Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Galeria Karstadt Kaufhof will 62 Filialen schließen

Die Corona-Krise hat Deutschlands letzter großer Warenhauskette schwer zugesetzt. Harte Einschnitte sollen nun ihr Überleben sichern. Das ist nicht nur für Tausende Beschäftigte eine schlechte Nachricht.



Es ist eine Hiobsbotschaft nicht nur für Tausende Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof, sondern auch für viele deutsche Innenstädte: Der letzte große deutsche Warenhauskonzern wird 62 seiner 172 Filialen schließen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr. Welche Filialen betroffen sind, blieb aber zunächst offen.

Die Zahl der Filialschließungen fällt damit zumindest etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch konnte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhütet werden.

Doch das ist wohl nur ein kleiner Trost. Nach Informationen des «Kölner Stadt-Anzeigers» dürften rund 6000 der 28.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Auch in vielen der von den Schließungen betroffenen Kommunen dürfte Alarmstimmung herrschen. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. «Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Doch ist der Sanierungsdruck bei Galeria Karstadt Kaufhof gewaltig. Der Handelsriese war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. «Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen», beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme des Konzerns.

Dabei standen die Rettungsbemühungen unter großem Zeitdruck. Bis Ende des Monats muss die Konzernführung einen Sanierungsplan vorlegen. In den vergangenen Wochen rangen die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat und die Geschäftsführung dennoch erbittert darum, welche Opfer die Beschäftigten noch bringen müssen und auf welche Einschnitte der Konzern verzichten kann.

Am Mittwochabend meldete Verdi dann erste Fortschritte: Der geplante Personalabbau von zehn Prozent in den bestehenden Filialen sowie die Ausgliederung des Waren Service Teams (WST) seien «unter dem Vorbehalt einer Gesamtlösung vom Tisch», hieß es. Doch das Ringen um einen Sozialtarifvertrag, einen Interessensausleich für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter und ein Zukunftskonzept für den Konzern ging weiter. Offenbar mit Erfolg. Eine entsprechende Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaften sollte noch am Donnerstagabend unterschrieben werden.

Details allerdings sollten erst am Freitag bekanntgegeben werden. Und spätestens dann werden sich wohl Tausende Mitarbeiter und viele Kommunen auf ein Leben ohne Galeria Karstadt Kaufhof einstellen müssen. 

In der Region gibt es Filialen in Bayreuth, Coburg und Bamberg. Inwieweit diese Filialen betroffen sind, ist noch unklar. Die Filiale in Hof war Anfang des vergangenen Jahres geschlossen worden.

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 06. 2020
18:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betriebsräte Deutsche Presseagentur Gewerkschaften Karstadt Kaufhof Warenhaus AG Warenhauskonzerne
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Reifenproduzent Michelin schließt Werk

15.11.2019

Mitarbeiter protestierten bei Michelin

Mit einer Kundgebung haben die Beschäftigten des Reifenherstellers Michelin am Freitag gegen die geplante Werksschließung in Hallstadt im Landkreis Bamberg protestiert. » mehr

Dunkle Wolken über dem Michelin-Werk in Hallstadt.	Foto: N. Armer/dpa

28.09.2019

Betriebsrat prüft rechtliche Schritte gegen Michelin

Die Stimmung im Werk bei Bamberg ist aufgeheizt. Die Mitarbeiter wollen sich mit allen Mitteln gegen eine Schließung wehren. » mehr

Durch kürzere Arbeitszeiten der rund 6200 Tarifmitarbeiter will der Bamberger Bosch-Standort Entlassungen vermeiden. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Aktualisiert am 07.11.2019

Bosch sichert den Standort in Bamberg

Das Unternehmen verkürzt die Arbeitszeit, um Entlassungen zu vermeiden. Die Vereinbarung gilt zunächst bis 2026. » mehr

Von Kulmbach aus verantwortet Glen Dimplex künftig das Geschäft für Europa, Nordamerika und Asien. Foto: Roland Töpfer

31.10.2019

Glen Dimplex schließt Werk in Sonneberg: Produktion wird nach Kulmbach verlagert

Das Unternehmen wird von Mitte nächsten Jahres an nicht mehr in Sonneberg produzieren. Am Standort Kulmbach fallen 50 Stellen weg. » mehr

Den BAT-Arbeitnehmervertretern stehen schwere Verhandlungen bevor (von links): Mario Giannakakis, Michael Grundl und Betriebsratschef Ulrich Popp. Foto: Andreas Harbach

13.09.2019

BAT: Zwischen Wut und Enttäuschung

Der Tabakproduzent BAT streicht 185 Stellen in Bayreuth. Die Stimmung im Werk ist schlecht. Die Arbeitnehmervertreter wollen nun kämpfen. » mehr

Die Idylle trügt: Bei Dennree tobt seit Monaten ein Kampf zwischen der Geschäftsführung und der Gewerkschaft Verdi, die von einem Teil der Mitarbeiter unterstützt wird. Fotos: Uwe von Dorn, Archiv

13.09.2019

Dennree und die Gewerkschafts-Fresser

Bei dem Bio-Großhändler spitzt sich der Konflikt zwischen der Chefetage und Verdi zu. Nun kommt auch noch eine Kanzlei mit zweifelhaftem Ruf ins Spiel. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

DHL-Anhänger kippt auf A9 um Bindlach

DHL-Anhänger kippt auf A9 um | 15.08.2020 Bindlach
» 20 Bilder ansehen

2. Rehauer Stuhlkonzert

2. Rehauer Stuhlkonzert | 14.08.2020 Rehau
» 50 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 06. 2020
18:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.