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Wunsiedel

Jürgen Fischer auf der Luisenburg 2018: „Die Geschichte fesselt mich schon jetzt“

Jürgen Fischer wird 2018 auf der Luisenburg den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer verkörpern. Er freut sich doppelt – auf die Rolle und auf die Felsenbühne.



Jürgen Fischer  

Herr Fischer, was ist für Sie die größte Herausforderung bei der Darstellung des Andreas Hofer?

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass diese Figur sehr nahe an mir dran ist. Die Art und Weise, wie der Andreas Hofer handelt, kann ich recht gut nachvollziehen. Ich kann mich darin auch teilweise wiederfinden. Die größte Herausforderung ist für mich dabei, den Erwartungen des verwöhnten Luisenburg-Zuschauers gerecht zu werden. Die Luisenburg steht ja schon seit Jahrzehnten für sehr hohe Qualität und für Theater auf sehr hohem Niveau. Da will ich also mindestens mithalten. Das ist die Herausforderung, die in dieser Arbeit und im Zeigen dieser Figur steckt. 

Wie ist es, einen Volkshelden zu verkörpern?

Eine historische Figur darzustellen, also einen Menschen, der wirklich gelebt hat, bedeutet ja, dass man zurückreist in der Zeit. Bei so einer Figur ist es automatisch so, dass man in die Umstände und in die Verhältnisse der Zeit eintaucht. Mir persönlich macht das wahnsinnig Spaß, weil ich solche Zeitreisen sehr gern mag. Und dann auch noch im eigenen Lebensraum. Ich unterscheide nicht groß zwischen Bayern und Tirolern, denn der Stamm der Bajuwaren, dem ich mich total zugehörig fühle, schließt ja beide ein. Andreas Hofer ist ja kein reiner Held, eher in gewisser Weise ein tragischer Held. Er will ja das Beste, mit heißem Herzen und mit ganzer Kraft, erreicht aber nicht so ganz das Optimum. Es ist eine große Freude für mich, ihn darstellen zu dürfen. Ich spüre diesen Hofer schon sehr früh sehr gut.

Wie sehen Sie die Person Andreas Hofer? Was ist der wichtigste Charakterzug des Rebellenführers und Freiheitskämpfers, den Sie veranschaulichen müssen?

Vielleicht erwartet man das nicht unbedingt, aber für mich ist Andreas Hofer ein unheimlich liebevoller Mensch. Die gewaltige Kraft, die er in sich trägt, ist nach meiner Ansicht genährt von Liebe, auch von Sensibilität. Hofer ist ein sehr einfühlsamer, gutherziger Mensch. Immer wieder, wenn ich an der Figur arbeite, wenn ich über Hofer nachdenke, fällt mir auf: Er war kein wilder, kein rauf- und streitlustiger Krieger. Er war einer, der mit viel gesundem Menschenverstand, in die Ecke gedrängt, irgendwann ohne Rücksicht auf Verluste gekämpft hat – für sich, für seine Familie, für sein Volk.

Arbeiten Sie jetzt schon intensiv an der Rolle? Lesen Sie sich ein in historische Bücher?

Ja. Das ist natürlich auch damit verbunden, dass ich große Lust darauf habe, diese Figur zu spielen. Normalerweise würde ich nicht so früh damit anfangen. Aber ich habe einfach großen Spaß daran, die Geschichte fesselt mich schon jetzt. Ich habe mir ein paar Bücher zugelegt, die mir der Felix Mitterer, der Autor unseres Luisenburg-Stücks, empfohlen hat. Darin lese ich immer ein bisschen – und merke dabei gar nicht, wie die Zeit vergeht. Natürlich schaue ich auch meinen Text schon an, vor allem die Färbung der Sprache. Ich will ja diesen Tiroler Klang reinkriegen. Und ich weiß genau, dass das nicht in zwei Wochen geht. Das braucht Zeit. Das weiß ich noch von der Schauspielschule: Da hat es drei Jahre gedauert, bis man vom bayerischen Klang weggekommen ist, hin zu einem astreinen Hochdeutsch. Man darf diesen Tiroler Klang aber nicht verwechseln mit tiefstem Tiroler Dialekt. Mir ist schon bewusst, wo wir das spielen. Man muss aufpassen, dass es wirklich alle verstehen. Andererseits soll natürlich auch allen Zuschauern klar werden, dass der Hofer ein Tiroler war. Das gebietet auch der Respekt gegenüber dieser historischen Figur. So mache ich also immer wieder etwas für die Rolle.

