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Wirtschaft

"Hohe Wohnkosten sind oft ein Risiko"

Mehr als 6,9 Millionen Bürger sind laut Statistik überschuldet. Was sind die Gründe für Finanzprobleme? Ein Gespräch mit dem Sanierungs-Experten Thomas Wuschek.



Interview: mit Thomas Wuschek, Sanierungs-Experte
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Herr Wuschek, woran erkennen Sie in der Finanzierungspraxis beginnende finanzielle Probleme?

Zur Person

Thomas Wuschek aus Naila im Landkreis Hof ist als selbstständiger Rechtsanwalt in Bottrop tätig. Er hat sich auf Sanierungs- und Insolvenzrecht spezialisiert. Zuvor war er bei einer Genossenschaftsbank als Leiter Sanierung und Kreditsachbearbeitung für die bundesweite Betreuung von Großsanierungsfällen verantwortlich und ist als Dozent an zahlreichen Genossenschafts- und Sparkassenakademien tätig.

Der gebürtige Oberfranke absolvierte nach dem Abitur eine Banklehre. Danach studierte er in Erlangen Jura. Außerdem kann Wuschek einen MBA-Abschluss der Universität Wales aufweisen. Darüber hinaus ist er als Autor mehrerer Fachbücher und zahlreicher Beiträge in Fachzeitschriften in Erscheinung getreten.

 

Bei vielen Verbrauchern hat häufig die Konsumverschuldung zu nachhaltigen Zahlungsstörungen geführt. Der Dispo ist ausgereizt beziehungsweise sogar überzogen. Ratenkredite könne nicht mehr bedient werden. Nachhaltige Zahlungsstörungen bilden regelmäßig eine Vorstufe im Überschuldungskarussell. Es gibt einen weiteren Punkt, der besorgniserregend ist.

 

 

Nennen und erklären Sie uns diesen Punkt.

Rund jeder zwölfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übte Mitte 2017 zusätzlich zu seiner Hauptbeschäftigung einen Minijob als Nebenjob aus. Rund 3,3 Millionen hatten in Deutschland 2017 mehr als nur eine Arbeitsstelle - sie waren "mehrfachbeschäftigt". Die Mehrfachbeschäftigung kann als eine spezielle Form prekärer Beschäftigung beschrieben werden.

 

Was spiegelt sich in diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen wider?

In den meisten Fällen ist diese Form der Beschäftigung Ausdruck von Einkommensarmut, die die Betroffenen durch verschiedene, oft hintereinander organisierte Arbeitsverhältnisse zu verringern versuchen. Prekäre Beschäftigung und damit verbundene Einkommensarmut bleiben dabei gerade bei den Menschen konzentriert, die ohnehin als überdurchschnittlich überschuldungsaffin gelten
können.

 

Welche Gruppen sind besonders gefährdet?

Hierzu gehören Frauen, junge und insbesondere ältere Menschen, deren Überschuldungsquoten seit geraumer Zeit deutlich angestiegen sind.

 

Welche Faktoren haben ganz erheblichen Einfluss auf die Überschuldungslage der Verbraucher?

Neben der Einkommenshöhe und einem festen Arbeitsplatz beeinflussen unter anderem der Schulabschluss und die Nutzung von Konsumentenkrediten maßgeblich die Finanzsituation. Die Verbraucher sind auch 2018 weiter in einer ausgesprochenen Konsumlaune. Offenbar unbeeindruckt von externen Risiken wie Handelskonflikt und Brexit.

 

Was ist in diesem Zusammenhang im Jahr 2018 besonders auffällig gewesen?

Der Trend der Vorjahre bei den Überschuldungsauslösern Erkrankung, Sucht, Unfall sowie unwirtschaftliche Haushaltsführung hat sich nochmals verstärkt. Beide Ursachen verzeichnen merkliche Anstiege als Auslöser für Überschuldungsfälle. Dabei bildet insbesondere der Auslöser "unwirtschaftliche Haushaltsführung" den Einstieg in die Überschuldungsspirale.

 

Welche Bevölkerungsgruppe ist hiervon besonders betroffen?

Gerade jüngere Verbraucher gehörten zu der Gruppe, die von "unwirtschaftlicher Haushaltsführung" beziehungsweise "unangemessenem Konsumverhalten" betroffen sind.

 

Bleibt für viele Verbraucher die finanzielle Situation auch im Jahr 2019 angespannt?

Davon ist auszugehen, da das Preisniveau für Mietwohnungen und Eigenheime in den vergangenen Jahren vor allem in den Städten und Ballungszentren deutlich zugenommen hat. Für viele Verbraucher steigt damit die sogenannte Mietbelastungsquote. In deutschen Großstädten ist das Wohnen in vielen Fällen zum Überschuldungsrisiko und damit auch zum Armutsrisiko geworden.

 

Wie hat sich denn die Mietbelastungsquote entwickelt?

Nach aktuellen Studien liegt der Wohnkostenanteil pro Haushalt in 36 von 418 deutschen Städten und Landkreisen schon bei durchschnittlich 20 Prozent und mehr. Berücksichtigt man zudem die Nebenkosten in Höhe von zehn bis 15 Prozent, wird in diesen Regionen etwa ein Drittel des Haushaltseinkommens nur für den Bereich Wohnen bezahlt. Für viele Haushalte liegen die Wohnkosten am oberen Rand der Mietbelastungsquote.

 

Ab welcher Höhe gilt eine Mietbelastungsquote als problematisch?

Eine Mietbelastungsquote oberhalb vom 30 Prozent des Haushaltseinkommens gilt bei Immobilienexperten als problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung verbleiben, insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen. Bereits im Herbst letzten Jahres zeigte eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung auf, dass rund 40 Prozent der Haushalte in Deutschlands Großstädten mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben müssen, um die Bruttokaltmiete bezahlen zu können.

 

Und das entspricht in Zahlen?

Das sind rund 5,6 Millionen Haushalte, in denen etwa 8,6 Millionen Menschen leben. Für etwa 1,3 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten liegt demnach das Resteinkommen nach Abzug der Miete sogar unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze.

 

Welche Entwicklung sehen Sie bei Immobilienfinanzierungen?

Die Höhe der Kreditsummen bei Erstfinanzierungen beim Kauf von Immobilien, das zeigt eine Reihe von weiteren Studien, steigen weiter und sind für Normalverdiener und vor allem für junge Familien kaum mehr zu finanzieren. red

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2018
19:58 Uhr

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