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Wirtschaft

Bloß keine fliegenden Autos

Seit April ist Jens Schlemmer neuer Chef bei Michelin in Hallstadt. Die Reifenproduktion im Werk ist rückläufig. Diese Entwicklung will der 47-Jährige aufhalten.



Jens Schlemmer ist neuer Michelin-Chef im Hallstadter Werk. Beruflich und privat ist er ein viel gereister Mann. Er war jahrelang in Asien unterwegs. Foto: Roland Töpfer
Jens Schlemmer ist neuer Michelin-Chef im Hallstadter Werk. Beruflich und privat ist er ein viel gereister Mann. Er war jahrelang in Asien unterwegs. Foto: Roland Töpfer  

Hallstadt - Das Michelin-Werk in Hallstadt bei Bamberg hat seit April mit Jens Schlemmer einen neuen Chef. Der 47-jährige Maschinenbauingenieur hat viel zu tun. Denn die Stückzahlen in Hallstadt gehen seit Jahren zurück. 2011 wurden 7,5 Millionen Pkw-Reifen produziert, in diesem Jahr werden es nur noch rund 5,5 Millionen sein.

Michelin baut neue Werke im boomenden Asien oder auch in Mexiko. Hallstadt produziert für das eher stagnierende Europa. Jens Schlemmer muss dafür sorgen, dass der oberfränkische Standort im internen Wettbewerb des Reifenkonzerns nicht unter die Räder kommt. Die Produktion will er "kurzfristig stabilisieren", die Produktivität steigern. Das könnte auch Personalabbau bedeuten. Rund 900 Beschäftigte arbeiten im Moment bei Michelin in Hallstadt. Schlemmer will nicht ausschließen, dass es in einigen Jahren 50 bis 100 weniger sind. Es soll aber "keine drastische Entwicklung" geben. Schlemmer will neue Technik - das Werk investiert jährlich rund sieben Millionen Euro - schneller implementieren, komplexe Produkte besser hinkriegen als andere Standorte. Sein Job: Die richtigen Reifen zur richtigen Zeit mit der richtigen Qualität zu den richtigen Kosten herstellen. Hallstadt produziert Pkw-Reifen der Größen 16, 17 und 18 Zoll. 19-Zöller kommen frühestens 2021 hinzu. Dann feiert der Standort 50-jähriges Bestehen und hat in dieser Zeit über 250 Millionen Reifen hergestellt.

Zwei Drittel der Investitionen gehen in die Optimierung der Produktion. Zwei Beispiele: Autonome Transportsysteme für den Materialfluss oder die Sichtprüfung mit Kameras.

Über 600 000 Reifen kann Michelin in Hallstadt lagern. Von hier gehen sie zu jeweils 50 Prozent an die Autobauer oder ins Ersatzgeschäft des Reifenhandels.

Vor dem Elektroauto hat Schlemmer keine Angst. Denn auch Elektroautos brauchen Reifen. Die sind dann vielleicht schmaler, höher und geräuschärmer, werden aber wohl kaum billiger. Mehr Sorgen macht Schlemmer Markus Söder. "Der will fliegende Autos." Ein Albtraum für einen Michelin-Manager.

Schlemmer ist in Karlsruhe geboren, hat dort und in Frankreich studiert und als junger Ingenieur bei Michelin in Homburg seine Karriere gestartet. Es folgten weitere Stationen in der Konzernzentrale in Clermond-Ferrand, in Bangkok und Schanghai. Ein Wechsel alle vier bis fünf Jahre ist bei Michelin durchaus üblich. Schlemmer hofft trotzdem, dass er länger in Oberfranken bleiben kann. Acht Jahre wären schon schön, meint er. In der Region hat er sich gut eingelebt, spielt bereits Fußball in einer Altherrenmannschaft. Rechter Verteidiger. "Wenn's der Gegner erlaubt, gehe ich auch mal mit vor." Sport spielt eine wichtige Rolle in seinem Leben. Als junger Mann war er badischer Meister im Kunstturnen, musste dann aber aufhören. Der Rücken machte Probleme.

In Bamberg hat die Familie - die Schlemmers haben vier Kinder - eine schöne Altbauwohnung gefunden. Der Älteste studiert bereits in Frankreich. Die Region will die Familie nun nach und nach erkunden. "Ich war noch nicht in der Fränkischen. Das wird schön." Die Menschen hier sind ihm sympathisch. "Das sind praktische Leute, ehrliche Leute."

Der Konzern, bei dem Schlemmer arbeitet, ist für ihn genau das Richtige. "Der Traum von mir war, die Welt kennenzulernen." Zehn Jahre war Schlemmer in Thailand und China. "In Asien gibt es kaum einen Fleck, wo ich nicht war." Privat oder beruflich.

Jetzt freut er sich, dass er wieder in Europa ist. "Wenn man das Gras sieht, alles so grün, das ist ganz toll."

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Roland Töpfer
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Veröffentlicht am:
27. 08. 2018
19:56 Uhr

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Roland Töpfer

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27. 08. 2018
19:56 Uhr



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