Mit Felix Mitterer sind Sie in Kontakt?

Wir haben uns wegen dieses Projekts noch nicht getroffen. Wir kennen uns aber seit „Wast - Wohin?“, wo er auf der Luisenburg zu Besuch war. Ich freue mich sehr darauf, einen Text sprechen zu dürfen, den dieser feinfühlige, feinsinnige Mensch verfasst hat. Felix Mitterer ist einfach ein wunderbarer Mensch. Ich freue mich schon darauf, wenn ich ihn dann speziell im Zusammenhang mit diesem Stück bald treffen kann.

Haben Sie bei dem Rollenangebot sofort ja gesagt oder mussten Sie überlegen?

Innerlich habe ich sofort ja gesagt. Aber: Es kam so unerwartet. Birgit Simmler und ich, wir haben uns am Tag vor der Premiere der „Pfingstorgel“ in der „Eis-Oase“ am Marktplatz getroffen. Sie wollte mich kennenlernen und hatte gehört, dass ich zufällig in der Stadt bin. Wir haben uns gleich wunderbar verstanden. Ich habe ihr erzählt, was ich in letzter Zeit so gemacht habe. Wir haben uns einfach ein bisschen beschnuppert. Und dann kam Birgit Simmler nach einer halben, dreiviertel Stunde ganz offen mit der Idee, dass sie sich sehr gut vorstellen könnte, dass ich den Andreas Hofer mache. Und ich habe im ersten Moment gleich gespürt: Ja, das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Weil der Andreas Hofer, der ja hierzulande kaum bekannt ist, bei mir schon seit langer Zeit immer wieder Thema war. Als Birgit Simmler das dann sagte, war das für mich zwar überraschend, da wir uns ja erst frisch kennengelernt hatten. Aber es war für mich gar nicht überraschend, was den Inhalt angeht. Wir haben dann vereinbart, dass wir beide noch mal drüber nachdenken. Nach ein paar Wochen hat sie mich angeschrieben, und zu der Zeit war ich mir auch schon total klar darüber, dass das etwas wird. Es sollte einfach so sein. So gesehen kann ich sagen: Ja, es war von Anfang an ganz klar. Beiderseits, übrigens.

Erinnern sie sich noch gerne an Ihre Zeit auf der Luisenburg zurück?

