Topthemen: Hofer Kaufhof wird HotelHilfe für NachbarnBenefiz-BallStromtrasse durch die RegionGrabung bei NailaGerch

Wirtschaft

Die Kunst des digitalen Wandels

Die Business Systemhaus AG will sich zum IT- Unternehmensberater entwickeln. Dabei muss sich die Firma auf die Wünsche ihrer vielfältigen Kundschaft einstellen.



Sie managen den Wandel bei der Business Systemhaus AG (von links): Vorstand Wolfgang Eichfeld, Vertriebschef Gerd Schertel und die Prokuristen Michael Zettl und Regina Deppner. Foto: Andreas Harbach
Sie managen den Wandel bei der Business Systemhaus AG (von links): Vorstand Wolfgang Eichfeld, Vertriebschef Gerd Schertel und die Prokuristen Michael Zettl und Regina Deppner. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Dass die Digitalisierung auch die IT-Branche durcheinanderwirbelt, ist höchstens auf den ersten Blick erstaunlich. Weil die Kunden plötzlich ganz andere Wünsche haben, müssen sich die Anbieter anpassen. Die Bayreuther Business Systemhaus AG hat den Wandel eingeleitet.

Das Unternehmen

Business Systemhaus ist 1995 aus der bereits 1952 gegründeten Bezirksstelle des IT-Pioniers Taylorix hervorgegangen. Trotz des eingeleiteten Wandels zum IT-Unternehmensberater ist das wichtigste Standbein weiter die individuelle Anpassung von ERP-Software bei mittelständischen Kunden, die damit ihre Geschäftsprozesse steuern.

Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf jetzt 48 gestiegen, darunter sechs Auszubildende. Es werden ständig weitere Mitarbeiter gesucht, die möglichst bodenständig sein sollen. Maßnahmen wie Gleitzeit, Homeoffice, betriebliche Gesundheitsförderung oder der Anspruch, dass keine oder nur wenige Überstunden anfallen, sollen die nicht zu leugnenden Gehaltsunterschiede zu den Metropolen ausgleichen helfen. Business Systemhaus hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (30. Juni) gut 5,2 Millionen Euro Umsatz erzielt, im laufenden Geschäftsjahr sollen es gut 5,5 Millionen werden. Und die Rendite? "Wir haben noch nie Verlust gemacht", sagt Eichfeld. sts

 

Nicht dass der Mittelstand sich grundsätzlich gegen das Digitale stemmen würde. "So ist es beileibe nicht", sagt Wolfgang Eichfeld, Alleinvorstand bei Business Systemhaus. Schließlich lebt sein Unternehmen immer noch zu rund 70 Prozent davon, sogenannte ERP-Software genau auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei darum, möglichst alle Geschäftsprozesse über eine integrierte Software abzuwickeln.

 

Mehrere Hundert aktive Kunden haben die Bayreuther in diesem Bereich - in ganz Deutschland, vereinzelt auch im deutschsprachigen Ausland, vor allem aber in einem rund 200 Kilometer großen Radius rund um Bayreuth. Direkt vor Ort sind es etwa die Brauerei Maisel, Steiner Optik oder BIV. Bekannte Kunden in der Region sind unter anderem die Confiserie Burg Lauenstein (Ludwigsstadt), Liros, ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Seilen für Wassersport, Industrie und Automobil (Berg) oder der Lichtsystem-Spezialist Lamilux in Rehau. Alle aus völlig unterschiedlichen Branchen, einige hoch spezialisiert, alle unterschiedlich groß und deshalb alle mit unterschiedlichen Anforderungen. "Da müssen unsere Mitarbeiter schon gut und lange zuhören, bis es an die passgenaue Lösung gehen kann", sagt Eichfeld.

Und doch reiche das nicht mehr, um auch in der Zukunft bestehen zu können - und zwar weder für sein eigenes Unternehmen noch für die Kunden, glaubt der Vorstand. So machen neue Techniken etwa neue Arbeitsweisen möglich, und die wollen vor allem die jungen Mitarbeiter nutzen.

Bisher habe es da bei vielen Mittelständlern zum Teil noch große Vorbehalte gegeben, doch mittlerweile wende sich das Blatt, sagt Prokurist Michael Zettl. Junge, dynamische Mitarbeiter seien es aus ihrem Alltag nun mal gewöhnt, in Whatsapp-Gruppen zu kommunizieren. "Mailen ist denen viel zu formell und langsam." Skypen sei normal, Dokumente würden problemlos über Tools wie Dropbox ausgetauscht. "Die fragen dann ihre Chefs nach solchen Lösungen auch am Arbeitsplatz", sagt Zettl: "Und wenn sie sie nicht bekommen, dann rebellieren sie oder gehen halt zu einem moderneren Arbeitgeber."

Was sich heute schon allein wegen des zunehmenden Fachkräftemangels in nahezu allen Branchen keiner mehr leisten könne. Und so gelte es, den Unternehmen die Ängste vor Cloud und Co. zu nehmen und ihnen die Vorteile aufzuzeigen, erläutert Zettl.

