabei erwies sich erneut der Onlineversandhändler baur.de als Wachstumstreiber, der unterm Strich mit seinen Kernsortimenten Mode, Möbel und Technik um sieben Prozent zulegte.

Eine "Wachstumspause" legte hingegen die österreichische Tochter Unito ein, die 14 Online-Shops der Marken Otto, Quelle, Ackermann, Lascana und Universal in sechs europäischen Ländern vertreibt. Die "erfolgsverwöhnte Tochter" habe 2018 nach zehn Jahren mit Wachstum mit Durchschnittsraten von zehn Prozent erstmals ein kleines Umsatz- und Ergebnisminus eingefahren, berichtete Klein. Maßnahmen wie Sortimentserweiterung und Preissenkungen hätten beim Kunden nicht die erhofften Effekte ausgelöst. Deshalb seien Korrekturen vorgenommen worden. Erste Erfolge zeichneten sich ab, gab sich der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung optimistisch, dass "Unito rasch in die Erfolgsspur zurückkehren wird".

Für die Logistik-Sparte war das Geschäftsjahr 2018/19 ein arbeitsreiches. Neben dem Tagesgeschäft stand der Umzug an den Standort Altenkunstadt an. Dort galt es, rund 2,5 Millionen Artikel des neuen Geschäftspartners About You einzulagern. Seit März werden von dort aus alle Kunden direkt beliefert. Damit steigt die Gesamtausgangsmenge am Standort Altenkunstadt auf 70 Millionen Teile im Jahr.

Wie Klein weiter erläuterte, weitete der Fulfillment-Anbieter BFS zwar den Umsatz aus, verfehlte jedoch das gesteckte Ergebnisziel. Die Dienstleistungstochter der Baur-Gruppe konzentriert ihre Aktivitäten nunmehr auf die oberfränkischen Standorte, nachdem BFS aus Rentabilitätsgründen vom Vorhaben abrückte, für den Großkunden s. Oliver im nordrheinwestfälischen Witten einen Standort zu betreiben. Etabliert habe sich zudem die IT-Techniktochter Empiriecom, die den Betrieb der Online-Shops der Baur-Gruppe verantwortet und E-Commerce-Lösungen für ausgewählte Firmen der Otto-Gruppe entwickelt.

Auch wenn die Baur-Gruppe auf soliden Füßen steht: Albert Klein betonte mehrfach, dass ein verschärftes Wettbewerbsumfeld und ständig verändertes Kundenverhalten keinen Stillstand duldeten. Deshalb werde man die Digitalisierung konsequent weiter ausbauen und optimieren.

Dafür ist ab 1. Juli Patrick Boos als Vorsitzender der Geschäftsführung zuständig. Mit Mehrwert, Differenzierung und neuen Geschäftsfeldern stehen bereits drei Themen auf seiner Agenda. Die vollzogene Kooperation mit Payback bringe dem Kunden Mehrwerte und sei für Baur ein probates Mittel der Bindung. Boos will darüber hinaus das aus 600 000 Artikeln bestehende Online-Sortiment ausweiten und sich durch Eigenmarken von Mitbewerbern abgrenzen. Weiterhin sieht er Potenziale für neue Geschäftsmodelle. Konkret denkt er daran, Handelspartnern zusätzliche Werbemöglichkeiten auf den Baur-Internetseiten anzubieten. Die Digitalisierung, sagt Boos, zwinge zum Handeln: "Wir befinden uns an allen Ecken und Enden in einem radikalen Umbau."

Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
10. 04. 2019
21:12 Uhr

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Christoph Scheppe

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10. 04. 2019
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