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Wunsiedel

Alle wollen neue Stationen fürs Klinikum

Der Kreistag befürwortet einstimmig den Antrag der Grünen für eine Geriatrie, eine Palliativstation und ein Hospiz im Klinikum Fichtelgebirge. Allerdings lässt sich dies nicht so einfach umsetzen.



Im Landkreis Wunsiedel gibt es bislang keine eigene Geriatrie- und Palliativstation.
Im Landkreis Wunsiedel gibt es bislang keine eigene Geriatrie- und Palliativstation.   Foto: Christian Charisius/dpa

Wunsiedel - Drei neue Einrichtungen wünschen sich die Grünen im Kreistag für das Klinikum Fichtelgebirge. Fraktions-Sprecherin Brigitte Artmann sagte in der jüngsten Sitzung, es gehe ihrer Partei um gleichwertige Lebensverhältnisse für die Menschen im ländlichen Raum. Daher seien am Klinikum Fichtelgebirge eine Geriatrie, eine Palliativstation und ein Hospiz wichtige Ergänzungen für die Bürger im Fichtelgebirge. "Wir wollen, dass der Kreistag eine Untersuchung einleitet, ob sich die Abteilungen in das Klinikum integrieren lasen. Auch ein für die Bevölkerung offener Arbeitskreis, der die Verwirklichung der Einrichtungen begleitet, ist einzurichten."

Dem wollte keiner der Kreisräte widersprechen, ist doch die Stärkung des Klinikums Fichtelgebirge seit Langem eines der wichtigen Anliegen des Gremiums. So trägt der Landkreis unter anderem jedes Jahr rund drei Millionen Euro der Kosten für die Krankenhäuser in Selb und Marktredwitz.

Wie Brigitte Artmann argumentierte, gibt es für die Menschen im Fichtelgebirge einen Bedarf für alle drei Einrichtungen. "Wenn ein sterbender Mensch weit weg in ein Hospiz gebracht werden muss, ist das unzumutbar für die Person selbst, aber auch für deren Verwandte. Ebenso gilt das in zunehmendem Maße für die Geriatrie- und die Palliativ-Station."

Die vom Fichtelgebirge aus am nächsten gelegenen Hospize befinden sich in Bayreuth, Naila und Neustadt/Waldnaab. Auch die Palliativstationen in Hof, Bayreuth oder Kulmbach liegen nicht gleich um die Ecke.

Wolfgang Kreil von der CSU nannte die Einrichtungen einen "Segen, für die, die sie benötigen". Die Thematik sei dem Aufsichtsrat des Klinikums nicht neu. Daher unterstütze die CSU den Antrag, zunächst eine Untersuchung einzuleiten.

Auch für Konrad Scharnagl von der SPD, er ist zugleich Kreis-Seniorenbeauftragter, sind die Grünen-Forderungen keineswegs neu. "Seit einem Dreivierteljahr wird im Klinikum an Konzepten gearbeitet, ob und wie derartige Stationen aufgebaut werden könnten."

Dies scheint komplizierter, als Laien gemeinhin annehmen. Denn, wie Landrat Karl Döhler sagte, gibt es für eine Palliativ-Station genau festgelegte Rahmenbedingungen. Schon jetzt bildeten sich Pflegekräfte des Klinikums in einem Kurs weiter. "Anfang des Jahres werden wir im Klinikum auch den erforderlichen Palliativmediziner haben. Dann sind zumindest die Grundlagen für einen Antrag vorhanden."

Doch selbst wenn die Rahmenbedingungen erfüllt sind, ist es keineswegs sicher, dass die zuständigen Ministerien den Aufbau einer Station in Selb oder Marktredwitz befürworten. Derzeit gibt es Oberfranken mit seinen rund 1,1 Millionen Einwohnern 42 Palliativ-Betten in den Kliniken. Der vom Ministerium festgelegte Verteilungsschlüssel sieht jedoch eigentlich nur 35 Plätze für eine Million Einwohner fest. "Wir müssen also ganz genau begründen, warum wir am Klinikum Fichtelgebirge eine Palliativstation benötigen", sagte Döhler.

Das Fachkräfteproblem gibt es auch bei der geplanten Geriatrie. Derzeit befindet sich am Klinikum ein Arzt in Ausbildung mit der Fachrichtung Geriatrie. Er wird Anfang kommenden Jahres seine Qualifikation erworben haben. "Es ist derzeit nicht einfach, auf dem freien Markt Fachärzte für Palliativ- und Geriatriemedizin zu akquirieren. Doch selbst wenn wir dies könnten, müssen wir festgelegte Voraussetzungen erfüllen."

Ähnlich ist die Situation beim geforderten Hospiz. Hier muss laut Döhler eruiert werden, welchen Bedarf es neben den von ehrenamtlichen Hospiz-Helfern angebotenen im Landkreis gebe.

Der fraktionslose Kreisrat Christian Medick, selbst Mediziner, befürwortete den Antrag seiner ehemaligen Fraktion voll und ganz. Er wies darauf hin, dass es derartige Vorschläge schon vor mehr als zehn Jahren gegeben habe. Seinerzeit sei daran gedacht gewesen, die Stationen in die damals leer stehenden fünften und sechsten Stockwerke zu integrieren. "Aber der Geschäftsführer hat sich damals intensiv dafür eingesetzt, in die Stockwerke den Operationssaal und die Intensivstation zu verlegen." Der Nageler Mediziner konnte es sich nicht verkneifen, Landrat Karl Döhler für diese "Fehlentscheidung" eine Mitschuld zu geben. "Sie waren damals noch ein junger und unerfahrener Landrat beeindrucken lassen. Daher haben Sie seinerzeit ihre schützende Hand über das Vorhaben gehalten."

Er sei lernfähig, kommentierte Döhler Medicks Statement und konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

Jörg Nürnberger von der SPD brachte die "Gesundheitsregion plus" ins Spiel, die sich am von Artmann geforderten Arbeitskreis beteiligen könne. Auch dem pflichtete der Landrat bei und sagte, dass deren Mitglieder unter anderem analysieren könnten, was bisher im Zusammenhang mit den Einrichtungen schon auf den Weg gebracht worden sei.

Letztlich waren alle Kreisräte für den Vorschlag der Grünen. Schon in nächster Zeit soll die Untersuchung gestartet werden, welche Voraussetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten es für eine Geriatrie, eine Palliativstation und ein Hospiz am Klinikum Fichtelgebirge gibt.

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:04 Uhr

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Matthias Bäumler

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15. 10. 2019
17:04 Uhr



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