Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Wirtschaft

Post schließt Verwaltungsstandort Bayreuth

Der Konzern verteilt die Mitarbeiter der Niederlassung Bayreuth auf Zwickau und Nürnberg. Betroffen sind 60 Beschäftigte.



Die Post-Niederlassung Bayreuth wird aufgelöst. Während sich für die Arbeiter im Briefzentrum oder die Zusteller nichts ändert, wird die Verwaltung im Ortsteil Wolfsbach geschlossen. Foto: Eric Waha
Die Post-Niederlassung Bayreuth wird aufgelöst. Während sich für die Arbeiter im Briefzentrum oder die Zusteller nichts ändert, wird die Verwaltung im Ortsteil Wolfsbach geschlossen. Foto: Eric Waha  

Bayreuth - Die Post schließt ihren Verwaltungsstandort am Briefzentrum Bayreuth. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage. Betroffen sein sollen gut 60 Mitarbeiter. Was genau mit ihnen geschieht, ist unklar. Trotzdem ist die Verunsicherung bei den Beschäftigten groß. Immerhin: Gekündigt werden kann ihnen nicht.

Der Standort Bayreuth wird offenbar ein Opfer einer geplanten bundesweiten Neuausrichtung der Niederlassungen, von denen am Ende dieses Prozesses laut der Gewerkschaft Verdi noch 40 übrig bleiben sollen. "Für die Niederlassung Bayreuth mit ihren beiden Briefzentren in Bayreuth und Amberg ergibt sich folgende Änderung: Das Briefzentrum Bayreuth wird künftig von der Niederlassung Zwickau verwaltet, das Briefzentrum Amberg geht in der Niederlassung Nürnberg auf", sagt Post-Pressesprecher Erwin Nier auf Anfrage unserer Zeitung. Er betont aber auch, dass das für die operativen Mitarbeiter, also für die, die im Briefzentrum arbeiten oder mit der Postzustellung beschäftigt sind, keinerlei Änderung bei ihrer Arbeit bedeute. Auch werde es im Zusammenhang mit der Neuausrichtung nicht zu Veränderungen der Größe von Zustellbezirken kommen.

Nier bestätigt aber eben auch, dass die Verwaltung der Niederlassung Bayreuth, deren Gebiet bislang etwa das Dreieck Hof-Schwandorf-Neumarkt/Oberpfalz umfasst, in absehbarer Zeit Geschichte sein wird. Auf die Frage, ob die Mitarbeiter damit nach Zwickau oder Nürnberg wechseln müssen, oder ob ein Teil von ihnen nicht auch in Bayreuth bleiben kann und Zwickau nur zugeordnet wird, wollte Nier nicht konkret eingehen: "Da diese Maßnahme noch mit der Mitarbeitervertretung besprochen wird, werden zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details kommuniziert."

Nicole Rufin, die im Bereich Ost-Oberfranken und der Oberpfalz für den Postbereich zuständige Gewerkschaftssekretärin von Verdi, bestätigt das. Die Mitarbeiter seien in der vergangenen Woche über die Tatsache an sich informiert worden, ohne dass Details genannt worden wären. Auch die Gewerkschaft müsse jetzt die ersten Verhandlungen abwarten. Klar sei aber, dass betriebsbedingte Kündigungen laut Tarifvertrag ausgeschlossen sind. Sie kritisiert, dass die Post "gewachsene und gut funktionierende Strukturen ohne Not auseinanderreißt". Das Problem sei, dass solche Maßnahmen nicht mitbestimmungspflichtig seien, die Gewerkschaft also nur noch darüber verhandeln könne, die Folgen für die
Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten.

Matthias Than ist der Verdi-Vertrauensmann in der Niederlassung Bayreuth. Er glaubt, dass 60, vielleicht sogar knapp 80 Kollegen von der Schließung betroffen sein könnten. Die Stimmung sei jedenfalls
von großer Unsicherheit, wenn nicht sogar von Angst geprägt, obwohl ja noch der tarifvertragliche Kündigungsschutz gelte, also niemand durch die Maßnahme arbeitslos werde.

Das Problem sei, dass bei der Post das Prinzip "Kraft folgt Posten" gelte. Soll heißen: Wird eine Tätigkeit, die bislang in Bayreuth angesiedelt ist, nach Zwickau verlagert, müsste der Mitarbeiter also eigentlich seinem Arbeitsplatz folgen. Allerdings, schränkt Than ein, sehe der Tarifvertrag dafür eine Zumutbarkeitsgrenze vor. Und die besage, dass der neue Arbeitsplatz vom Wohnort aus in einer Stunde erreichbar sein muss. Konkret: Für Mitarbeiter, die im Raum Hof-Marktredwitz wohnen, wäre Zwickau wohl zumutbar; für solche, die südlich von Bayreuth oder im Raum Bamberg wohnen, wäre Nürnberg möglich. Er befürchtet jedenfalls, dass höchstens ein paar der Jobs in Bayreuth bleiben.

