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Wirtschaft

Bio-Branche profitiert von Umweltbewusstsein

Immer mehr Menschen ernähren sich bewusst. Der Markt für ökologisch produzierte Nahrungsmittel wächst. Doch auch das Drumherum wird für Verbraucher wichtiger.



Verpackungen aus Holz-Verbundwerkstoffen sind eine Möglichkeit, der Plastikflut Einhalt zu gebieten. Foto: Daniel Karmann/dpa
Verpackungen aus Holz-Verbundwerkstoffen sind eine Möglichkeit, der Plastikflut Einhalt zu gebieten. Foto: Daniel Karmann/dpa  

Nürnberg - Viele Menschen wollen mit möglichst gutem Gewissen einkaufen: umweltbewusst, nachhaltig, ohne Plastik. Das macht sich auch in der Bio-Branche bemerkbar. Diese wächst seit Jahren. Fast zwölf Milliarden Euro gaben die Deutschen nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) im vergangenen Jahr für Bio-Lebensmittel aus, verglichen mit 2018 ist das ein Plus von etwa zehn Prozent. Doch nicht nur der Inhalt, auch die Verpackung spielt für die Verbraucher eine immer größere Rolle. Zero Waste - also Müll vermeiden - ist einer der Schwerpunkte auf der diesjährigen Biofach, der weltgrößten Naturkostmesse in Nürnberg.

"Es ist wichtig, dass es immer mehr Menschen gibt, die mit ihrer Einkaufsentscheidung Verantwortung übernehmen", sagt der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein zur Eröffnung. Bis Samstag zeigen 3800 Aussteller aus mehr als 100 Ländern auf der Biofach und auf der parallel veranstalteten Naturkosmetikmesse Vivaness ihre Neuheiten. Trends sind in diesem Jahr unter anderem vegane Lebensmittel wie Cashew-Käse, Jackfruit-Bolognese und Honig-Alternativen sowie Kosmetik mit Hanf.

"Nachhaltig verpackt", "plastikfrei", "unverpackt" - liest man an vielen Ständen auf der Messe. "Mein Ziel ist es, den Kaffeebecher zu revolutionieren", sagt Uwe D‘Agnone, Geschäftsführer von Creapaper aus dem nordrhein-westfälischen Hennef. Vor acht Jahren hat er nach eigenen Angaben ein patentiertes Verfahren entwickelt, wie sich aus Gras Papier und Pappe herstellen lassen. "Das Material ist in vier Wochen im Meer komplett abgebaut. Ein beschichteter Kaffeebecher braucht im Vergleich 700 Jahre." Verschiedene Supermarktketten nutzen das "Graspapier" für Papiertüten oder Verpackungen von Champignons, Äpfeln oder Weintrauben. In zwei Jahren will D‘Agnone sein etwa 50 Mitarbeiter großes Unternehmen an die Börse bringen. "Wir haben Glück, dass wir in genau der richtigen Zeit mit den Produkten auf den Markt gekommen sind."

Auch klassische Verpackungsunternehmen steigen inzwischen in das nachhaltige Marktsegment ein. Jonatura ist ein Tochterunternehmen einer Folienfabrik im nordrhein-westfälischen Möhnesee. Es ist spezialisiert auf Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kartoffel- und Maisstärke. "Die Nachfrage ist riesig", sagt Jonatura-Mitarbeiter Malte Wieling. Die Folie baue sich in vier bis sechs Monaten auf dem Kompost ab, in Biogasanlagen in zwei Wochen. Doch ob die Folie in die Bio-Tonne dürfe, sei zurzeit von den Gemeinden abhängig. "Das ist eins der Probleme, mit denen wir kämpfen", sagt Wieling.

Zahnpasta als Tabs oder Pulver, Haarseifen, feste Shampoos - auch die Naturkosmetikbranche hat der Plastikflut den Kampf angesagt. "Nachhaltigkeit ist ein großes Thema", sagt die Marktforscherin Elfriede Dambacher. Aber: "Da ist noch viel zu tun." Die Naturkosmetik ist ihren Angaben nach mittlerweile das stärkste Wachstumssegment in der Schönheitsbranche. Fast 1,4 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr für diese Pflegeprodukte aus und damit neun Prozent mehr als 2018.

Auch die Bauern satteln verstärkt auf Öko um. Jeder achte bewirtschaftet seinen Hof nach Angaben des BÖLW inzwischen ökologisch. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Bio-Betriebe um 6,3 Prozent auf fast 34 000, insgesamt kommen sie damit auf einen Anteil von 12,6 Prozent. "Deutschland hat immer noch den größten Biomarkt in der EU - und der Aufwärtstrend hält an", sagt Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Nach dem im Auftrag des Ministeriums erstellten Ökobarometer 2019 kauft jeder zweite Befragte regelmäßig Bio-Produkte, 2018 waren es dagegen nur 28 Prozent. dpa

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Irena Güttel
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Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
20:46 Uhr

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Irena Güttel

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
20:46 Uhr



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