Ich war von 2004 bis 2015 auf der Luisenburg, der Michael Lerchenberg hat mich quasi mitgebracht. In seinem ersten Jahr war ich gleich in drei Stücken dabei. Das war schon sehr fordernd, denn ich kam frisch von der Schauspielschule und hatte gleich drei mittlere Rollen. Und die Luisenburg an sich braucht ja dann auch extra Kraft. Es war gleich eine sehr prägende Saison. Im Jahr darauf habe ich dann den Robin Hood spielen dürfen. Nach einer Zeit war es irgendwie klar, dass ich da jedes Jahr dabei bin, dass ich quasi zum Ensemble gehöre. Das war Michael Lerchenberg wohl wichtig. Und ich habe mich Jahr für Jahr mehr in die Luisenburg verliebt, in diesen Berg, diese Felsen, die Leute in der Stadt oder auf der Burg. Ich habe mich da immer wahnsinnig wohl gefühlt. So habe ich dann jedes Jahr die Aufgaben übernommen, die auf mich zugekommen sind. Manchmal war ich zusätzlich auch der Fußballtrainer (lacht). Das war immer ein Extra-Spaß. Ein Sommer in Wunsiedel war besser als der andere. Ich habe das unheimlich genossen. 2015 war dann mein bislang letztes Jahr auf der Luisenburg, ein sehr schönes Jahr, auch, weil wir den „Brandner Kaspar“ zum dritten Mal gemacht haben, in dem ich der Erzengel Michael war. Das war auch eine Figur, die ich geliebt habe. Aber 2015 war ich eben auch in Köln zum Vorsprechen bei einer Musical-Produktion und wurde dort ausgewählt, die Hauptrolle des Frank Farmer in „Bodyguard – Das Musical“ zu spielen. Also die Figur, die im Film Kevin Costner gespielt hat. Zwei Jahre lang habe ich das en suite in Köln gespielt, über 500 Vorstellungen – oder Shows, wie man ja beim Musical sagt. So habe ich eben auch zwei Jahre die Luisenburg verpasst, was mich schon geschmerzt hat. Weil für mich nichts drüber geht, als auf der Luisenburg zu spielen. Es gibt nichts Schöneres. Ich spüre dort immer diese Kraft und diese vertikale Verbindung und auch diese Energie. Das ist sowas von unvergleichlich. Ich hoffe, dass ich das noch ganz, ganz oft machen darf.

Sie schätzen also an den Festpielen in Wunsiedel am meisten die Kraft, die die Felsenbühne den Schauspielern gibt?

Auf der Luisenburg spüre ich eine verwurzelte Verbindung mit dem Universum. Das finde ich wahnsinnig erhebend. Und ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass ich dieses Gefühl schon so oft habe spüren dürfen. Ich stand ja auch auf der Luisenburg bestimmt schon über 500 Mal auf der Bühne. Auf der Luisenburg war es nie langweilig, immer erhebend, immer besonders. Das ist wirklich nicht selbstverständlich bei einer so großen Anzahl an Vorstellungen. 

Welche Rolle ist bei Ihnen am meisten im Gedächtnis geblieben?

