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Wirtschaft

Bosch sichert den Standort in Bamberg

Das Unternehmen verkürzt die Arbeitszeit, um Entlassungen zu vermeiden. Die Vereinbarung gilt zunächst bis 2026.



Durch kürzere Arbeitszeiten der rund 6200 Tarifmitarbeiter will der Bamberger Bosch-Standort Entlassungen vermeiden. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
Durch kürzere Arbeitszeiten der rund 6200 Tarifmitarbeiter will der Bamberger Bosch-Standort Entlassungen vermeiden. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa  

Bamberg - In dem wegen der Diesel-Krise stark unter Druck geratenen Bosch-Werk in Bamberg wird die Arbeitszeit verkürzt, um Entlassungen zu vermeiden. Werkleitung und Betriebsrat haben eine Vereinbarung zur Standortsicherung bis 2026 geschlossen, bestätigte Sprecherin Ulrike Kümmel gegenüber unserer Zeitung.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Arbeitszeit der rund 6200 Tarifmitarbeiter - insgesamt hat Bosch in Bamberg 7200 Beschäftigte - für eine Laufzeit von sechs Jahren reduziert wird. Im Gegenzug investiere das Unternehmen weiter in den Standort, unter anderem in den Aufbau neuer Bereiche wie beispielsweise der stationären Brennstoffzelle, so Kümmel. Bis 2026 seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. "Wir werden weiter Auszubildende einstellen", sagte Kümmel. 60 Auszubildende würden jährlich eingestellt und bekämen später ein Übernahmeangebot.

Die Arbeitszeit der Tarifbeschäftigten mit einer 35-Stunden-Woche verkürzt sich von April 2020 bis März 2026 um drei Stunden. Mitarbeiter mit einer 40-Stunden-Woche arbeiten vier Stunden weniger. Das Entgelt sinkt entsprechend der Absenkung.

Der Bamberger Bosch-Standort ist von der Mobilitätswende vom Verbrennungsmotor in Richtung alternative Antriebe besonders stark betroffen. Die 7200 Beschäftigten produzieren bisher fast ausschließlich Teile für den Diesel und Benziner. Ausscheidende Mitarbeiter - rund 250 im Jahr - werden nicht ersetzt, der Personalbestand schrumpft. Für die kommenden Jahre kann Kümmel keine Entwarnung geben: "Wir reden hier nicht von einer konjunkturellen Delle, sondern von einem strukturellen Wandel."

"Unser Ziel ist es, viele Arbeitsplätze am Standort Bamberg zu erhalten. Das jetzt vereinbarte Maßnahmenpaket leistet dazu einen wichtigen Beitrag", erklärte Martin Schultz, der kaufmännische Werkleiter. "Dies ist eine für das Werk Bamberg maßgeschneiderte Lösung, die in dieser Form neu bei Bosch ist."

Laut Betriebsratschef Mario Gutmann können mit der sechsjährigen Laufzeit der Arbeitszeitverkürzung viele Arbeitsplätze erhalten werden. "Wir haben Zeit gewonnen, um gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen am Standort die Transformation aktiv zu gestalten. Wir können uns nun auf die Industrialisierung der mobilen und stationären Brennstoffzelle konzentrieren und zugleich die Verbrennungstechnologie weiterentwickeln - denn auch die Mobilität der Zukunft kommt ohne moderne Verbrenner nicht aus."

Die IG Metall begrüßte das Abkommen. Der bayerische Bezirksleiter Johann Horn: "Diese Vereinbarung zeigt, dass Unternehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften im industriellen Wandel gemeinsam Beschäftigung sichern und Standorte weiterentwickeln können. Das ist gelebte Mitbestimmung, von der alle profitieren." Laut Matthias Gebhardt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg, war eine Initiative des Betriebsrats und der IG Metall ausschlaggebend für die Lösung.

Autor

Roland Töpfer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
20:34 Uhr

Aktualisiert am:
07. 11. 2019
20:34 Uhr

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Roland Töpfer

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
20:34 Uhr

Aktualisiert am:
07. 11. 2019
20:34 Uhr



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