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Imkern ist wieder in

Bayerns Bienenzüchter tagen in Oberfranken. Die Varroa-Milbe macht den Imkern derzeit zu schaffen. Dabei kann man ihr mit natürlichen Methoden zu Leibe rücken.



Wer sich um die Bienen und ihre Waben gut kümmert, kann auch ohne Chemie ein erfolgreicher Züchter sein, sagt Anton Herzing. Foto: Ralf Münch
Wer sich um die Bienen und ihre Waben gut kümmert, kann auch ohne Chemie ein erfolgreicher Züchter sein, sagt Anton Herzing. Foto: Ralf Münch  

Creussen/Büchenbach - Es ist auch so etwas wie eine Auszeichnung. Weil der Züchtertag das Landesverbandes bayerischer Imker ausnahmsweise mal nicht in Ober- oder Niederbayern stattfindet, sondern in Oberfranken. Ausrichter ist der Imkerverein Creußen. Ein Verein, der sich eines außergewöhnlichen Zuspruchs erfreut. Seit 2007 ist Anton Herzing aus Büchenbach bei Pegnitz Vorsitzender, nicht einmal zwei Dutzend Mitglieder übernahm er mit diesem Schritt. Heute sind es 150. Darauf ist Herzing stolz. Wie auch auf die Ausrichterrolle am kommenden Wochenende. Weil damit erfolgreiche Arbeit belohnt werde.

Die Verbandsstruktur: Das gibt es bundesweit nur in Bayern - im Freistaat sind die Züchter gleich in drei Verbänden organisiert. Da existiert die Bayerische Imkervereinigung, die ihre Wurzeln laut Herzing in der Oberpfalz hat. Dann ist da noch der Verband bayerischer Bienenzüchter, der vor allem im Raum Ingolstadt präsent ist. Der Landesverband der bayerischen Imker ist der größte,
sagt Herzing. Der Mann, der seit 1998 als Imker aktiv ist, fügt hinzu: "Warum sich da wann wer abgespaltet hat, weiß ich nicht, das liegt lange zurück."

Eingeladen seien auf jeden Fall Mitglieder aller Verbände. Und überhaupt jeder, der sich für dieses Thema interessiere. Dass die Tagung in Creußen über die Bühne geht, sei dem inzwischen verstorbenen Bezirksvorsitzenden Bernd Schiller zu verdanken: "Der meinte bei der letzten Tagung, das müsste man mal nach Oberfranken holen, da war ich sofort dabei. Zumal wir hier ja auch drei Belegstellen haben." Gesagt, getan, die Zusage der Verbandes folgte. Und im Herbst 2018 wurden die Weichen gestellt. Erwartet werden rund 100 Teilnehmer.

Die Themen: Die sind zwangsläufig eher etwas für Experten. Es geht um den Schwarmtrieb, um die Vitalität von Bienenvölkern. Und - natürlich - um die Varroa-Milbe und deren Bekämpfung. Natürlich deshalb, weil sie seit vielen Jahren das Hauptproblem der Imker darstellt, diese Milbe, die ganze Bienenvölker dahinrafft.

In der Region ist vor allem die Carnica-Biene zu Hause. Die könne man ohne den Einsatz der chemischen Keule schützen, sagt Herzing. Weil es natürliche Mittel gebe, um die Milbe in Schach zu halten: Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure. Mittel, die wirksam helfen, die "zuverlässig sind". Die man aber in richtiger Dosis zum richtigen Zeitpunkt einsetzen müsse. Um einen hohen Reinheitsgrad bei Wachs und Honig zu erhalten. Im Gegensatz zu früher.

Wie man die Bienen schützt: Das allein genüge aber nicht, betont Herzing. Auch ein sauberer Wabenbau müsse kontrolliert werden. Das habe mit der "richtigen Ausbildung" zu tun. Und damit mit einem Schwerpunkt des Creußener Vereins. Da stehen Ausbildung, Lehrgänge und Schulungen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Denn, zum Beispiel, muss der Einsatz von Ameisensäure bei der passenden Temperatur erfolgen. Sonst schadet er mehr, als er nutzt. "Wer
da korrekt handelt, braucht keine Chemie bei der Bienenzucht", ist er überzeugt. Eine Ansicht, die sich auch auf Landesebene durchgesetzt habe, sagt er.

Der Nachwuchs: Das habe auch mit einem Umdenken in der Landwirtschaft zu tun. "Ich kenne eine ganze Reihe von Junglandwirten, die begeistert aufspringen auf diesen Zug", erklärt Herzing. Das sei auch gut so, schließlich sei die Biene das drittwichtigste Nutztier nach Rindern und Schweinen im Agrarbereich. Deshalb habe er auch die Vereinssatzung ändern lassen, als er vor zwölf Jahren den Vorsitz übernahm: "Die naturnahe Zucht und die Nachwuchsgewinnung waren meine erklärten Ziele."

Ziele, die er schon in seiner Pegnitzer Zeit verfolgte. Bis heute. Alles begann im Jahr 2000 mit einem Ferienprogramm. Hunderte von Kindern nahmen daran teil, eine ganze Reihe davon blieb "hängen" und wurde Jungimker. "Jetzt sind sie zum Teil verheiratet, schwärmen immer noch von diesem Erlebnis und dem, was daraus geworden ist". Inzwischen gehören auch Züchter und Bienenfreunde aus dem Hummelgau, aus Bayreuth, aus Gefrees dem Verein an.

Die Ziele: "Wir wollen keine Massentierhaltung", sagt Anton Herzing. Ein, zwei Bienenvölker pro Ort reichen aus. Um zu bestäuben, um zu befruchten: "Zu 80 Prozent sind das unsere Bienen, der Rest verteilt sich auf Hummeln und Wildbienen". Die Nachfrage nach den Lehrgängen des Vereins sei groß, "das macht mich glücklich und auch ein wenig stolz". Das habe auch mit dem Thema Artenvielfalt zu tun. Auch wenn Herzing nicht alles für gut heißt, was in dem erfolgreichen Volksbegehren zur Sprache kam.

Er hoffe einfach, dass jeder, der die nötigen Flächen zur Verfügung hat - vom Landwirt bis zum privaten Hausbesitzer - seinen Teil dazu beiträgt, diese Vielfalt zu erhalten, ja zu mehren. Mehr Bienen bedeute ja auch mehr Hautflügler und mehr Insekten allgemein, "das wiederum bedeutet mehr Vögel". Es gehe um das große Ganze. Und dazu könnten schon kleine Projekte wie Nisthilfen, fachmännisch gebaute Insektenhotels oder Wurzeln einen großen Beitrag leisten.

Autor

Stefan Brand
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
20:28 Uhr

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14. 03. 2019
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