Da geht es mir wohl genauso wie dem Publikum. Oft habe ich auf Premierenfeiern gehört, ich hätte die aktuelle Rolle super gespielt, aber „dieser Erzengel im ,Brandner Kaspar‘, der war ja fantastisch“. Vergangenes Jahr war ich mal zu Besuch in Wunsiedel und bin auf dem Marktplatz von einem wildfremden Menschen angesprochen worden auf diese Figur. Der Mann bedauerte, dass es das Stück nicht mehr geben wird und sagte, man hätte den „Brandner Kaspar“ mitsamt meinem Erzengel jedes Jahr spielen können. Und er wollte wissen, ob ich wieder auf die Luisenburg komme. Ich habe geantwortet: „Sofern das Universum, sofern Gott will: Ja.“ Ich wusste damals schon, dass ich wieder hier spielen werde, aber zu dem Zeitpunkt durfte ich das noch nicht sagen. Natürlich war auch meine erste große Hauptrolle 2005, der Robin Hood, prägend und besonders, halt auf eine andere Weise. Was noch hängengeblieben ist, ist der Rocky in der „Rocky Horror Show“, der ja meine erste große Musical-Rolle war. Ich war da anfangs sehr skeptisch, ob ich als nicht ausgebildeter Musical-Sänger da mithalten kann. Das hat mich auch sehr geprägt. Und dann fällt mir noch ein: der blinde Partisan in „Zwölfeläuten“. Gar keine große Rolle. Gleich bei der ersten Probe bin ich zum Michael Lerchenberg, der auch die Regie machte, gegangen und sagte: „Ich würde gerne versuchen, das während der gesamten Probenzeit wirklich blind zu spielen.“ Ich habe mir also die Augen verbunden – und so haben sich die Bewegungen und Verhaltensweisen eines Blinden ergeben. Sechs Wochen lang bin ich auf der Probenbühne und danach in den zwanzig Vorstellungen gestanden und habe wirklich nichts gesehen. Ich musste dabei den Stefan Pohl, der mittlerweile in Österreich ein berühmter Schauspieler ist, die Treppe rauf und runter tragen, samt Gewehr, samt Rucksack. Das habe ich alles blind gemacht. Aus der Zeit habe ich eine tiefe Verbindung zu dem aufgenommen, was man nicht mit den Augen sieht. Von außen betrachtet, was die Größe der Rolle angeht, war das nicht so spektakulär. Aber es war für mich, was das innere Erleben angeht, eine ganz, ganz, ganz besondere Erfahrung. Das hat super funktioniert, wurde von den Zuschauern natürlich mit entsprechendem Applaus auch goutiert. So authentisch, wie wenn man wirklich nichts sieht, kann man einen Blinden nicht spielen. Schön war auch, dass das ganze Ensemble das wirklich mitgemacht hat. Am Anfang gab es da lustige Situationen, denn ich habe mich halt erst nicht ausgekannt, wo ich gerade bin. Deshalb konnte ich auch nirgends hingehen. Also mussten die anderen lernen, mich zu führen und sich sozusagen um mich zu kümmern. Das war auch für die Beteiligten um mich herum eine wunderbare Erfahrung. Wenn ich da jetzt dran denke, dann weiß ich genau, wie sich die dritte Treppe oben vom Podest rechts anfühlt, weil ich die so oft mit den Händen und den Füßen ertastet habe. Ich weiß, wie der Stein verläuft, wie er beschaffen ist, wie tief und wie hoch er ist. Das ist interessant: Vor Ihrer Frage habe ich noch nie so darüber nachgedacht, woran von der Luisenburg ich mich am meisten erinnere. Man neigt dazu, zunächst ein bisschen äußerlich zu denken. Aber tatsächlich ist es genau das Gegenteil: Es war meine Rolle als Blinder im „Zwölfeläuten“.

Das hat sich tief eingeprägt?

Absolut! Wenn ich jetzt darüber rede, dann ploppen sofort diese Momente auf. Ich habe da ja auch die Ocarina gespielt, eine sizilianische Tonflöte, die ich extra für das Stück gelernt habe. Es war eine B-Ocarina mit einem ganz weichen, melancholischen Klang. Das hat mich auch als Schauspieler wirklich weitergebracht. Ich bin da auf eine Ebene gekommen, die ich vorher noch nicht kannte.     

Sie haben als Bodyguard Frank Farmer zwei Jahre die Zuschauer im Musical-Dome in Köln mit ihrer Präsenz begeistert. Wie ist es, so umjubelt zu werden?