Allerdings gebe es auch noch eine dritte Möglichkeit - die nach harten Verhandlungen mit dem Konzern erreichte, weitreichende Altersteilzeitregelung, nach der Post-Beschäftigte ab dem 55. Lebensjahr in Vorruhestand gehen können. Than schätzt, dass fast die Hälfte der in Bayreuth Betroffenen unter diese Regelung fallen könnten.

Auch Nicole Rufin sieht darin eine mögliche Auffanglösung für einen Teil der Mitarbeiter. Glücklich ist sie darüber aber nicht wirklich, denn: "Es gibt ja auch Kollegen, die weiterarbeiten wollen." Und sie gibt zu bedenken: "Was ist denn das für eine Wertschätzung für gute Arbeit? Was macht so etwas mit den Menschen?" Das gelte auch für die momentane Unsicherheit: "Die Leute fragen sich natürlich, was sie künftig machen sollen? Schließlich gibt es ihre Funktion in den Niederlassungen in Zwickau und Nürnberg schon." Für sie persönlich passt das Ganze in das Gesamtkonzept von Post-Chef Frank Appel - mit Maßnahmen ohne wirtschaftliche Notwendigkeit den Gewinn zu maximieren.

Autor

Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 02. 2019
20:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Gewerkschaften Konzerne Mitarbeiter und Personal Post und Kurierdienste Tarifverträge
Bayreuth
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das Geschäft mit Gasturbinen läuft bei Siemens derzeit nicht besonders gut. Foto: Daniel Karmann/dpa

18.06.2019

Siemens baut in Erlangen Hunderte Stellen ab

Insgesamt müssen wohl 2700 Arbeitnehmer gehen. Überkapazitäten von Gasturbinen und die Energiewende machen dem Konzern seit Langem zu schaffen. » mehr

Demo Loewe Kronach

Aktualisiert am 25.06.2019

Demo: Gewerkschaft übt Kritik an Insolvenzverlauf bei Loewe

Die IG Metall fordert ein Ende der Insolvenz in Eigenverwaltung und eine Ablösung des derzeitigen Sachverwalters. Dafür rief sie heute zur Demo auf. » mehr

Die Deligierten der Gewerkschaft NGG zeigten dem Unternehmen "Kondrauer" die "Rote Karte".	Foto: Werner Reißaus

07.05.2019

Gewerkschaft NGG rüstet sich für den Arbeitskampf

Bei einer Delegiertenkonferenz der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) haben die Teilnehmer dem oberfränkischen Traditionsunternehmen "Kondrauer" die "Rote Karte" gezeigt. » mehr

Das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung hat für die Spedition Wedlich zunächst nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Vermögen und Geschäftsbetrieb hat nun die Umzugsfirma Wedlich & Ibel übernommen, vertreten durch Geschäftsführer Christian Wedlich.	Foto: Andreas Harbach

24.06.2019

Bei Wedlich geht es weiter

Die Umzugsfirma Wedlich & Ibel kauft das Vermögen und den Geschäftsbetrieb der insolventen Spedition. Ein zunächst verfolgter Plan wird aufgegeben. » mehr

Die Bayreuther Forscher Reinhard Hackenschmidt, Tobias Weiß, Christopher Lange und Matthias Roppel (von links) zeigen den "Dummy" ihres Supercomputers. Foto: Ralf Münch

25.05.2019

Von 90 Minuten auf 20 Sekunden

Mit einem Supercomputer können Unternehmen schneller arbeiten. Forscher aus Oberfranken stellen einen solchen kostenlos zur Verfügung. » mehr

Die Abfüllung von Kondrauer Mineralwasser soll nach Naila verlagert werden.

12.08.2019

Kondrauer: Betriebsrat und Geschäftsführung einigen sich

Die Mineral- und Heilbrunnen GmbH verlagert im nächsten Jahr ihre komplette Produktion und Innenlogistik von Waldsassen nach Naila. Nun steht auch fest, was das für die Mitarbeiter bedeutet. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Food-Truck-Festival Hof 2019 - Sonntag

Food-Truck-Festival Hof 2019 - Sonntag | 18.08.2019 Hof
» 30 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor

Stefan Schreibelmayer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 02. 2019
20:08 Uhr



^