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Wirtschaft

Die Seidenstraße beginnt in Hof

Neue Chancen für die Anbindung Oberfrankens nach China soll eine Containerzug-Verbindung schaffen. Ein Team arbeitet am Zukunftsprojekt.



Das Container-Terminal in Hof ist seit Jahren ein erfolgreicher Umschlagplatz für Waren.	Foto: Archiv
Das Container-Terminal in Hof ist seit Jahren ein erfolgreicher Umschlagplatz für Waren. Foto: Archiv  

Hof/Nürnberg - Gute 10 000 Kilometer Schiene liegen zwischen Hof in Oberfranken und Changchun in Nordostchina. Eine Strecke, die bewältigt werden kann und die wirtschaftlich interessant ist. Changchun, Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole und Industriestandort, sei ein sehr interessanter Standort. Diese Ansicht vertritt nicht nur der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär.

Die Idee, sie seit etwa einem Dreivierteljahr in diversen Gremien und Runden gewälzt, bearbeitet, ausgeweitet und so immer konkreter wird, gefällt Bär. "Harald Leupold, langjähriger Chef des Hafens Nürnberg, hat erste Kontakte geknüpft", sagt Bär. Leupold stammt aus dem Landkreis Hof. "Mit ihm habe ich über die Entwicklungsmöglichkeiten gesprochen." Bär gibt gerne zu, dass ihm die Idee gefällt. "Unsere Seidenstraße" nennt er das Projekt. Und: "Ein lohnenswertes Ziel."

Viele Unterstützer tragen es. Und es gibt erste Erfolge: Kürzlich war der Vizebürgermeister aus Changchun mit einer Delegation im Hofer Landratsamt zu Gast. Die Jugendmannschaft der Spielvereinigung Bayern Hof war mit Tim Rödel zum sportlichen Gegenbesuch in der chinesischen Metropole, die immerhin sieben Millionen Einwohner hat.

Gemeinsam mit der IHK Oberfranken Bayreuth hatten schon im Sommer der Hofer OB Dr. Harald Fichtner und Landrat Bär nach Hof eingeladen. Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltung der IHK, Logistik-Agentur Oberfranken und der GVZ Hof Entwicklungsgesellschaft trafen sich interessierte Vertreter zahlreicher Unternehmen im IHK-Bildungszentrum. Das Ziel des Abends: mit den Unternehmern zu diskutieren, welche Chancen sich für die Unternehmen aus dem Projekt ergeben und schon nächste Schritte festzuklopfen. Prominenter Redner des Abends war Staatssekretär Franz Josef Pschierer vom bayerischen Wirtschaftsministerium. Roland Hawranek von CCILP, dem chinesischen Unternehmen mit Sitz in Nürnberg, das schon ähnliche Zugverbindungen von Changchun nach Europa und dabei auch an diverse deutsche Standorte unterhält, berichtete aus der Praxis.

"Seither führen wir Gespräche mit Unternehmen aus ganz Oberfranken, ganz besonders mit der Automobilzulieferindustrie", erklärt Landrat Bär. Noch seien es ganz zarte Fäden, die man in Händen halte. "Doch wir wollen wissen, ob wir die Schwelle der Nachfrage überschreiten, dass sich die Containerverbindung lohnt."

Diese Sorge nimmt ihm Andi Popescu gerne. Im Gespräch mit unserer Zeitung versichert der Betriebsleiter und Direktor Business Development von CCILP, dass der Containertransport zwischen Europa und Asien eine lohnenswerte Branche sei. "Wir benutzen die transsibirische Route", sagt er, "und kommen mit unseren Containern bis nach Changchun." Sein Unternehmen wolle das auch direkt aus Hof machen. Die Ausgangslage sei aufgrund der Schienenanbindung "chancenreich".

Die Strecke ginge dann von Hof über Polen nach Brest in Weißrussland, weiter über Zabaikalsk in Russland und dann wieder über die Grenze nach China. Eine Strecke, die je nach Zollabfertigung an der Grenze und Slots für die Containerzüge zwischen 14 und 19 Tage dauert. Und damit wesentlich schneller ist als der Wasserweg.

30 bis 35 Container pro Zug, der einmal pro Woche zwischen Hof und Changchun verkehre, ist das angestrebte Ziel, sagt Landrat Bär. "Logistik ist eine der meist unterschätzten Wirtschaftssparten", bilanziert er. Doch die Welt werde immer mehr vernetzt, der Warenaustausch wächst an, die Lieferzeiten drängen. "Klar, wir drehen ein großes Rad", schmunzelt Bär. Doch er sieht Anknüpfungspunkte, die seiner Region nur dienlich sein können. "Klappt das mit unserer Seidenstraße, dann haben wir einen großen Mehrwert." Warenumschlagsplätze seien immer für Erweiterungen und Ansiedlungen interessant.

Noch ermittelt der Planungsstab in Hof den Bedarf. Im Rathaus der Stadt Hof ist die Wirtschaftsförderung mit Klaus-Jochen Weidner eingebunden, im Landratsamt läuft vieles über den Tisch von Hauptamtsleiter Hermann Seifferth. Natürlich geht am Logistikstandort nichts ohne das Güterverkehrszentrum (GVZ). Die Hochschule Hof mit Professor Dr. Friedtjof Langenhan an der Spitze zieht mit am selben Strang. Andreas Weinrich, der Geschäftsführer von Bischoff, gehört laut Bär ebenfalls zu den Unterstützern. "Viele Schultern tragen das Projekt."

Einen Startzeitpunkt gibt es noch nicht. "Wenn wir die Grundlagen ermittelt haben, wenn wir wissen, dass die Nachfrage und der Bedarf da sind, dann können wir an die Umsetzung gehen", sagt Bär. "Logistik ist ein Zukunftsfaktor." Das ganze Team bewerte das Projekt als "lohnenswertes Ziel". "Und", so sagt der Landrat: "es ist der Anspruch an uns selbst, die Frage nach unserer Seidenstraße zu stellen. Jetzt ist die Zeit reif dafür."

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Kerstin Dolde

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2017
18:36 Uhr

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Kerstin Dolde

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2017
18:36 Uhr



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