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Wunsiedel

Gewerbegebiet Plärrer ärgert die Naturschützer weiter

Vertreter der Jäger, des Fichtelgebirgsvereins, der Naturfreunde und des Bundes Naturschutz sprechen mit Planern und Politikern: Kritik gibt es an der Informationspolitik.



Gewerbegebiet Plärrer ärgert die Naturschützer weiter
Gewerbegebiet Plärrer ärgert die Naturschützer weiter  

Wunsiedel - In wenigen Wochen soll eine Machbarkeitsstudie über ein mögliches Industriegebiet "Am Plärrer" zwischen der Autobahn und Bernstein fertig sein. Insgesamt wird eine Fläche von rund 96 Hektar untersucht, die für die Ausweisung eines sehr großen Gewerbegebietes infrage kommen könnte. Dieses Vorhaben sorgt bei vielen Bürgern im Landkreis Wunsiedel für heftige und auch konträre Diskussionen. Jetzt hat ein erstes Treffen zwischen den Planern und verschiedenen Naturschutzverbänden, die das mögliche Gewerbegebiete teilweise sehr kritisch sehen, im Wunsiedler Landratsamt stattgefunden.

Bündnis organisiert Mahnfeuer

Die Kreisverbände des Bundes Naturschutz und des Bayerischen Bauernverbands sowie Grundbesitzer aus Bernstein und Stemmasgrün haben ein Bündnis gegen das mögliche neue Industriegebiet vom Thiersheimer Plärrer bis Bernstein geschmiedet. Mit einem gemeinsamen Mahnfeuer am 16. Februar um 19 Uhr bei Stemmasgrün wollen die Verbände auf den drohenden "riesigen Flächenverbrauch von Grund und Boden" hinweisen und schreiben in einer Pressemitteilung von einem "ökologischen Wahnsinn". "Wir dürfen nicht zulassen, dass für eine Großfabrik mit Hunderten von Metern langen Produktionshallen Natur und Landschaft im Naturpark Fichtelgebirge verhunzt werden", heißt es in einem gemeinsamen Aufruf. Für beide Verbände stellt der ungebremste Flächenverbrauch eines der größten ungelösten Umweltprobleme in Bayern dar. Für "durchaus vernünftig" halten BBV und BN dagegen die Ausweisung eines Gewerbegebiets vom Plärrer bis zur Straße durch den Windpark nach Höchstädt.

 

"Wir haben etwa zweieinhalb Stunden lang Argumente ausgetauscht und unsere Bedenken vorgetragen", beschreibt Fred Terporten-Löhner, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, das Treffen. Er stellt klar: Sein Verband beurteilt die große Fläche, um die es geht, differenziert. "Der östliche Teil, von der Autobahn bis zum Wald, beziehungsweise bis zum ersten Windrad" sei aus der Sicht seines Verbandes relativ unproblematisch. Der Naturschützer könnte sich dieses Areal als Kompromisslösung für ein Gewerbegebiet vorstellen. Das sei schon eine sehr große Fläche, betont er. Eine weitere Ausdehnung nach Westen bezeichnet Terporten-Löhner als "überdimensioniert". "Das gesamte untersuchte Gelände wird auch durch Biotopflächen zweigeteilt", erklärt er. Der Bund Naturschutz habe nach diesem ersten Informationstreffen weiter eine klare Haltung gegen eine Ausweisung eines Gewerbegebietes, das über den östlichen Teil hinausgeht.

 

"Aus Sicht des Fichtelgebirgsvereins können wir bei dem jetzigen Informationsstand keine klare Position beziehen", kommentiert FGV-Geschäftsführer Jörg Hacker. Und damit nennt er einen seiner größten Kritikpunkte in der Diskussion um die mögliche Ausweisung des großen neuen Gewerbegebietes Plärrer: schlechte Informationspolitik.