Ich glaube, ich habe da eine gute Distanz. Ich bin grundsätzlich jemand, der sich eher weniger über die Reaktionen der Zuschauer definiert. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, denn natürlich habe ich höchsten Respekt vor dem Zuschauer und gebe für ihn das Allerletzte, was ich noch im Hemd habe. Aber: Man muss als Schauspieler wissen, dass ein gewisses Maß des Applauses und des Jubels auch von der Arbeit anderer kommt. Ich glaube, es ist sogar der größere Teil. Wenn man als Schauspieler Glück hat und besetzt wird für eine Figur, die man relativ leicht auf die Bretter bringen kann, zu der man ohnehin eine relative Nähe hat, dann ist es nicht so schwer, damit zu glänzen. Meine Leistung habe ich immer darin gesehen, stets mit höchster Konzentration und mit Gewissenhaftigkeit meine Arbeit zu tun. Den Jubel habe ich mir immer nur zu einem ganz kleinen Teil ans Revers geheftet, der ist mir gar nicht so wichtig. Wichtig für mich ist, dass die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich auf der Bühne bin, sowie meine Regisseurin oder mein Regisseur happy sind mit dem, was ich mache. Wenn ich das geschafft habe und in den Spiegel schauen kann und sagen „Du hast das Beste gegeben, das in dir drin ist“, dann ist mir auch gar nicht so wichtig, auf welcher Plattform das stattfindet. Beim Musical weiß man, das wird sehr gehypet, das ist viel Glitzer, viel Oberfläche, da wird wahnsinnig viel gepusht. Die Musik, das zielt doch alles auf diese Ekstase,  diesen Jubel ab. Man muss eben differenzieren, ob der Jubel daher kommt, dass man wirklich eine derart überirdische Leistung bringt. Oder ob er daher kommt, dass er zu einem großen Teil inszeniert ist und somit auch gewollt ist. Jubel und Verehrung sind immer auch stark davon abhängig, wie groß die Figur ist, die man spielt. Wenn man das achtmal in der Woche Abend für Abend erlebt, dann braucht es immer wieder ein hohes Bewusstsein, um sich davon zu distanzieren. Ich glaube aber, dass mir das ganz gut gelungen ist.

Was sind die Schattenseiten einer Hauptrolle in einer solchen großen Musicalproduktion?

Na ja, zunächst einmal herrscht im Musical eine etwas andere Kultur. Der Umgang miteinander ist anders. Es wird mehr Wert gelegt auf die Oberfläche, darauf, wie es aussieht. Es muss schön, gut, möglichst perfekt aussehen. Als Schauspieler, der sich mit ganzem Herzen reinversetzt in eine Rolle, ist das natürlich zunächst gewöhnungsbedürftig. Um das Innere muss man sich dort selber kümmern. Wenn man eine große Hauptrolle, bei der man jeden Abend zwei Stunden auf der Bühne ist, sieben bis acht Mal die Woche spielt, dann geht natürlich auch die künstlerische Feinheit zu einem gewissen Teil verloren. Gerade am Wochenende, wenn man am Freitagabend, am Samstag zweimal und am Sonntag zweimal spielen muss, muss man einfach leider Abstriche machen. Das ist für mich dann schon schattig, weil ich das eben gar nicht mag. Zumal man ja weiß, dass die Leute da bis zu 120 Euro für eine Karte zahlen. Da blutet mir ein bisschen das Herz, denn ich denke, für das Geld sollten die Leute eigentlich das Beste kriegen. Aber man merkt nach ein paar Wochen und Monaten die Ermüdung, die Tatsache, dass das einfach nicht mehr mit so viel innerer Spannung herstellbar ist. Aber: Auch diese Erfahrung hat mich weiter ausgebildet. Ich habe neue Kraft entwickelt, habe eine neue Perspektive gewonnen. Weil ich mit diesen Erlebnissen konstruktiv umgegangen bin, hat mir das als Schauspieler weitergeholfen. Ich konnte daran wachsen, mich weiter entwickeln. Dafür bin ich durchaus dankbar.

Aber länger hätte Ihr Ausflug in diese bunte Glitzerwelt des Musicals nicht dauern dürfen?

Nein. Das wäre indiskutabel gewesen. Ganz ehrlich? Ich hätte nach drei Monaten schon aufhören können, da hätte es mir schon gereicht. Aber ich habe die fünfzehn Monate, die in meinem Vertrag standen, durchgezogen. Dann wollte ich aufhören. Man hat mich aber überredet, dass ich den Sommer 2017 auch noch mache, solange „Bodyguard“ in Köln lief. Mit reduzierter Vorstellungsanzahl. Aber das war wirklich das Alleräußerste der Gefühle. Ich habe das immer auch unter dem Aspekt gesehen, dass ich so etwas nie wieder machen werde. Ich habe auch erkannt, dass ich mich selbst als Schauspieler durch diese lange und intensive Beschäftigung mit nur einer Figur weiterentwickeln kann. Deshalb war das für mich so in Ordnung.

