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Per Mausklick in den Medizinschrank

Von Selbitz aus gehen täglich 15 000 Pakete voller Medikamente zu Kranken und Hilfsbedürftigen auf den Weg. Karlheinz Ilius war Vorreiter der Versandapotheken.



Durch die Hände von Kommissioniererin Sindy Busch gehen täglich Tausende Medikamente. 15 000 Pakete verlassen pro Tag das Lager von Medikamente-per-Klick.de in Selbitz. Bald könnten es mehr als doppelt so viele sein. Foto: Christopher Michael
Durch die Hände von Kommissioniererin Sindy Busch gehen täglich Tausende Medikamente. 15 000 Pakete verlassen pro Tag das Lager von Medikamente-per-Klick.de in Selbitz. Bald könnten es mehr als doppelt so viele sein. Foto: Christopher Michael  

Selbitz - Karlheinz Ilius, Inhaber der Versandapotheke Medikamente-per-Klick.de mit Sitz in Selbitz, ist so etwas wie ein Pionier, was die Versandapotheken in Deutschland angeht. 2004, als der Gesetzgeber den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten erlaubte, war Ilius einer der ersten, der bald schon Pakete mit Arzneimitteln an Privatkunden in der ganzen Republik versandte. "Am Anfang waren es vielleicht 30 Stück pro Tag", erinnert sich der Apotheker, der sich bereits 1980 mit einer Apotheke in Bad Steben selbstständig gemacht hatte. "Und auf diese Zahl waren wir bereits mächtig stolz." Lange ging alles händisch.

Heute sind es im Durchschnitt 15 000 Pakete täglich, die mittlerweile fast voll automatisiert ihren Weg vom Lager des Apothekers in die Medizinschränke der Besteller finden - vier Millionen Pakete jährlich. 15 Minuten - mehr braucht es in der Regel nicht von dem Zeitpunkt an, an dem irgendwo in der Bundesrepublik ein Kunde der Versandapotheke seinen Bestellvorgang abschließt, bis die Arzneimittel, Salben, Tees und viele weitere Produkte fertig verpackt im Karton auf ihre Abholung durch die Post warten.

Als Ilius 2004 seinen Shop aufbaute, konnte er bereits auf langjährige Erfahrung in diesem Bereich zurückgreifen. Zunächst als Krankenhaus-Lieferant und später auch als Versorgungsapotheke, die auch Beratungen anbieten darf, sammelte Ilius Erfahrungen. Denn was für Privatkunden verboten war, war für Kunden aus der Medizin schon länger erlaubt.

Aus 30 Paketen wurden rasch mehr. Schon 2005 benötigte die Versandapotheke weitere Lagerflächen, 2009 folgte dann der Umzug in das ehemalige Werk eines Telefonherstellers in Selbitz. 5000 Pakete waren es dann pro Tag, die weiterhin händisch verpackt werden mussten. 2012 dann folgte der bisher größte Schritt der Firmengeschichte - die Teilautomatisierung. "Etwa 80 Prozent aller Arbeitsschritte sind
jetzt automatisiert", sagt der Apotheker. Anders würde es wohl heutzutage auch gar nicht mehr gehen. 15 000 Produkte haben die Selbitzer auf Lager, im Shop der Online-
Apotheke umfasst das Angebot 250 000 Artikel, wie Ilius sagt. "Was wir nicht auf Lager haben, kommt mehrmals am Tag direkt vom Großhändler."

Mittlerweile kommen die Selbitzer am aktuellen Firmenstandort erneut an ihre Grenzen, wie Ilius bei einem Rundgang durch das Lager berichtet. Deshalb ist mittelfristig geplant, einen zweiten Standort in Selbitz in die Höhe zu ziehen, in dem dann die komplette Logistik gebündelt werden soll. Die Verwaltung soll hingegen am alten Standort bleiben. Einen "zweistelligen Millionenbetrag" will sich das Unternehmen diese Investition kosten lassen. 35 000 Pakete können dann künftig theoretisch pro Tag abgefertigt werden.

Mittlerweile habe sich der Markt ein bisschen beruhigt, schildert Ilius sein Branchenumfeld. Trotzdem wachsen die Versandapotheken weiterhin mit sechs bis acht Prozent pro Jahr. "Wir liegen im Trend", antwortet Ilius auf die Frage, wie Medikamente-per-Klick.de im Vergleich dazu dasteht. So viel verrät der Apotheker dann aber doch: "Wir machen mit 200 Mitarbeitern über 150 Millionen Euro Umsatz pro Jahr." Neben der Versandapotheken betreibt Ilius auch drei Präsenzapotheke in Bad Steben, Selbitz und Hof.

All der Aufwand hat sich für Ilius gelohnt. Im Juli wurde er vom bayerischen Wirtschaftsministerium aufgrund seines Umsatz- und Mitarbeiterwachstums zu "Bayerns Best 50" - einem der 50 besten Unternehmen des Freistaats gekürt. "Wir wollen künftig auch weiter Personal aufbauen", sagt Ilius und wirft einen Blick in die Zukunft. Der Fachkräftemangel macht jedoch auch vor seiner Branche nicht halt. Viele junge Apotheker zögen es vor, lieber in die Industrie zu gehen.

Rund 2400 Apotheken in Deutschland haben eine Versanderlaubnis, schätzt Ilius. Es würde aber wohl lediglich ein Achtel davon auch aktiv Gebrauch machen. Kritik übt der Apotheker an der mitunter ungleichen Behandlung deutscher Versandapotheken durch den europäischen Gesetzgeber - besonders was die Konkurrenz aus den Niederlanden angeht.

Dort ermögliche es der Gesetzgeber, dass Apotheken auch auf verschreibungspflichtige Medikamente Rabatte gewähren dürften. "In Deutschland ist das nicht erlaubt." Mittlerweile gibt es sogar Debatten über die kleinen Geschenke, die Apotheker bei Einkäufen früher immer in die Tüte gelegt haben: Traubenzucker, Taschentücher, Kalender.

Und wie könnte dieses Problem gelöst werden? "Es wäre sinnvoll, wenn jede Apotheke in Deutschland und die niederländischen Versender bei der Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente den gleichen Preis verlangen müssten", schlägt Ilius vor. In Konkurrenz zu den klassischen Apotheken will Ilius jedoch nicht treten. "Der Versand verschreibungspflichtiger Medikamente macht auf dem deutschen Markt derzeit ohnehin nur etwa ein Prozent aller Bestellungen aus", sagt er.

Die Apotheke vor Ort wird auch in Zukunft ihre Berechtigung haben - allein schon wegen der Nacht- und Notdienste. Denn: Obwohl sich Ilius‘ Versandapotheke mittelfristig ein Beispiel an Amazon nehmen und die Lieferung am selben Tag anbieten möchte, führt in diesen Bereichen wohl auch in ferner Zukunft für Kranke kein Weg an der Präsenzapotheke vorbei.

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Christopher Michael

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
00:00 Uhr

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Christopher Michael

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11. 09. 2019
00:00 Uhr



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