Er fordert und wünscht sich von den Verantwortlichen, die Öffentlichkeit besser und schneller mit Fakten und angedachten Planungen zu versorgen. "Das wurde mir jetzt auch versprochen, so Hacker. Er beklagt im Gespräch mit der Frankenpost, dass ihm einfach viele Daten nicht vorliegen, und erhofft sich bald mehr Klarheit. Erst dann könne der FGV offiziell Stellung beziehen, betont der FGV-Geschäftsführer. Außerdem stört Hacker die Tatsache, dass es seiner Meinung nach keine ausreichende Prüfung von alternativen Standorten gegeben hat. Er fordert, das Thema interkommunales Flächenmanagement im Landkreis professionell und umfassend anzugehen und nicht punktuell.

Neben dem Bund Naturschutz und dem Fichtelgebirgsverein trugen auch Willi Jackwert von den Naturfreunden, Walter Hollering vom Landesbund für Vogelschutz und ein Vertreter der Kreisgruppe Wunsiedel des Bayerischen Jagdverbandes, Sigmund Eckl, ihre Fragen über das mögliche Industriegebiet vor. "Wir haben keine generelle Blockadehaltung und werden jetzt in Ruhe abwarten", sagt Eckl im Gespräch mit der Frankenpost. Den Dialog im Landratsamt bezeichnet er als "recht gelungenes Gespräch". Die mögliche Fläche von 96 Hektar erscheine den Jägern jedoch ebenfalls "überdimensioniert".

Auch Landrat Dr. Karl Döhler, die Entwicklungsagentur des Landkreises und die Bürgermeister Karl-Willi Beck und Bernd Hofmann nennen das Gespräch, an dem auch das zuständige Planungsbüro teilgenommen hat, als "sehr konstruktiv". Jetzt wolle man die Ergebnisse der Studie abwarten, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Wörtlich steht im sehr kurzen Text. "Sowohl von Seiten des Landratsamtes als auch seitens der Stadt Wunsiedel und der Gemeinde Thiersheim wurde betont, dass man im Hinblick auf dieses Projekt auch künftig weiterhin mit allen Beteiligten im Dialog bleiben möchte." Das betonte auch Bürgermeister Karl-Willi Beck bei einem Mediengespräch in Hildenbach. Am Mittwochabend sagte er wörtlich: "Die Machbarkeitsstudie ist schlicht und einfach ergebnisoffen."

Nichtsdestrotrotz machen sich Naturschützer und Anwohner Sorgen. Und dabei geht es nicht nur um die mögliche generelle Ausweisung des Gewerbegebietes. Das konkrete Interesse einer Firma, auf dem Gelände eine neue Fabrik für die Produktion von Papier zu bauen, verstärkt die kritische Haltung. Der Frankenpost-Redaktion liegt ein mehrseitiges Schreiben besorgter Bürger vor. Die Gruppe nennt sich "Bernsteiner Bürger pro Natur und Heimat" und sie erläutert in zehn Punkten, warum sie das Industriegebiet und diese mögliche Firmenansiedlung infrage stellt. Die Bürger bemängeln den Verlust von Flächen für die Landwirtschaft, Jagd und Naherholung. Außerdem gehe wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna verloren.

Die Papierfabrik, so lautet eine weitere Kritik, hätte einen großen Flächen-, Energie- und Wasserverbrauch auf der einen Seite, auf der anderen Seite jedoch nur verhältnismäßig wenige Arbeitsplätze. Auch die Gewerbesteuereinnahmen seien gering, vermuten diese Bürger. "Wo ist hier die Win-win-Situation ?" Das Fazit im Schreiben lautet: "Leider erkennen wir keinen wirtschaftlichen Nutzen für Wunsiedel.

Die enormen Planungs- und Erschließungskosten übersteigen die erhofften Einnahmen, und die großflächige Zerstörung der Natur ist einfach inakzeptabel."

Autor

Matthias Vieweger, Alexandra Hautmann
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Veröffentlicht am:
08. 02. 2018
21:30 Uhr

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Matthias Vieweger, Alexandra Hautmann

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08. 02. 2018
21:30 Uhr



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