Sind Sie jetzt von Köln zurück in die Heimat nach München gezogen?

Genau. Nach Schwabing. Ich habe wieder heim müssen nach Bayern, zu meine Leut. Ich bin doch sehr verwurzelt in dem Raum. Ich hatte dann auch wieder Zeit, fürs Fernsehen was zu machen. Ich kann jetzt im Winter auch ab und zu wieder Ski fahren, das ist eine große Leidenschaft von mir. In Köln hatte ich ja Ski-Verbot. Obwohl ich immer sagte: Die hundert Meter vom Musical-Dome zum Bahnhof sind für mich weniger sicher als ein Tag Skifahren. Ich stand ja schon als Kind auf Skiern, bin früher auch Rennen gefahren. Und jetzt, mit 45 Jahren, bin ich auch nicht mehr einer, der alles riskiert; ich bin wirklich ein sehr bewusster Genuss-Skifahrer. Das kann ich jetzt wieder machen. Darüber bin ich total glücklich. Und: Wenn ich jetzt in die Berge gehe und da nur wenige Leute treffe, dann ist auch schon der Andreas Hofer mit dabei. Denn der stand ja auch im Winter im Berg. Und seine Augen haben, wenn er in die Weite geschaut hat, dasselbe gesehen wie meine Augen heute. Insofern ist das auch ein bisschen Stoffsammlung, ein weiteres Puzzlestück zu einem Gesamteindruck, der mir da immer wieder durch Herz, Kopf und Seele geht.

 

Das Gespräch führte Andrea Herdegen

 

Zur Person

Jürgen Fischer, 1977 in München geboren, wuchs auf einem Bauernhof am Kastensee im oberbayerischen Kreis Ebersberg auf. Er absolvierte von 2002 bis 2004 seine Schauspielausbildung an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern in Regensburg. Er hatte einige Theaterengagements, unter anderem auf der Luisenburg, und war regelmäßig in Fernsehrollen zu sehen. In den Jahren 2015 und 2016 spielte er im Musical-Dome in Köln die Hauptrolle des Frank Farmer im Musical "Bodyguard". 2018 wird er in der Titelrolle des Stücks "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers" auf die Luisenburg zurückkehren.

 

Jürgen Fischer auf der Luisenburg

2004: Räuberhauptmann Borka in „Ronja Räubertochter“, Silvius in „Wie es Euch gefällt“, Fedja in „Anatevka“

2005: Robin Hood in „Robin Hood“, Fedja in „Anatevka“,  Bursche in „Geierwally“

2006: Polizist Klang in „Pippi Langstrumpf“, Kaspar Prückl in „Der Wittiber“

2007: Fuchs in „Pettersson und Findus“, Münchner Bürger und Hexe in „Die Bernauerin“

2008: Petrosilius Zwackelmann in „Der Räuber Hotzenplotz“, Facundo in „Zwölfeläuten“, Pater und Pastor Moser in „Die Räuber“

2009: Erzengel Michael in „Der Brandner Kaspar und das ewig´ Leben“, Schreiber in „Mutter Courage und Ihre Kinder“

2010: Rocky in "The Rocky Horror Show", Erzengel Michael in „Der Brandner Kaspar“

2011: Matt "Guitar" Murphy in „Blues Brothers“, Amtsrichter in „Der Holledauer Schimmel“

2012: Gendarm in „Wast – Wohin“, Matt "Guitar" Murphy in „Blues Brothers“

2013: Herr Oberstein in „Eine Woche voller Samstage“, Pfarrer Schaitzach in „Die Fahnenweihe“

2014: Amtsschreiber in „Glaube und Heimat“

2015 Gunnar/Slime in „Der kleine Wikinger“, Egeus in „Ein Sommernachtstraum“, Erzengel Michael in „Der Brandner Kaspar“.

 

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Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
15:41 Uhr

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