Der Bayreuther Fernglas-Hersteller Steiner sei einer der Partner, bei dem gerade ein entsprechendes Projekt läuft. Es gehe unter anderem darum, die Teamarbeit im Unternehmen zu verbessern. Wenn sich die Mitarbeiter in Echtzeit untereinander austauschen und mehrere gleichzeitig an Dokumenten arbeiten könnten, die in der Cloud bereitliegen, wenn alle Berechtigten bei einem Projekt dank transparenter Prozesse immer auf dem gleichen Stand sind, dann erhöhe das auch die Produktivität und damit den Nutzen für das Unternehmen. Zugleich müsse das natürlich auf höchstmöglichem Sicherheitsniveau ablaufen.

Auch die noch nicht einmal im Ansatz erkennbaren Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz könnten und sollten genutzt werden, sagt Zettl und nennt ein Beispiel: "Da halten drei Mitarbeiter auf drei Kontinenten ein Online-Video-Meeting ab, dessen Audiospur automatisch ausgelesen und dann ein Protokoll erstellt wird - und zwar in der jeweiligen Sprache der Teilnehmer."

Das sei die Zukunft, ist auch Vertriebschef Gerd Schertel sicher. Bislang habe Business Systemhaus vor allem IT-Werkzeuge verkauft und sie zum Laufen gebracht. Jetzt und in Zukunft gehe es vermehrt darum, Wissen zu verkaufen, also die Kunden auf dem Weg in die digitalisierte Welt an die Hand zu nehmen. Dass es auch da um individuelle Lösungen geht, liege auf der Hand. Oder wie es Prokurist Zettl ausdrückt: "Will man fünf Kilo abnehmen, ist für jeden ein anderer Weg der beste. Nur einen Hometrainer, also das Werkzeug zu kaufen, reicht nicht. Am besten ist ein Personal Trainer. Der wollen wir sein."

Autor

Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 08. 2018
19:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Digitaltechnik Geschäftsjahre Geschäftsprozesse Kunden Personal Prokuristen Unternehmensberater Wünsche
Bayreuth
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Südeuropäische Banken stellen für viele Sachverständige eine Gefahr für die Stabilität des europäischen Bankensystems dar - besonders in Stress-Situationen. Foto: Lena Klimkeit/dpa

09.11.2018

Experten sehen große Gefahren für Sparer

Funktioniert die Einlagensicherung in der EU? Oder müssen sich die Kunden von Sparkasse und Co bei der nächsten Krise auf das Schlimmste » mehr

Sebastian Döberl

21.09.2018

Sebastian Döberl rückt auf in den Bundesvorstand

Die Delegierten der Bundeskonferenz der Wirtschaftsjunioren (WJ) Deutschland haben den Bayreuther Sebastian Döberl, bislang Landesvorsitzender der WJ Bayern, zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. » mehr

Sie freuen sich über den International Sound Award (von links): Marcus Pieper und Steffen Krafft von Electric Pulse, Permina van der Galiën und Marco Kies von TMT sowie Sigikid-Chef Axel Gottstein. Foto: Andreas Harbach

11.10.2018

Kleines Team auf großer Bühne

Eine Sound-Agentur aus Oberfranken sticht die große internationale Konkurrenz aus. Und holt sich einen renommierten Preis. » mehr

Experten gaben Handwerkern Tipps zum Digitalen.	Foto: Frank Wunderatsch/HWK

21.09.2018

Aus analogen Handwerkern werden digitale Fachleute

Experten geben in Bayreuth einen Einblick in Möglichkeiten, die das Internet und Computer den Betrieben bieten. Es geht um Datenschutz und Kundenansprachen. » mehr

Einer von drei Stäubli-Geschäftsbereichen sind Industrieroboter. Foto: Archiv/Ronald Wittek

24.08.2018

Stäubli-Roboter sollen mobil werden

Der Konzern übernimmt einen oberpfälzischen Spezialisten für fahrerlose Transportsysteme. » mehr

Alles im Computer: Philipp Hackenschmidt kümmert sich bei Reha Team um Orthesen, Andreas Opel um Einlagen, Gernot Gebauer (von links) ist der Chef. Foto: Andreas Harbach

21.08.2018

3-D-Drucker statt Handraspel

Die Digitalisierung erobert Schritt für Schritt auch das Handwerk. Aber wie funktioniert das konkret? Ein Besuch beim Bayreuther Unternehmen Reha Team. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Saso Avsenik Hof

Saso Avsenik und seine Oberkrainer | 17.11.2018 Hof
» 60 Bilder ansehen

Blaulicht-Party

Blaulicht-Party | 16.11.2018
» 45 Bilder ansehen

ATSV Erlangen - SpVgg Bayern Hof 1:0  (1:0) Erlangen

ATSV Erlangen - SpVgg Bayern Hof 1:0 (1:0) | 17.11.2018 Erlangen
» 6 Bilder ansehen

Autor

Stefan Schreibelmayer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 08. 2018
19:42 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".