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Wirtschaft

Bayern schreibt Expresszüge EU-weit aus

Der Freistaat mischt in Oberfranken die Karten für den Regionalzugverkehr neu. In fünf Jahren laufen alle Verkehrsverträge aus. Für die Neuvergabe steht ein Favorit bereits fest.



Auf den kurvenreichen Bahnstrecken Oberfrankens, wie hier auf der Schiefen Ebene, verkürzen die Neigetechnikzüge VT 612 die Fahrzeiten erheblich. Zwischen Bamberg und Hof beträgt der Zeitgewinn 20 Minuten.	Foto: Werner Rost
Auf den kurvenreichen Bahnstrecken Oberfrankens, wie hier auf der Schiefen Ebene, verkürzen die Neigetechnikzüge VT 612 die Fahrzeiten erheblich. Zwischen Bamberg und Hof beträgt der Zeitgewinn 20 Minuten. Foto: Werner Rost  

Oberfranken - Der Freistaat Bayern hat Anfang November im EU-Amtsblatt die geplante Ausschreibung des Expresszug-Verkehrs in Nordostbayern angekündigt. Der Regionalverkehr ist - anders als der Fernverkehr mit ICE- oder IC-Zügen - nicht kostendeckend und muss subventioniert werden. Dafür ist im Freistaat die landeseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zuständig, die den Nahverkehr plant und finanziert. Größere Ausschreibungen muss die BEG ein Jahr zuvor EU-weit ankündigen. Für zwei Netze sind nun derartige Mitteilungen erschienen. In beiden Fällen handelt es sich um Expresszug-Netze - also um den schnellen Regionalverkehr, der für Nutzer des Bayern-Tickets besonders attraktiv ist. Bei einem der beiden Netze hat die BEG einen Favoriten als Betreiber benannt. Beim zweiten Netz ist vorerst alles offen.

Neuer Umsteigeknoten

Bereits zum Fahrplanwechsel am
9. Dezember 2018 greift ein neues Umsteigekonzept zwischen dem Franken-Thüringen-Express (FTX) und dem Main-Saale-Express (MSX). Statt wie bislang in Lichtenfels müssen die Fahrgäste künftig in Hochstadt-Marktzeuln umsteigen und sparen sich einige Minuten Reisezeit. So kann man zum Beispiel mit dem MSX von Bayreuth oder Kulmbach mit nur einmal Umsteigen in Hochstadt-Marktzeuln im FTX via Kronach und Saalfeld bis Leipzig fahren.

 

Die BEG hat bei den Vorab-Informationen bislang folgende Rahmenbedingungen bekannt gegeben:

 

Express-Verkehr Nordostbayern: Unter diesem Titel fasst die BEG die Regionalexpress(RE)-Linien zusammen, die bislang DB Regio betreibt. Diese Ausschreibung umfasst 8,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr auf den Linien Bamberg-Hof/Bayreuth, Nürnberg-Hof/Bayreuth, Marktredwitz-Schwandorf und Nürnberg-Weiden/Neustadt (Waldnaab)/Furth im Wald/Regensburg. Die BEG plant für dieses Liniennetz eine Vergabe für die Dauer von sieben Jahren. Dabei setzt die BEG weiter auf Neigetechnik. "Da nach unserer Kenntnis nur DB Regio über geeignete gebrauchte Neigetechnikfahrzeuge in ausreichender Anzahl verfügt, kommt nur DB Regio für die Erbringung der Leistungen mit Neigetechnik in Betracht", teilt die BEG im EU-Amtsblatt mit. Nur durch den Einsatz der Neigetechnik sei es möglich, die heutigen attraktiven Reisezeiten und wichtige Anschlüsse zu gewährleisten. Die BEG kündigt ihre Absicht an, den Auftrag an DB Regio zu vergeben. Bis zum 20. Dezember 2018 haben demnach andere Unternehmen, die plausibel darlegen können, diese Leistungen in wirtschaftlich sinnvoller Weise erbringen können, Gelegenheit, der BEG ihr Interesse zu bekunden.

