Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

Russland-Sanktionen belasten Textilbranche

Die bayerische und ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie kämpft mit allerlei Problemen. Vor allem politische Entwicklungen drücken die Stimmung.



Bild mit Symbolcharakter: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind angespannt. Das bekommt auch die Textil- und Bekleidungsbranche zu spüren. Fotos: Tim Brakemeier, Hendrik Schmidt (beide dpa), FP-Archiv
Bild mit Symbolcharakter: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind angespannt. Das bekommt auch die Textil- und Bekleidungsbranche zu spüren. Fotos: Tim Brakemeier, Hendrik Schmidt (beide dpa), FP-Archiv   » zu den Bildern

München/Chemnitz - Die Textil- und Bekleidungsindustrie stellt sich auf schwierigere Zeiten ein. Jenz Otto, Hauptgeschäftsführer des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textilindustrie (VTI), sagte bei einem Treffen im Vogtland: "Aller Voraussicht nach werden wir im laufenden Jahr den 2018 erwirtschafteten Gesamtumsatz von 1,87 Milliarden Euro nicht erreichen können." Der Branchenverband in Bayern (VTB) berichtete auf Nachfrage unserer Zeitung von einer "negativen Grundstimmung im Hinblick auf die Umsätze in der Bekleidungsindustrie, vor allem im Luxussegment". Angaben zur Umsatzentwicklung wollte der VTB nicht machen.

Auf der Mitgliederversammlung im April hatte VTB-Präsident Dr. Christian Heinrich Sandler auf eine Befragung der Unternehmen verwiesen, die ein schwieriges Jahr erahnen lässt. Der Umsatz im Textilgewerbe in Bayern war 2018 um 0,7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gefallen. Die Erlöse im Bekleidungsgewerbe sanken gar um 9,5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

Jenz Otto vom Verband der Nord-Ostdeutschen Textilindustrie erklärte, die Entwicklung sei gegenläufig. Die Bekleidungssparte verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2019 ein Umsatzplus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings macht sie nur etwa zehn Prozent der Gesamtkapazitäten der Branche aus, hieß es. Bei der Textil-sparte ging der Umsatz im gleichen Zeitraum um reichlich fünf Prozent zurück. Das dominiert den Gesamttrend.

Mit einem Exportanteil von durchschnittlich 45 Prozent sei man den gegenwärtig negativen Trends in der globalen Wirtschaft extrem ausgesetzt, erklärte Otto. Dazu komme der sich im Inland vollziehende Strukturwandel in der Automobilindustrie und deren Zulieferbranchen, der bei einigen Herstellern technischer Textilien zumindest vorübergehend mit erheblichen Umsatzeinbußen einhergehe.

Ein großes Problem sieht die Branche in den Russland-Sanktionen. "Derartige Maßnahmen schaden der heimischen Wirtschaft und taugen nicht dazu, politische Probleme zu lösen", betonte VTI-Vorstandschef Thomas Lindner. Vor dem Embargo 2013 hätten deutsche Textil- und Bekleidungsfirmen jährlich Waren im Wert von fast einer Milliarde Euro nach Russland verkauft. 2018 seien es nur noch etwa 684 Millionen Euro gewesen. Der bayerische Branchenverband VTB klagte ebenfalls, dass sich die Sanktionen negativ auf Mitgliedsunternehmen auswirken und die wirtschaftliche Zusammenarbeit dadurch stark beeinträchtigt sei - sowohl beim Export nach Russland als auch beim Import. Konkrete Zahlen dazu gab es vom Verband nicht.

Generell hielt sich der VTI auf der Tagung mit Kritik an der Bundesregierung nicht zurück. Als anderes Beispiel für die "verhängnisvolle politische Einflussnahme auf die Wirtschaft" nannte VTI-Vorstandschef Lindner die im Zuge der Energiewende entstandenen hohen Energiekosten. Sie schwächten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Hinzu kämen perspektivisch weitere erhebliche Kosten für die Finanzierung des Klimapakets.

