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Wunsiedel

An Emma scheiden sich die Geister

Attraktion oder Ärgernis? Emma ist immer für Diskussionen unter den Menschen gut. Jetzt steht der Straßenbahnwaggon auf einem Seecontainer an der Heldenstraße in Wunsiedel.



In luftiger Höhe: Derzeit ist die Straßenbahn Emma an der Wunsiedler Heldenstraße auf einem Seecontainer geparkt. Vermutlich wird auch das nicht ihr letzter "Wohnort" bleiben.	Foto: Scharf
In luftiger Höhe: Derzeit ist die Straßenbahn Emma an der Wunsiedler Heldenstraße auf einem Seecontainer geparkt. Vermutlich wird auch das nicht ihr letzter "Wohnort" bleiben. Foto: Scharf  

Wunsiedel - Emma hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Aus der DDR-Baureihe Gotha stammend, hat sie über Jahrzehnte hinweg in der damaligen DDR sozialistische Arbeiter zur Arbeit oder Hausfrauen zum Einkaufen gebracht. Nach dem Mauerfall taugte sie dann den gestiegenen Ansprüchen nicht mehr und wurde ausrangiert.

Station im Westen machte Emma im Automobilmuseum in Fichtelberg. Warum, weiß heute niemand mehr, aber sicher ist, dass sie vor einigen Jahren in Wunsiedel eine neue Heimat fand. Gekauft von dem Wunsiedler Kunsterzieher und Gastronomen German Schlaug, stand sie zunächst als Attraktion und mit Genehmigung der Stadt in der Breiten Straße vor der Kneipe "Volle Breite" und wurde unter anderem für Lesungen genutzt.

Von Anfang an aber schieden sich die Geister an Emma. Für die einen war sie ein ungewöhnlicher Hingucker, für die anderen ein Ärgernis. Den Besitzer von Emma haben diese Reaktionen nicht überrascht für den Besitzer. Der Vertreter der Bunten Liste im Rat der Kreisstadt ist dafür bekannt, dass er gerne polarisiert.

Bald überwogen die Kritiker, und die Genehmigung für die Aufstellung war ohnehin zeitlich begrenzt. Da traf es sich gut, dass das Luisenburg-Gymnasium, in dem Schlaug als Kunsterzieher arbeitet, Interesse an Emma zeigte und dem Waggon als außergewöhnlichem Klassenzimmer und Aufenthaltsraum Asyl gewähren wollte. Schließlich hatte man das Jean-Paul-Jahr ausgerufen. Dem außergewöhnlichen Dichter wollte man mit einem außergewöhnlichen Klassenzimmer gerecht werden.

In Emma, die auf mehreren Parkplätzen gegenüber dem Gymnasium geparkt worden war, kehrte für einige Monate schulisches Leben ein. Es fanden Lesungen statt, Jugendliche trafen sich darin. Inzwischen war der sozialistische Waggon sogar zum Kunstobjekt aufgestiegen, verziert mit Figuren aus Dichtung und Kunst.

Bald aber wurde Emma im Inneren nicht immer aufgeräumt und damit für einige wieder zum Ärgernis. In einer lebhaften Stadtratssitzung raunzte Stadtrat Rudi Schricker gar: "Das Vieh muss weg".

SPD-Mann und VdK-Kreisvorsitzender Konrad Scharnagl bemängelte, dass das rollende Klassenzimmer zwei Behinderten-Parkplätze einnehme. Und Stadträtin Johanne Arzberger sah Emma gar als "Phantom", von dem keiner wisse, wo sie hin soll und wem es eigentlich gehöre. Am 14. November, dem Todestag von Jean Paul, lief die Genehmigungsfrist für den Standort beim Gymnasium ab - der Waggon musste weg. Ein Tieflader brachte ihn zu einem Grundstück von German Schlaug an an der Heldenstraße. Ein Kran hievte Emma auf einen Seecontainer. In luftiger Höhe wartet sie auf ihren nächsten Einsatz.

Besitzer German Schlag ist eher traurig, dass seine Intensionen zu dem Straßenbahnwaggon nicht überall verstanden werden. "Jetzt steht sie erst mal da", kommentiert er den derzeitigen. Er assoziiert mit Emma geistige Beweglichkeit und verweist auf Jean Paul. An dem Dichter hätten sich auch die Geister geschieden.

Eigentlich habe die Schule den Waggon als einen Beitrag zum Jahr Jean Pauls verstanden. Denn zu manchen Geschichten des Dichters passe auch die Geschichte des Waggons, der unter anderem mit Graffiti und Motiven aus Jean Pauls Romanen bemalt ist.

Schlaug sieht des Grundstück im Osten Wunsiedel nicht als Endstation für Emma. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass das Gefährt bald wieder zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche in der Kreisstadt werden könnte. Er findet, das Bahnhofsgelände könnte ein geeigneter Standort sein.

Das Vieh muss weg.

Stadtrat Rudi Schricker in einer Sitzung.

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Von Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
08. 01. 2014
00:00 Uhr

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Von Herbert Scharf

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Veröffentlicht am:
08. 01. 2014
00:00 Uhr



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