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Der eingebaute Doktor

Der Robotik-Spezialist Preccon hat ein System entwickelt, das Industrieroboter selbstständig in den Originalzustand versetzt. Dafür erhält er einen renommierten Preis.



Je überraschender der Preis, desto größer die Freude: strahlende Gesichter bei Marlene Breunig, Mitarbeiterin im IMS-Vertrieb, Martin Loch, Produktmanager bei IMS, Jochen Bargfrede, Geschäftsführer Teconsult, Dieter Ladegast und Hartmut Lindner, Preccon-Geschäftsführer, Victoria Sonnenberg, "Maschinenmarkt"-Redakteurin und Laudatorin, sowie Cara Enste, Mitarbeiterin im IMS-Vertrieb. Foto: red
Je überraschender der Preis, desto größer die Freude: strahlende Gesichter bei Marlene Breunig, Mitarbeiterin im IMS-Vertrieb, Martin Loch, Produktmanager bei IMS, Jochen Bargfrede, Geschäftsführer Teconsult, Dieter Ladegast und Hartmut Lindner, Preccon-Geschäftsführer, Victoria Sonnenberg, "Maschinenmarkt"-Redakteurin und Laudatorin, sowie Cara Enste, Mitarbeiterin im IMS-Vertrieb. Foto: red  

Bayreuth/München - Damit haben sie beim kleinen Bayreuther Robotik-Spezialisten Preccon dann doch nicht gerechnet. Auf der Automatica, der Leitmesse für Automatisierungstechnik in München, gab es jetzt einen renommierten Preis, der normalerweise an viel größere Unternehmen verliehen wird.

Automatica und MM-Award

Die Automatica ist die Leitmesse für automatisierte Produktion und bündelt nach eigenen Angaben das weltweit größte Angebot an Industrie- und Servicerobotik, Montageanlagen, industriellen Bildverarbeitungssystemen und Komponenten. Mit knapp 900 Ausstellern richtet sie sich an Unternehmen aus allen Industriebranchen. Die Automatica findet alle zwei Jahre statt und lockt deutlich über 40 000 Fachbesucher nach München, davon mehr als 80 Prozent Entscheider und mehr als ein Drittel aus dem Ausland.

Das Fachmagazin "Maschinenmarkt" verleiht immer auf der Automatica den in der Branche angesehenen MM-Award in sieben Kategorien. Der Bayreuther Robotik-Spezialist Preccon bekam den Preis in diesem Jahr in der Kategorie Industrieroboter, in der sich in der Regel deutlich größere Unternehmen durchsetzen.


"Das hat uns wirklich umgehauen." Hartmut Lindner, zusammen mit Dieter Ladegast geschäftsführender Gesellschafter bei Preccon, scheint es immer noch nicht ganz fassen zu können, als ihn unsere Zeitung übers Handy am Messestand erreichte. Klar, man habe sich ja beworben für den Award der Fachzeitschrift "Maschinenmarkt". Aber bislang ging der Preis in der Kategorie Industrieroboter halt fast immer an einen der ganz großen Hersteller mit Zehntausenden Beschäftigten - Kuka oder Kawasaki heißen die.

Und nun also Preccon, aktuell 48 Mitarbeiter stark. IMS heißt das jetzt ausgezeichnete Produkt, das zusammen mit der eigenen Tochter Teconsult entwickelt wurde und laut Lindner in jeden Industrieroboter eingebaut werden kann - auch in solche, die bereits in der Produktion arbeiten. Dabei handelt es sich um ein System für Diagnose und Wiederherstellung von Robotersystemen, "eine Art Gedächtnis, in dem ein Mal der Idealzustand der Maschine abgespeichert wird", erklärt Lindner.

Ein Wissen, mit dem anschließend auf mehreren Ebenen gearbeitet werden kann. So genügt ein Befehl, um den Roboter jederzeit und ohne Aufwand wieder in den Standardzustand zu versetzen. Das könne nach Wartungsarbeiten oder Werkzeugumrüstungen Zeit sparen, aber auch, wenn von außen für eine unplanmäßige Störung gesorgt wurde - etwa durch einen unachtsamen Gabelstaplerfahrer.

Das System hilft aber auch im laufenden Betrieb, sagt Lindner. Weil es kleinste Abweichungen des Roboters vom Idealzustand erkennt und wenn möglich gleich selbst behebt. Oder zumindest dem Maschinenführer frühzeitig Bescheid gibt, wenn zum Beispiel eine Wartung oder eine Reparatur nötig ist. "Wenn Sie dadurch nur einen Maschinenschaden verhindern, hat sich das System schon locker bezahlt gemacht", sagt Lindner. Und auch im Normalbetrieb steige die Produktivität um ein Fünftel. Bei Preccon sprechen sie deshalb auch gerne vom eingebauten Doktor. Und von einem weltweiten Alleinstellungsmerkmal. Zumal es sich um ein trotz seiner Komplexität bezahlbares System handle, ergänzt Teconsult-Geschäftsführer Jochen Bargfrede.

Wie dem auch sei: Das Interesse am Preccon-Stand habe sich mit der Preisverleihung noch mal spürbar gesteigert. Nicht nur hochrangige Vertreter der großen Roboterhersteller Stäubli, Kuka oder ABB, in deren Produkten IMS zum Teil schon läuft, seien da gewesen. "Brasilianer, Koreaner, US-Amerikaner, Kanadier und viele Europäer haben sich bei uns informiert und großes Interesse gezeigt. Ich musste ganz schön viel Englisch sprechen", sagt Lindner.

Dabei zahle es sich aus, auf der Automatica nur mit IMS vor Ort zu sein und nicht auch mit den beiden anderen Standbeinen, dem Anlagenbau und Dienstleistungen rund um Roboter. "Man darf sich nicht verzetteln", sagt Lindner, der nach den Messeeindrücken mit einer starken Steigerung der Verkäufe von IMS-Systemen rechnet.

Gut, dass das Unternehmen zum Jahreswechsel neue und deutlich größere Räumlichkeiten im Industriegebiet Sankt Georgen in Bayreuth bezogen hat. Auch wenn diese auf Sicht ebenfalls zu klein werden könnten, so wie es zum Schluss im Gründerzentrum in Wolfsbach auch schon war. Um fünf auf 48 ist die Zahl der Mitarbeiter seit dem Umzug angestiegen. Mindestens ebenso viele neue Beschäftigte sollen kurzfristig hinzukommen. Auch wenn Lindner und Ladegast betonen, man werde "nichts übers Knie brechen", die angestrebte zunehmende Internationalisierung scheint mit IMS Fahrt aufzunehmen. Insofern sei der MM-Award an sich zwar "undotiert, aber für uns unbezahlbar".

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
26. 06. 2018
20:18 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
26. 06. 2018
20:18 Uhr



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