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Wirtschaft

"Trumps Sicht auf die Dinge ist verkürzt"

Kaum ein Land profitiert vom Freihandel so stark wie Deutschland. Doch bleibt das auch so? Ökonom Mario Larch spricht über Handelskonflikte und Machtfragen.



Freie Märkte - darauf basieren vor allem die Erfolge exportorientierter Wirtschaftsnationen wie Deutschland. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Freie Märkte - darauf basieren vor allem die Erfolge exportorientierter Wirtschaftsnationen wie Deutschland. Foto: Daniel Reinhardt/dpa   » zu den Bildern

Herr Professor Larch, die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur haben sich auf ein Handelsabkommen geeinigt. Wie bedeutend ist das, nachdem es zuletzt international eher Abschottungstendenzen gab?

Zur Person

Mario Larch ist seit 2010 Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Bayreuth. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören auch Handelsabkommen. Er ist außerdem Forschungsprofessor des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft am Ifo-Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München. Seit 2017 ist er einer der Redaktionsleiter der Fachzeitschrift "International Economics". Larch berät ebenfalls das französische Forschungsinstitut CEP II in Paris.

 

Wunderdinge sollte man zwar nicht erwarten, denn die Zölle sind auf beiden Seiten schon jetzt in vielen Bereichen ziemlich niedrig. Gleichwohl werden sich sowohl für die EU als auch für ihre südamerikanischen Partner aus dem Abkommen einige wirtschaftliche Vorteile ergeben. Außerdem sollte man die symbolische Wirkung eines solchen Bekenntnisses zum Freihandel nicht unterschätzen, nachdem sich international der Ton in Handelsfragen zuletzt vor allem seitens der USA doch ziemlich verschärft hatte.

 

In den Medien hat die Einigung zwischen EU und Mercosur auf ein Freihandelsabkommen recht große Beachtung gefunden. Dabei wurde zwischen beiden Seiten schon seit 1999 verhandelt, seit 2016 sogar sehr intensiv. Es wird künftig wohl immer mehr so sein, dass es bilaterale Abkommen gibt, weil es auf multilateraler Ebene schwierig ist, Einigungen zu erzielen. Denn die Interessen sind sehr unterschiedlich.

 

Muss man sich Sorgen um die Welthandelsorganisation (WTO) machen? Dort sollten eigentlich internationale Handels- und Wirtschaftsbeziehungen geregelt werden.

Durchaus. Wir sehen, dass die Bereitschaft auf multilateraler Ebene zu umfassenden Lösungen in Handelsfragen zu kommen, abgenommen hat. Das schwächt die Stellung der WTO. Dabei sind die Grundideen, auf die sie basiert, sinnvoll. Und trotz vieler Rückschläge sind bislang durchaus Erfolge erzielt worden.

 

Können Sie die tragenden WTO-Prinzipien kurz erklären?

Es geht grundsätzlich darum, Handelshemmnisse abzubauen, allgemeingültige Regeln zum Wohle aller zu finden. Das Prinzip der Meistbegünstigung verpflichtet zur Gleichbehandlung aller WTO-Mitglieder. Das heißt konkret: Gewährt ein WTO-Mitglied einem anderen Staat eine Handelserleichterung, muss es diese - abgesehen von begründeten Ausnahmefällen - allen WTO-Mitgliedern zugestehen. Auch das Prinzip der Reziprozität, wonach wechselseitig eingeräumte Konzessionen gleichgewichtig und ausgewogen sein sollen, ist ein wichtiger Faktor, um mehr Gerechtigkeit in Handelsfragen zu schaffen.

 

Herrscht stattdessen nun wieder das Recht des Stärkeren?

Nun, es liegt auf der Hand, dass sich mächtige Nationen wie die USA in Verhandlungen gegenüber schwächeren Ländern leichter durchsetzen können. Die WTO wollte eigentlich Handelsbarrieren so weit wie möglich abbauen. Nun erleben wir, angestoßen durch US-Präsident Donald Trump, eine Rückkehr zu einer protektionistischen Handelspolitik. Das wiederum könnte dazu führen, dass es zu einer Negativspirale kommt, Zölle werden wiederum mit Vergeltungszöllen beantwortet. Dabei kann es zwar kurzfristig Gewinner geben, aber angesichts der starken Vernetzung der Weltwirtschaft, der eng verflochtenen Wertschöpfungsketten verlieren am Ende beide Seiten.

 

Wie geht man eigentlich mit einem selbst ernannten Dealmaker wie Trump um?

Das ist sehr schwierig. In Handelsfragen hat er eine stark verkürzte Sicht auf die Dinge - nach dem Motto: Exporte schaffen Jobs, Importe vernichten Arbeitsplätze. Dieses Schema entspricht jedoch nicht der Realität. So sind etwa im hohen Import der USA viele Vorleistungen enthalten, die für die Wertschöpfungsketten der amerikanischen Unternehmen sehr wichtig sind.

Das Problem ist, dass Trump eine sehr unternehmerische Sicht auf Politik hat. Einen Staat zu führen, ist aber etwas anderes als ein Unternehmen zu leiten. Trump möchte seinen Wählern Erfolge in Handelsfragen melden. Wenn die EU also bereit wäre, ihrerseits Zollerleichterungen für US-Produkte zu gewähren, dann könnte das ein Schritt in Richtung Deeskalation sein.

Also eher die Kooperation statt die Konfrontation suchen?

Ja. Gerade die exportstarke deutsche Wirtschaft ist auf möglichst freien Welthandel angewiesen. Würden die USA zum Beispiel Strafzölle auf deutsche Autos verhängen, würde das die Autobauer und die Zulieferer - also eine deutsche Schlüsselindustrie - empfindlich treffen. Und es gäbe durchaus Möglichkeiten, den USA entgegenzukommen. Denn in manchen Bereichen sind die Zölle, die die EU auf US-Waren erhebt, höher als umgekehrt.

Ob es bis Ende des Jahres tatsächlich gelingt, ein neues transatlantisches Freihandelsabkommen, sozusagen ein TTIP light, auszuhandeln, bleibt aber abzuwarten. Es gibt nämlich etliche widerstreitende Interessen. Das hat auch der Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Washington gezeigt. Die EU müsste zum Beispiel ihren Agrarmarkt stärker öffnen, was vor allem den Franzosen ein Dorn im Auge ist.

 

Trump bezeichnet die Wirtschaftsbeziehungen zwischen seinem Land und der EU angesichts des massiven Handelsdefizits der USA als unfair. Wenn man aber die Leistungsbilanz ansieht, die auch Dienstleistungen und Vermögenseinkünfte erfasst, stehen die Vereinigten Staaten sogar besser da als die EU.

Das ist in der Tat ein wichtiger Punkt. Allerdings gibt es in puncto Leistungsbilanz unterschiedliche Zahlen - je nachdem, ob man europäischen oder amerikanischen Statistikbehörden folgt. Das liegt daran, dass Kapitalströme viel schwieriger zu erfassen sind und schwerer klar zugeordnet werden können als Güterströme. Insgesamt lässt sich aber feststellen: Wenn man die Leistungsbilanz betrachtet, dann zeigt sich, dass die EU Vorteile im Güterhandel hat, während die USA vor allem Know-how exportieren. Von unfairen Wirtschaftsbeziehungen kann man also nicht sprechen.

Das Gespräch führte Matthias Will

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Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
00:00 Uhr

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18. 07. 2019
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