Express-Verkehr Ostbayern: Diese Ausschreibung sieht bereits einen Betriebsstart im Dezember 2022 vor und beinhaltet die Express-Züge, die derzeit die Länderbahn unter dem Markennamen "Alex-Nord" betreibt. Das sind die Linie Hof-Regensburg-München und in Kooperation mit der Tschechischen Bahn CD die Linie Prag-Pilsen-Furth im Wald-Schwandorf-Regensburg-München. Die BEG kündigt dazu ein wettbewerbliches Vergabeverfahren an. Bemerkenswert bei dieser angekündigten Ausschreibung ist die lange Vertragslaufdauer von 16 Jahren. Nach dem ersten Betriebsjahr möchte die BEG den Leistungsumfang von 2,8 auf 4,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr deutlich erhöhen. Wie die BEG auf Anfrage dazu mitteilt, plant die BEG von Ende 2023 an einen Stundentakt zwischen München und Schwandorf, der sich zweistündlich wie heute nach Furth im Wald und in Kooperation mit Tschechien bis Prag fortsetzen wird. "In der anderen Stunde soll linienrein von München nach Hof gefahren werden", teilt die BEG-Sprecherin Dr. Agnieszka Urban mit. Dies bedeutet faktisch ein Ende des Flügelkonzeptes mit der Vereinigung und Teilung der Züge in Schwandorf, das oft zu Verspätungen der Alex-Züge in Richtung München führt.

Dieselnetz Oberfranken: Bereits vor einem halben Jahr hat die BEG die Ausschreibung des Dieselnetzes Oberfranken angekündigt, zu dem nicht die Expresszug-Linien gehören, sondern alle Regionalzüge, die derzeit unter Regie von Agilis und der Oberpfalzbahn fahren. Auch hier ist nach der Neuvergabe ein Betriebsstart im Dezember 2023 geplant.

E-Netz Franken: Der Vertrag für die elektrischen RE-Züge des Franken-Thüringen-Expresses läuft ebenfalls im Dezember 2023 aus. Die BEG wird demnächst die neue Ausschreibung dieses Netzes ankündigen. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat für den Express-Verkehr Nordostbayern und den weiteren Einsatz der Dieselneigetechnik-Züge VT 612 eine lange Wunschliste, was Verbesserungen an diesen Fahrzeugen anbelangt.

"Die Klimatisierung der Fahrgasträume muss dringend verbessert werden, denn im Winter heizen diese Fahrzeuge ebenso maximal wie die Klimaanlage im Sommer auf ,Arktis‘ eingestellt ist", kritisiert Lukas Iffländer. Als weiteres Problem nennt der Pro-Bahn-Sprecher den ohrenbetäubenden Motorenlärm in den beiden Großraum-Abteilen. Dort fordert er entweder eine bessere Lärmdämmung oder andere Motoren. Iffländer spricht sich gegen einen Umbau des kleinen Zweite-Klasse-Abteils zu einem Fahrrad-Abteil aus, wie dies in den baugleichen Fahrzeugen in Baden-Württemberg geschehen ist. "Das sind die besten Zweite-Klasse-Plätze fernab der Motoren", betont der Experte. Für die Beförderung von Rollstuhlfahrern erwartet Iffländer den Einbau eines Hubliftes. Auch bei den Stationen mahnt der Fahrgastverband Verbesserungen an. "In puncto barrierefreie Bahnhöfe gibt es in Oberfranken noch einen großen schwarzen Fleck auf der Landkarte", moniert der Pro-Bahn-Sprecher. Iffländer schlägt eine Vergrößerung des Mehrzweckbereichs in der Fahrzeugmitte vor, wo dann Platz für den Einbau der Lifte sowie für Rollstuhlfahrer und Fahrräder wäre.

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Werner Rost
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Veröffentlicht am:
13. 11. 2018
19:36 Uhr

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Werner Rost

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Veröffentlicht am:
13. 11. 2018
19:36 Uhr



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