Die Branche konzentriert sich im Osten vor allem auf Sachsen und Thüringen mit 12 000 beziehungsweise 2500 Beschäftigten. Damit gehört diese Region neben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern zu den vier großen deutschen Textilstandorten. Die Firmen im Osten produzieren unter anderem Garne und Nähfäden, Vliesstoffe, Gurte und Bänder für technische Anwendungen, Damaste, Leinengewebe, Socken und Strümpfe, Frottierwaren, und Damen-Oberbekleidung.

Auf dem Branchentag im Vogtland ging es vor allem um die Entsorgung und das Recycling textiler Abfälle. Zugleich wollten die Firmen beraten, wie sie Nachwuchs gewinnen können. Ein weiteres Thema waren Möglichkeiten einer Kooperation sächsischer Firmen mit potenziellen Partnern in Afrika.

Autor

mw, Jörg Schurig
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bekleidungsbranche Bekleidungsunternehmen Branchenverbände Heinrich Industrie Internationale Wettbewerbsfähigkeit Produktionsunternehmen und Zulieferer Textilien Thomas Lindner Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit Wirtschaftsbranche Bekleidung und Textilien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Chr. H. Sandler

11.04.2019

Textilbranche stemmt sich gegen Abkühlung

Der Umsatz im Textil- und Bekleidungssektor ist gesunken. Dennoch wollen viele Firmen investieren. Der Verbands-Chef kritisiert die Politik. » mehr

Wie geht es nun endgültig mit Loewe weiter? Der Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß will im Dezember den Investor präsentieren. Als heißester Favorit gilt der chinesische TV-Gerätehersteller Hisense. Fotos: Stephan Grossmann, pr

29.11.2019

Polnische UMC an Loewe interessiert?

In Kronach hofft man auf Hisense als neuen Loewe-Eigentümer. Doch auch ein polnischer Interessent soll im Rennen und vor allem an der Marke interessiert sein. » mehr

Glen Dimplex spürt harten Wettbewerb

29.11.2019

Glen Dimplex spürt harten Wettbewerb

Clemens Dereschkewitz steht seit Juli an der Spitze des Kulmbacher Unternehmens Glen Dimplex. Er muss es wieder in die Gewinnspur bringen. » mehr

Reifenproduzent Michelin schließt Werk

15.11.2019

Mitarbeiter protestierten bei Michelin

Mit einer Kundgebung haben die Beschäftigten des Reifenherstellers Michelin am Freitag gegen die geplante Werksschließung in Hallstadt im Landkreis Bamberg protestiert. » mehr

In der Hofer Fabrikzeile hat die Hoftex-Gruppe ihren Sitz. Von hier aus steuert die Geschäftsführung die Aktivitäten von Tenowo, Hoftex und Neutex, den drei Geschäftsbereichen der Aktiengesellschaft. Fotos: Christopher Michael

12.07.2019

Hoftex stemmt sich gegen Abschwung

Die Konjunktur kühlt sich ab und zahlreiche Konflikte belasten die Ökonomie. Das merkt auch der Textilkonzern. Er will mit neuen Produkten und Geschäftsfeldern reagieren. » mehr

Mitarbeiter in der Textilfabrik Viyellatex in Tongi, einem Vorort von Dhaka in Bangladesch. Der bessere Schutz vor Ausbeutung in der globalen Lieferkette könnte für deutsche Unternehmen in allen Branchen bald zur gesetzlichen Verpflichtung werden.	Foto: Tim Brakemeier/dpa

19.04.2019

Die Menschenrechte auf dem Prüfstand

Die Lieferketten stehen im Fokus einer wirtschaftsethischen Debatte. Schon bald könnten deutsche Unternehmen per Gesetz zu größerer Verantwortung gezwungen sein. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Grenzweihnacht am Ackerl Selb

Grenzweihnacht am Ackerl | 15.12.2019 Selb
» 37 Bilder ansehen

Casanova-Deutschrap Schwingen Schwingen

Casanova-Deutschrap Schwingen | 14.12.2019 Schwingen
» 48 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim | 13.12.2019 Selb
» 36 Bilder ansehen

Autor

mw, Jörg Schurig

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
00:00 Uhr



^