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Wirtschaft

Geht dem Mittelstand die Puste aus?

Die Beschäftigung auf Höchststand und stetig steigende Umsätze: In den vergangenen Jahren haben die Firmen mit Bestmarken geglänzt. Doch nun ist der Stimmungsumschwung da.



Mittelständische Kfz-Zulieferer können sich dem Abwärtssog der Automobilbranche kaum entziehen.
Mittelständische Kfz-Zulieferer können sich dem Abwärtssog der Automobilbranche kaum entziehen.   Foto: Armin Weigel/dpa

Oberfranken - Die Konjunkturabkühlung bremst den Rekordkurs mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Nach Bestmarken 2018 wird sich das Wachstumstempo verlangsamen, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Mittelstandspanel der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht. Zwar würden Beschäftigung, Umsätze und Investitionen weiter zulegen. "Die Dynamik aber geht merklich zurück - dem langwährenden Aufschwung scheint allmählich die Puste auszugehen", sagte KfW-Ökonom Michael Schwartz. Damit deute sich das Ende der mittelständischen Rekordjahre an, auch wenn das Niveau vorerst hoch bleiben dürfte.

Auch in Oberfranken kippt die Stimmung. Schon seit dem 1. Quartal dieses Jahres gehen die Umsätze der Industrieunternehmen zurück. Aktuelle Zahlen zur Konjunktur möchten die beiden Industrie- und Handwerkskammern, die IHK für Oberfranken Bayreuth und die IHK zu Coburg, zwar erst am morgigen Mittwoch veröffentlichen und zeitgleich an die Medien weitergeben. Doch Peter Belina, Pressechef der Kammer in Bayreuth, lässt auf Nachfrage eine oberfränkische Tendenz durchschimmern: Die Lage schwächt sich ab, lasse sich derzeit aber noch immer als "gut" bezeichnen - allerdings trüben sich die Perspektiven ein.

Eine Entwicklung, die sich schon vor zwei Monaten abgezeichnet hat. Die überwiegend von mittelständischen Unternehmen geprägte Wirtschaft Oberfrankens gab im August ein "durchwachsenes Bild" ab, wie die Kammer in Bayreuth damals in einer Presseinformation schrieb. "Generell ist zu verspüren, dass die Industrie, vor allem die Kfz-Zulieferindustrie, zusehends unter Druck gerät." Die IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner ließ sich mit den Worten zitieren: "Immer mehr Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet. Dies zeigt, dass die Auftragslage in etlichen Fällen angespannt ist."

Mit Blick auf Gesamtdeutschland stellt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in ihrem aktuellen Mittelstandspanel allerdings fest: Während große exportorientierte Industriekonzerne zuletzt ihre Gewinnprognosen nach unten schraubten und den Abbau von Stellen ankündigten, halten die Mittelständler noch weitgehend Kurs. Im vergangenen Jahr gab es noch einmal einen Beschäftigungsrekord. Ende 2018 waren den Angaben zufolge 31,7 Millionen Menschen in mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Das war ein Zuwachs von 391 000 Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr.

Und trotz der Konjunkturabkühlung wollen die Firmen auch in diesem Jahr unter dem Strich neue Jobs schaffen. Rund 17 Prozent der für die jährliche KfW-Studie Befragten gaben an, ihre Mitarbeiterzahl erhöhen zu wollen. Nur rund zehn Prozent wollen Beschäftigung abbauen. Allerdings dürfte der Stellenaufbau an Tempo verlieren. "Realistisch sind rund 250 000 neue Arbeitsplätze im Mittelstand 2019 zu erwarten", heißt es in der Studie. Die KfW zählt Unternehmen, die nicht mehr als 500 Millionen Euro jährlich umsetzen, zum Mittelstand. Mehr als 10 000 Firmen nahmen an der Umfrage teil.

Dank der starken Binnenkonjunktur steigerten inlandsorientierte Mittelständler ihren Umsatz 2018 im Schnitt um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Anders stellt sich die Lage allerdings in Oberfranken dar: Im zweiten Quartal 2019 sind die Inlandserlöse um vier Prozent gesunken. Der Grund: Die Hauptabnehmer der wichtigsten Industriebranche Oberfrankens - die Kfz-Zulieferer - sind deutsche Pkw-Hersteller. Und diese geben ihr Minus im Export an das Inland weiter.

Trotz der Konjunkturabkühlung rechneten allerdings bei der KfW-Befragung deutschlandweit deutlich mehr Firmen mit steigenden (35 Prozent) als mit sinkenden Umsätzen (17 Prozent). Zuletzt trübte sich die Stimmung allerdings ein. "Einer Vielzahl an Rekorden im abgelaufenen Jahr zum Trotz - am Horizont ziehen dunkle Wolken auf", heißt es in der Studie.

"Eine Verunsicherung in den Unternehmen ist spürbar", analysierte auch die Bayreuther IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner im August. Die meisten Industrieunternehmen stellten sich darauf ein, dass sie in den kommenden Monaten weiter unter Druck stehen. Am morgigen Mittwoch stellen die beiden oberfränkischen IHKs ihre aktuelle Konjunkturbefragung vor. Hohenner: "Dort wird sich dann zeigen, ob der Optimismus oder der Pessimismus überwiegt." M.E. / dpa

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
00:00 Uhr

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16. 10. 2019
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