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Wunsiedel

Hinweise auf ein zweites Massengrab

Wunsiedel - Immer mehr Licht bringt Karl Rost in eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Wunsiedels. Seit Jahren erforscht der pensionierte Lehrer und Hobbyhistoriker die Geschehnisse während des sogenannten Todesmarsches durch das Stadtgebiet. Dieser jährt sich heute, Donnerstag, zum 65.



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Eine Tafel am Friedhof erinnert an die Toten. Foto: H. B.   Foto:  

Wunsiedel - Immer mehr Licht bringt Karl Rost in eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Wunsiedels. Seit Jahren erforscht der pensionierte Lehrer und Hobbyhistoriker die Geschehnisse während des sogenannten Todesmarsches durch das Stadtgebiet. Dieser jährt sich diesen Donnerstag, zum 65. Mal. "In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Zeitzeugen bei mir gemeldet, die sich an das Geschehen erinnert haben", sagt Rost. Dabei habe sich herausgestellt, dass es wahrscheinlich nicht nur das bekannte Massengrab im Zeitelmoos gab, sondern ein weiteres bei einem Waldstück zwischen Wunsiedel und Bibersbach.

Davon berichtete Rost unter anderem Engelbert Müller. Mitarbeiter des damaligen E-Werks hätten die Leichen der während des Zuges umgekommenen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald ausgraben müssen. Wo die sterblichen Überreste der von den Nazischergen malträtierten Juden und politischen Gefangenen danach begraben wurden, ist nicht bekannt.

Dass sich aus Richtung Bibersbach ein zweiter Todeszug nach Wunsiedel bewegte, war bisher nicht bekannt. Mittlerweile hat ein weiterer Zeuge allerdings davon berichtet, dass er als elfjähriger Bub "Jammergestalten mit Pferdewagen" die Bibersbacher Straße in Richtung des ehemaligen Sonnensaals ziehen sah. "Es ist möglich, dass es sich um einen Eisenbahntransport gehandelt hat. Manchmal wurden die Häftlinge zusammen mit Munition im Zug transportiert. Da viele Eisenbahnzüge von Tieffliegern beschossen wurden, zogen die Häftlinge und ihre Bewacher häufig zu Fuß weiter." Die These vom kombinierten Munitions- und Häftlingszug könnte ein anderes Ereignis belegen: "Einige Zeit danach haben Kinder bei Bibersbach Munition gefunden und damit herumhantiert. Dabei ist ein Junge ums Leben gekommen. Bei den Patronen könnte es sich um Munition des Zuges aus Buchenwald handeln."

In den Wunsiedler Familien seien die Geschehnisse rund um den 15. April 1945 später kaum mehr zur Sprache gekommen.

Erst in den vergangen Monaten ließen sich die Todeszüge im Raum Wunsiedel rekonstruieren - vor allem dank Karl Rosts Initiative.

Der ehemalige Lehrer hat mehrere Berichte gesammelt, die etliche Wunsiedler als tief mitfühlende Menschen darstellen. So haben einige Bürger den ausgemergelten und dem Tode nahen Menschen, die von den Wachleuten durch die Kreisstadt getrieben wurden, heimlich ein paar Lebensmittel zugesteckt. "Wir buken gerade einen Kuchen, als der Zug vor unserem Küchenfenster vorbeiführte", berichtet etwa ein Zeitzeuge. Er habe den Häftlingen schnell einige Klumpen Teig zugeworfen. Eine Frau aus der Feldstraße verteilte einige gedämpfte Kartoffeln, bis die Wachleute dazwischen gingen. Noch mehrere Wunsiedler haben den Häftlingen heimlich ein paar Lebensmittel zugesteckt.

Demnächst will Karl Rost weitere Zeitzeugeninterviews führen und bisher wenig bekannte wissenschaftliche Literatur über die Todeszüge studieren. Seine Erkenntnisse wird er in einiger Zeit zu Papier bringen. Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
15. 04. 2010
00:00 Uhr

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15. 04. 2010
00:00 Uhr



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