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Wunsiedel

Bärenangst ging im Fichtelgebirge um

Die Vergangenheit lässt Walter Rößler in einem Vortrag lebendig werden. Er berichtet seinen Zuhörern in Kirchenlamitz von wilden Tieren - und von wilden Fantasien.



Kirchenlamitz - Mit "Zeitspuren, Kulturdenkmälern und anderen historischen Zeugnissen im Walde des Fichtelgebirges" hat sich ein Vortrag in Kirchenlamitz befasst. Eingeladen hatten der Arbeitskreis Kultur- und Heimatpflege und der FGV, als Referent sprach der Leiter der Regional-Gruppe Wunsiedel des Historischen Vereins von Oberfranken: Walter Rößler aus Wunsiedel.

In seinem mit Fotos und Dokumenten illustrierten Vortrag zeigte er historische Objekte und Bauwerke und erläuterte anschaulich deren Entstehung und Bedeutung. So dürfte nicht jeder wissen, dass der Eger-Wasserfall im Röslauer Thuswald ein Relikt der Industrialisierung des späten 19. Jahrhunderts ist. Oskar Böttcher erschloss sich eine Energiequelle durch den Bau eines zweieinhalb Kilometer langen Kanals zum Betrieb einer Turbine und gründete 1894 die Pappenfabrik im Thus. Gleichzeitig wollte er als Rohstoff den Wald nutzen. Das Wasser der Eger stürzte etwa dreißig Meter auf die Schaufelräder der Turbine, die heute noch in Betrieb ist. Der Eger-Wasserfall ist der Überlauf des Kanals. Durch Böttchers unternehmerischen Einsatz entstand das idyllische Kleinod im Thuswald, das schon 1923 die Röslauer in seinen Bann zog. Bis heute feiern sie an diesem Kleinod alljährlich ein Fest.

Spannend ist die Geschichte des Bärenfangs am Waldstein: Es gilt als einziges noch erhaltenes Gebäude dieser Art. Seine Existenz belegt erstmals eine Rechnung des markgräflichen Kastenamtes Münchberg vom 3. April 1656: Darin werden "vier Futtermees Hafer für acht Fronpferde" abgerechnet - die Pferde brauchte man, um den gefangenen Bären nach Gefrees zu bringen. Von dort wurde das Raubtier weiter nach Bayreuth geschafft, wo die Markgrafen im Tiergarten die beliebte Bärenhatz durchführten. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges hatten sich die Raubtiere in den Wäldern rasant vermehrt. Die Markgrafen setzten sogar Prämien auf deren Abschuss aus, vor allem von Bär und Wolf. Der Bärenfang am Waldstein war etwa hundert Jahre in Betrieb. Das letzte Tier ging 1760 in die Falle.

Dass das Bauwerk noch steht, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit: Walter Rößler berichtete aus dem Jahr 1816, als der Unterförster Schöntag aus Zell sein Haus umbauen wollte. Der sparsame Mann wollte sich an den glatt behauenen Granitquadern des Bärenfangs bedienen, was der Sparnecker Oberförster Otto gerade noch verhindern konnte. Dr schrieb völlig erbost an das Forstamt Selb: "Es ist äußerst schändlich und unvernünftig von einem königlichen Staatsdiener gehandelt, wenn dieser ein sehr seltenes, vielleicht in unserer ganzen Königsreich sich nicht wieder vorfindendes Alterthum nicht zu würdigen weiß." Der Oberförster wäre sogar bereit gewesen, bei einer öffentlichen Versteigerung "allzeit fünf Gulden mehr zu bieten als die andern und sie aus eigener Tasche zu bezahlen, um dieses Alterthum an Ort und Stelle stehen lassen zu dürfen." Dieser löblichen Gesinnung ist es zu verdanken, dass der Bärenfang noch heute erhalten ist, als Jagddenkmal von europäischem Rang.

Walter Rößler wies darauf hin, dass damals auch Wolfsrudel durchs Fichtelgebirge streiften. Die Menschen fürchteten die wilden Tiere, weshalb wohl auch mit manchem die Fantasie durchging. Der Referent erinnerte an die Geschichte der "Bestie des Gévaudan", die zwischen 1764 und 1767 in Südfrankreich etwa hundert Menschen getötet haben soll. Rößler wies darauf hin, dass bis ins 19. Jahrhundert Wolfsgruben ab dem frühen Mittelalter üblich waren. Bereits Karl der Große befahl, dass Wölfe auf diese Art gejagt werden sollten. Über entsprechende Flurnamen lassen sich bis heute Standorte solcher Fanggruben identifizieren.

Weitere Darstellungen in dem interessanten Referat waren Forstgrenzsteine, in die bis zum Jahr 1830 "KW" (Königlicher Wald) eingemeißelt war, sowie weitere historische Grenzzeichen, die aus dem Jahr 1783 stammen. Ferner widmete sich der Referent dem Burgstall Schönlind aus dem 12. Jahrhundert, einer der wahrscheinlich ältesten Burganlagen im Fichtelgebirge. Nur noch zwei Ringwälle davon sind vorhanden; die Anlage fiel 1871 dem Bau der Bahn von Marktredwitz nach Hof zum Opfer. Willi Fischer

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16. 04. 2018
19:18 Uhr

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16. 04. 2018
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