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Wirtschaft

Fränkische Forscher haben Chance auf Zukunftspreis

Projekte aus Wirtschaft, Medizin und Industrie sind bei dem Wettbewerb nominiert. Was macht sie so besonders?



Möchten mit Hochleistungs-MRT die Nachsorge von Krebspatienten erleichtern: Mark Ladd, Christina Triantafyllou und Arnd Dörfler.	Foto: Peter Kneffel/dpa
Möchten mit Hochleistungs-MRT die Nachsorge von Krebspatienten erleichtern: Mark Ladd, Christina Triantafyllou und Arnd Dörfler. Foto: Peter Kneffel/dpa  

Erlangen/München - Mit gutem Gewissen schlafen - auf einer Matratze, für deren Herstellung das Klimagas Kohlendioxid verwendet wurde. Die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff ist eine von drei Innovationen, die für den Deutschen Zukunftspreis nominiert sind. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vergibt die Auszeichnung am 27. November in Berlin. Welches der drei Teams die Auszeichnung bekommt, bleibt bis zuletzt geheim. Der Deutsche Zukunftspreis ist mit 250 000 Euro dotiert.

Gut zweieinhalb Monate vor der Vergabe haben die drei nominierten Forscherteams in München ihre Projekte vorgestellt. Neben der CO2-Nutzung geht es um eine datenbasiert optimierte Gestaltung von Abläufen in Unternehmen sowie um eine bessere Diagnostik bei schweren Erkrankungen über extrem hochaufgelöste Kernspin-Bilder.

Mit dem Recycling von Kohlendioxid, das in Massen ausgestoßen zum Klimawandel beiträgt, haben sich Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, des Max-Planck-Instituts für chemische Energiekonversion und des aus dem Bayer-Konzern ausgegründeten Werkstoffherstellers Covestro befasst. "Früher haben wir CO2 als unschönen Abfallstoff abgetan, jetzt sehen wir es zunehmend als Ressource, ein wenig inspiriert von der Natur", sagt der Teamsprecher und Chemiker Christoph Gürtler.

Schon jetzt könnten in einer Anlage in Dormagen theoretisch die Materialien für jährlich 500 000 "grüne" Matratzen hergestellt werden. Es gehe auch um synthetische Fasern: Socken, T-Shirts und Sportwäsche könnten künftig unter Verwendung von CO2 hergestellt werden. Und langfristig könnten auch Kühlschränke oder sogar Gebäude mit dem Material gedämmt werden. Auf diese Weise könnten Hunderttausende Tonnen CO2 verwertet werden. Der Beitrag sei gemessen an den weltweiten CO2-Emissionen gering, aber bezogen auf die chemische Industrie substanziell, sagte Gürtler.

Um einen Meilenstein geht es auch bei einem neuen Magnetresonanztomografen, den Forscher des Universitätsklinikums Erlangen, der Siemens Healthineers AG und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg entwickelt haben. Sie konstruierten ein für die klinische Nutzung geeignetes Gerät, das mit einer Feldstärke von 7 Tesla extrem präzise Bilder liefert.

Damit lassen sich etwa im Gehirn Strukturen erkennen, die sonst beispielsweise erst bei einer Öffnung des Schädels zu sehen sind. "Damit kann die Diagnose zuverlässiger und früher gestellt werden, sagte Teamsprecherin Christina Triantafyllou. Feine krankhafte Veränderungen bei Demenz, Epilepsie und Multipler Sklerose seien so frühzeitig feststellbar. Das ermögliche einen raschen Therapiebeginn, sagte Teammitglied Arnd Dörfler. Das Hochleistungs-MRT erleichtere auch die Nachsorge von Krebspatienten. Bisher dauert es oft lange, bis über MRT ein Erfolg oder Misserfolg einer Tumortherapie sichtbar wird.

Bisherige Geräte im Klinikalltag kommen auf 1,5 oder maximal auf 3 Tesla. Die 7 Tesla-Geräte waren lange Zeit extrem schwer und kamen nur für die Grundlagenforschung zum Einsatz. Mit einer veränderten Anordnung der Magnete bekamen die Erlanger das System leistungsfähiger und leichter - und damit besser in Klinikstrukturen integrierbar.

Eine softwarebasierte Innovation ist ebenfalls nominiert. Ein Team aus München widmet sich dem Process Mining, einer Methode des Prozessmanagements, die Abläufe auf Basis digitaler Spuren überprüft und über Algorithmen ineffiziente Prozesse entlarvt. Das zeigt Einsparpotenziale, bringt mehr Kundenzufriedenheit - und erhöht den Profit.

Autor

Sabine Dobel
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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Sabine Dobel

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
00:00 Uhr



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