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Wunsiedel

AOK kritisiert Minister Spahn

Freie Wahl der Krankenkasse - klingt gut. Doch Direktor Volker Schödel und Beiratsvorsitzender Hans Blüml sehen viele Fallstricke.



AOK-Direktor Volker Schödel (links) und Beiratsvorsitzender Hans Blüml sind zurzeit nicht gut auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu sprechen. Sie meinen, dass sein Gesetzesentwurf die regionale Gesundheitsversorgung schwächt.
AOK-Direktor Volker Schödel (links) und Beiratsvorsitzender Hans Blüml sind zurzeit nicht gut auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu sprechen. Sie meinen, dass sein Gesetzesentwurf die regionale Gesundheitsversorgung schwächt.   Foto: David Trott

Wunsiedel - Wer an der Nordseeküste wohnt, soll sich künftig auch bei der AOK Bayern versichern können. Umgekehrt gilt: Wer im Landkreis Wunsiedel lebt, hat nun auch die Möglichkeit, sich zum Beispiel bei der AOK in Niedersachsen zu versichern. Die Pläne von Bundesgesundheitsmimister Jens Spahn sehen vor, dass sich regionale Krankenkassen bundesweit öffnen. Offiziell heißt das Ganze: Entwurf eines "Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung" (GKV-FKG).

Der Gesetzentwurf

Der Entwurf eines "Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FKG") sieht vor, dass sich bisher regional aufgestellte Kassen bundesweit öffnen müssen. Nach Ansicht der AOK erschwert der im Risikostrukturausgleich vorgesehene "Metropolenzuschlag" die Zukunftssicherung der regionalen Versorgung, da "finanzielle Mittel aus strukturschwachen ländlichen Regionen in überversorgte teure städtische Gebiete umgeleitet werden. Durch diesen Fehlanreiz werden sich Krankenkassen auf attraktive großstädtische Regionen konzentrieren und sich aus regionalen Versorgungsansätzen zurückziehen", heißt es in einer Mitteilung der AOK-Direktion Wunsiedel.

Und der Minister, der in der Vergangenheit schon mehrfach mit umstrittenen Äußerungen und Vorhaben aufgefallen ist, bekommt Gegenwind - auch aus dem Landkreis Wunsiedel. "Spahns Plan klingt zunächst gut, er birgt jedoch Gefahren", sagt Hans Blüml, Beiratsvorsitzender bei der AOK-Direktion in Wunsiedel. Denn die regionalen Kassen würden in einen Preiswettbewerb gezwungen, den er für unsinnig hält.

Im Gespräch mit der Frankenpost zieht Blüml einen Vergleich zum Strom- und Gasmarkt oder dem Bankensektor. Hier entscheiden einige Verbraucher schon seit Jahren nur nach dem Preis. Will heißen: Der günstigste Anbieter gewinnt Kunden; die Frage nach der Leistung gerate da in den Hintergrund.

Zu einer solchen Entwicklung dürfe es bei den Krankenkassen nicht kommen, meint Blüml. Und der Wunsiedler AOK-Direktor Volker Schödel spricht Klartext: "Krankenversicherung hat etwas mit Vertrauen zu tun. Wir wollen weiterhin eine gute Versorgung garantieren."

Der Beiratsvorsitzende skizziert ein Bild, was passieren könnte, wenn Spahns Pläne Realität werden würden. Blüml befürchtet, dass vor allem junge und gesunde Versicherte Kassen vor Ort verlassen und die günstigeren Beitragssätze einer anderer Kasse nutzen würden. Dies bliebe nicht ohne Folgen: "Der Krankenkasse fehlt in ihrem Kerngebiet das Geld für die Gestaltung einer guten und passgenauen Versorgung." Bei einer derartigen Entwicklung hätten nicht nur die Kranken das Nachsehen. Der wirtschaftliche Druck auf die Kasse würde wachsen - weitere Fusionen wären wohl die Folge. "Am Ende wird es weniger Kassen und weniger Wettbewerb geben. Die AOK ist eine regionale Kasse, und das muss sie auch bleiben", erklärt Blüml. Volker Schödel befürchtet weitere negative Auswirkungen. Man dürfe schließlich nicht vergessen, dass die AOK-Direktion Wunsiedel mit 230 Arbeitsplätzen und dem hier angesiedelten Dienstleistungszentrum ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor sei. "Die Nähe zu den Menschen ist unser Erfolgsmodell", sagt Schödel. Er betont, dass die AOK die Arbeitsplätze in den bayerischen Regionen erhalten wolle. Nur so könne es wohnortnahe Betreuung und Beratung geben. Nicht nur Schödel und Blüml sind der Überzeugung, dass die Pläne von Minister Spahn all das gefährden würden. "Wir sind mit unserer Sorge in guter Gesellschaft, denn auch die bayerische Staatsregierung lehnt die Pläne von Spahn vehement ab", sagt Blüml.

Was den AOK-Beirat noch ärgert: Die Vertreter der Beitragszahler der Krankenkassen seien offensichtlich vom Gesundheitsminister nicht gefragt worden. Das zeige, dass er die gesetzlich verankerte Selbstverwaltung der Krankenversicherung nicht ernst nehme. Dabei sei im Koalitionsvertrag vereinbart worden, die Sozialpartnerschaft und ihre Institutionen zu stärken. Blümls Fazit: "Spahns Bekenntnisse zur Sozialpartnerschaft sind offensichtlich nur Lippenbekenntnisse." Für die AOK steht fest, dass der Gesetzentwurf aus dem Hause Spahn keinerlei neue Spielräume für regionale Vertragslösungen und Versorgungsoptionen zulasse, aber genau diesen bräuchten die Kassen und ihre Gesundheitspartner. Schödel und Blüml sagen abschließend: "Die AOK Bayern will mehr Wettbewerb um die beste Gesundheitsversorgung."

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Matthias Vieweger
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Veröffentlicht am:
04. 07. 2019
18:42 Uhr

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Matthias Vieweger

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04. 07. 2019
18:42 Uhr



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