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Wirtschaft

Das Pferd, das den Karren zieht

Der Wirtschaftsethiker Karl Homann hält beim Arbeitgeberforum ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft. Die habe zu nie gekanntem Wohlstand geführt.



"Soziale Marktwirtschaft bedeutet Freiheit und Verantwortung": vbw-Bezirksgeschäftsführer Patrick Püttner (links) und Professor Dr. Karl Homann, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Philosophie und Ökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Foto: Stephan Herbert Fuchs
"Soziale Marktwirtschaft bedeutet Freiheit und Verantwortung": vbw-Bezirksgeschäftsführer Patrick Püttner (links) und Professor Dr. Karl Homann, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Philosophie und Ökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Foto: Stephan Herbert Fuchs  

Neudrossenfeld - Wie können Unternehmen mit kritischen Einstellungen zur sozialen Marktwirtschaft umgehen? Diese Frage stand am Donnerstagabend im Mittelpunkt des Arbeitgeberforums Oberfranken der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Neudrossenfeld.

"Nur mit überzeugenden und belastbaren Argumenten", betonte der Referent, Professor Dr. Karl Homann. Sein Thema an diesem Abend: "Die Sehnsucht vieler Intellektueller nach einer anderen Wirtschaftsordnung: Diagnose und Therapie". Homann war bis 2008 Inhaber des Lehrstuhls Philosophie und Ökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Die Beteiligung der Wirtschaftselite am öffentlichen Diskurs ist unverzichtbar", sagte Homann. Die Unternehmer rief er auf: "Wappnen Sie sich mit guten Argumenten."

Denn "trotz bester Performance" würden die Anhänger der sozialen Marktwirtschaft immer wieder in die Defensive geraten. "Das war schon immer so", erklärte Homann. "Nur wenige sehen in der Marktwirtschaft das Pferd, das den Karren zieht", zitierte er Winston Churchill. Dabei beziehe sich die Kritik häufig nicht nur auf die Unternehmer selbst, sondern auch auf den Markt und das politische System. Die Kritik sei in der Regel geprägt von Ressentiments und in Zeiten von sozialen Medien gelte die Regel: "Je steiler die Thesen, desto mehr Aufmerksamkeit ist dem Kritiker gewiss." Wer beispielsweise die Verstaatlichung von BMW fordere, der könne sich einer riesigen medialen Präsenz gewiss sein.

"Das System des Wettbewerbs hat uns allen nie gekannten Wohlstand ermöglicht", fuhr Homann fort. Verlierer werde es immer geben, das sei die Logik des Wettbewerbs. Trotzdem habe dieser entscheidend zur Förderung des allgemeinen Lebensniveaus beigetragen.

Allerdings erteilte der Philosophieprofessor einem schrankenlosen Wettbewerb eine klare Absage. "Ähnlich wie im Fußball muss auch die Marktwirtschaft auf Regeln setzen." Der Wettbewerb selbst finde in den Spielzügen statt, nicht in den Spielregeln. Schiedsrichter seien das Kartellamt und die Justiz.

Zur Kritik am politischen System und der Globalisierung bemerkte Homann, dass eine globale Ordnung leider fehlt. "Wir brauchen eine globale Rahmenordnung. Wer allerdings glaubt, dass man die Globalisierung ein Stück weit rückgängig machen kann, wie es derzeit in Großbritannien mit dem Brexit oder in den USA mit der Parole ,America first’ geschieht, befindet sich in der Sackgasse", sagte er. Solche Versuche dienten nur dem Machterhalt. Stattdessen sollten die Verantwortlichen daran arbeiten, eine Rahmenordnung zu geben.

Zuvor hatte sich vbw-Bezirksgeschäftsführer Patrick Püttner klar zu den Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft bekannt. "Unsere Gesellschaft verdanke ihr Wohlstand und ein hohes Maß an sozialer Sicherheit", sagte er. Das Konzept beruhe auf Freiheit und Verantwortung: Freiheit für ein dynamisches Marktgeschehen, das die besten Ideen belohnt, und Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften. Der Staat sollte dabei Schiedsrichter sein, aber kein Mitspieler, so Püttner. Politisch gehe es trotz riesiger Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, internationalen Handelskonflikten, Strukturwandel oder Digitalisierung derzeit eher in Richtung Gängelung und Ausweitung der sozialen Wohltaten, beklagte der Geschäftsführer. Von den Prinzipien Freiheit und Verantwortung sei man dagegen in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr abgerückt.

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Stephan Herbert Fuchs
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Veröffentlicht am:
28. 09. 2019
00:00 Uhr

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Stephan Herbert Fuchs

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28. 09. 2019
00:00 Uhr



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