Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Wirtschaft

Die packen fast alles

SMB Schwede entwickelt Umreifungsmaschinen und verkauft sie in alle Welt. Dank des Booms beim Versandhandel blicken sie optimistisch in die Zukunft.



In Reih und Glied - die Umreifungsmaschinen von SMB Schwede werden komplett in Goldkronach montiert. In einem Schwesterwerk bei Plauen werden Teile gefertigt und vormontiert.	Fotos: Andreas Harbach
In Reih und Glied - die Umreifungsmaschinen von SMB Schwede werden komplett in Goldkronach montiert. In einem Schwesterwerk bei Plauen werden Teile gefertigt und vormontiert. Fotos: Andreas Harbach  

Goldkronach - Sie müssen schnell sein, sie müssen ordentlich was zusammenhalten, dabei aber nicht zu forsch vorgehen, damit nichts kaputtgeht - SMB Schwede in Goldkronach entwickelt und produziert Umreifungsmaschinen, die so ziemlich alles zusammenschnüren können.

Die Ursprünge der Firma liegen in der Zeitungsindustrie, wo ganz am Ende der Herstellung die Druckerzeugnisse mit Kunststoffband zu Paketen verpackt werden. In den USA war SMB einst Marktführer, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Als dort die Branchenkrise einsetzte, mussten sich die Goldkronacher nach anderen Anwendungen und Kunden umsehen. Und stießen mit innovativen Konzepten in andere Bereiche und Branchen vor.

Heute macht die grafische Industrie bei den Maschinenverkäufen zwar immer noch rund 30 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt 16 Millionen Euro aus, liegt damit aber nicht mehr an der Spitze, sagt Jürgen Höhn, der die Geschäfte bei SMB Schwede zusammen mit Ellen Fleischmann führt. Denn 40 Prozent entfallen heute auf Maschinen für das Umreifen von Kartonagen. Den Rest teilen sich die Bereiche Baustoffe, Lebensmittel oder auch Kunststoffbehälter, wie sie zum Beispiel für den Transport von Medikamenten benutzt werden.

Und auch exotische Anwendungen gibt es. Zum Beispiel die Umreifung hoch verdichteter Heuballen. "Da sind wir Weltmarktführer", sagt Höhn. Solche Maschinen gehen vor allem in die USA und nach Australien, wo der Export von Heu ein großes Geschäft ist.

"Man muss die jeweilige Branche und deren Anforderungen wirklich genau verstehen, um eine passende Maschine entwickeln zu können", sagt Höhn. Und das ist wichtig, denn im billigeren Massenmarkt ist die Konkurrenz vor allem aus Asien und insbesondere China groß. "Der höhere Preis von made in Germany wird nur bezahlt, wenn der Kunde einen besonderen Nutzen hat." 8000 Euro kostet eine sehr preiswerte Maschine, komplexe Anlagen kommen aber schon mal auf das Zehnfache. 600 bis 700 Maschinen werden pro Jahr ausgeliefert - auf Bestellung.

Und so wird bei SMB Schwede viel in die Produktentwicklung investiert. Es gibt höhenverstellbare und damit rückenschonende Maschinen. Es gibt Maschinen, bei denen die Umreifungseinheit herausziehbar ist, sodass bei einer Störung niemand mehr hineinklettern muss. "Das ist sicherer und spart vor allem Zeit. Und Zeit ist Geld", sagt Höhn. Schließlich bilden die SMB-Maschinen fast immer das Ende einer Produktionsstraße - wenn sie stehen, steht meist alles.

Wichtig sind auch Details. Weil SMB in alle Welt liefert - die Exportquote liegt bei 70 Prozent -, müssen die Bedienpanels selbsterklärend sein, was über Piktogramme funktioniert. Die stärksten Märkte sind neben Europa Nordamerika sowie Australien und Neuseeland. Auch Asien sei im Blick. Es gibt vollautomatische und teilautomatische Maschinen. Es gibt Maschinen, die die unterschiedlichsten Kartonagenformate bewältigen können, bis zu einer Breite von 1,65 Metern. Diese Branche ist für den Geschäftsführer auch in Zukunft strategisch die wichtigste, weil dort - getrieben durch Versandhandel und E-Commerce - weiter deutliches Wachstum zu erwarten ist.

Ein wichtiges Geschäftsfeld ist für Höhn aber auch die Versorgung mit Ersatzteilen. "Es ist kurzsichtig, zu denken, dass Kunden gleich eine neue Maschine bei uns kaufen, wenn etwas ausfällt." Ganz im Gegenteil: "Wenn sie wissen, dass Service und Ersatzteilversorgung passen, kaufen sie auch die nächste Maschine bei SMB." Und so unterhält das Unternehmen ein eigenes Zentrallager und garantiert Ersatzteilsicherheit für mindestens zehn Jahre. Und das für Maschinen, die bis zu drei Millionen Zyklen im Jahr abspulen. Die schnellste schafft pro Sekunde ein Paket.

Die Montage der Maschinen findet komplett in Goldkronach statt. In einem Schwesterwerk in Weischlitz bei Plauen werden Teile gefertigt und vormontiert. Zusammen kommen beide Standorte auf rund 130 Beschäftigte, davon 85 in Goldkronach, wo auch stets rund zehn junge Menschen ausgebildet werden.

Gegründet wurde die Firma 1965, 2017 wurde sie an Signode verkauft - ein US-Unternehmen mit 7000 Mitarbeitern und 2,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz, das wiederum der Crown-Holding mit über 20 000 Beschäftigten gehört. "Die haben den Kronkorken erfunden", sagt Höhn, der freimütig bekennt: "Ein Konzern ist schon etwas anderes. Da gibt es schon mal Diskussionsbedarf, aber wir haben auch weiterhin unseren Freiraum."

Autor

Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
20:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Exportwirtschaft Gerät Konkurrenz Kunden Marktführer Mitarbeiter und Personal Nordamerika Transport Unternehmen
Goldkronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Die Basis unserer Zusammenarbeit ist blindes Vertrauen." Christine Luderer aus Plauen und Michael Köbrich aus Ort bei Helmbrechts. Foto: fz

21.06.2019

Ost-West-Partnerschaft seit 30 Jahren

Eine Vogtländerin und ein Oberfranke beraten Unternehmen und Privatleute in Wirtschafts- und Steuerfragen. Begonnen hat ihre "berufliche Ehe" kurz nach der Wende. » mehr

Tobias Langmeyer ist ein Selfmade-Unternehmer, wie er im Buche steht. Foto: Roland Töpfer

22.07.2019

Jungunternehmer im zweiten Anlauf

Tobias Langmeyer ist Inhaber von Dynamic Commerce in Kulmbach. Dass er einmal Chef von mittlerweile 60 Mitarbeitern wird, hätten seine Lehrer wohl nie gedacht. » mehr

Tobias Langmeyer ist ein Selfmade-Unternehmer, wie er im Buche steht. Foto: Roland Töpfer

22.07.2019

Jungunternehmer im zweiten Anlauf

Tobias Langmeyer ist Inhaber von Dynamic Commerce in Kulmbach. Dass er einmal Chef von mittlerweile 60 Mitarbeitern wird, hätten seine Lehrer wohl nie gedacht. » mehr

Käserei investiert 55 Millionen Euro

19.08.2019

Käserei investiert 55 Millionen Euro

Das Bayreuther Unternehmen baut eine hochmoderne Produktion. Das Vorhaben ist ein Meilenstein in der Bayernland-Geschichte. » mehr

Die 110 Jahre alte Bayreuther Porzellanmanufaktur Walküre ist insolvent. Nun streicht das Unternehmen 46 der 72 Stellen. Foto: Ralf Münch

01.10.2019

Walküre streicht 46 Arbeitsplätze

Die Investorensuche für den insolventen Porzellanhersteller verläuft bislang ohne Erfolg. Nun fällt mehr als die Hälfte der Stellen weg. » mehr

Das Führungsduo des Fenster-Spezialisten Gealan: Tino Albert (links) und Ivica Maurovic. Foto: Matthias Will

Aktualisiert am 09.04.2019

Gealan rüstet sich für schwierigeren Markt

Der Spezialist für Fenster-Systeme rechnet damit, dass der Wohnungsbau in Europa bald stagnieren wird. Die Firma will ihren Wachstumskurs trotzdem fortsetzen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Apfel- und Gartenmarkt Thiersheim Thiersheim

Apfel- und Gartenmarkt Thiersheim | 13.10.2019 Thiersheim
» 75 Bilder ansehen

Meinel-Bockbierfest 2019 Hof

Meinel-Bockbierfest 2019 | 12.10.2019 Hof
» 139 Bilder ansehen

ECDC Memmingen Indians - Selber Wölfe

ECDC Memmingen Indians - Selber Wölfe | 13.10.2019 Memmingen
» 33 Bilder ansehen

Autor

Stefan Schreibelmayer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
20:14 Uhr



^