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Wunsiedel

Kinderzentrum braucht Sanierung

Umzugskisten stapeln sich im Jugendhilfezentrum Sankt Josef in Wunsiedel. Im März beginnt die Renovierung des rund 1500 Quadratmeter großen Haupthauses.



Vor dem Umbau kommt der Umzug: Joachim Lehmann, Leiter des Wunsiedler Jugendhilfezentrums, und seine Mitarbeiter müssen das Zentralgebäude im Pfälzer Gäßchen für die umfassende Renovierung räumen. Foto: Florian Miedl
Vor dem Umbau kommt der Umzug: Joachim Lehmann, Leiter des Wunsiedler Jugendhilfezentrums, und seine Mitarbeiter müssen das Zentralgebäude im Pfälzer Gäßchen für die umfassende Renovierung räumen. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Durchgangszimmer, undichte Fenster, Bäder und Stromleitungen aus den 1970er-Jahren: Das Kinder- und Jugendhilfezentrum Sankt Josef in Wunsiedel braucht dringend ein Sanierung, um aktuellen Anforderungen an räumliche und pädagogische Bedürfnisse gerecht zu werden. Derzeit bereiten sich Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter auf den Umzug aus dem großen Hauptgebäude vor - Tische werden gestapelt, Spielzeugkisten gepackt und die Küche leergeräumt. Bis zum Abschluss der Renovierung in zwei Bauabschnitten weichen die Betroffenen in Ersatzquartiere in Wunsiedel und Marktredwitz aus.

Bei dem Umbau soll Einrichtungsleiter Joachim Lehmann zufolge auch das Raumkonzept verändert werden. Statt großer Räume werden künftig mehr kleinere Zimmer Platz für Beratungsgespräche bieten. "Im Moment haben wir zu viele Durchgangszimmer. Da können die Kinder und Jugendlichen ihre Hausaufgaben nicht in Ruhe machen", sagt der Leiter des Sankt-Josef-Zentrums.

93 Mitarbeiter kümmern sich heute in der Wunsiedler Einrichtung um Kinder und Jugendliche zwischen dreieinhalb und zwanzig Jahren. Insgesamt gibt es 89 Plätze, davon 45 in Wohngruppen. Die Mädchen und Jungen, die hier leben, kommen aus Nordbayern sowie der Oberpfalz, informiert Lehmann.

Außerdem betreuen Pädagogen und Psychologen weitere 27 Kinder tagsüber, hinzu kommen vier Plätze für eine Notversorgung nach gerichtlich verfügter Inobhutnahme sowie fünf Plätze für junge Erwachsene, die selbstständig werden sollen. Auch ambulante Dienste wie die sozialpädagogische Familienhilfe bietet das Jugendhilfezentrum an.

Viele Kinder hätten in ihren Familien psychische oder physische Gewalt und Mangelversorgung erlebt, berichtet Lehmann. Seelische oder wirtschaftliche Krisen, Trennungen, Tod des Partners oder Arbeitslosigkeit - die Gründe, warum Kinder nicht bei ihren Eltern leben könnten, seien vielfältig. "Das heile Bild von der Familie stimmt oft nicht: Hier gibt es viel Unrecht und Gewalt." In der Wunsiedler Einrichtung stehe die Hilfe für Kinder im Vordergrund: "Sie sollen sich von ihrer schwierigen Familiensituation erholen." Die Wohngruppen würden zum neuen Lebensmittelpunkt; sie böten Wurzeln für eine altersgerechte, gute Entwicklung.

Joachim Lehmann lehnt daher den negativ behafteten Begriff "Kinderheim" ab und bittet um die korrekte Bezeichnung "Kinder- und Jugendhilfezentrum". In Sankt Josef lebten keine Waisen, sondern Kinder aus problematischen Familienverhältnissen - Hilfe für die Eltern samt der Möglichkeit zur Kontaktpflege mit ihren Kindern gehöre zu den Standards.

Eigentlich wollten die Verantwortlichen das über 100 Jahre alte Haupthaus durch einen Neubau ersetzen. Doch dieser hätte rund 4,7 Millionen Euro gekostet und sei nicht zu finanzieren gewesen. Für die geplante Generalsanierung sind nun 3,8 Millionen Euro veranschlagt. Daher ist Joachim Lehmann dankbar dafür, dass der Bayerische Rundfunk das Kinder- und Jugendhilfezentrum mit einer halbe Million Euro unterstützt. Das Geld stammt aus einer BR-Spendensammlung im Advent. Die Wunsiedler bekamen für ihren Umbau das meiste Geld aus der "Sternstunden"-Aktion des Jahres 2018.

Leider strich das Kabinett nach Edmunds Stoibers Abschied Investitionskostenzuschüsse für die bayerischen Jugendhilfe, bedauert Wolfgang Berg von der katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. Der Träger des Kinderzentrums Sankt Josef hatte für die Generalsanierung des Hauptgebäudes in Wunsiedel zwar 50 Prozent Förderung beantragt, doch München habe dies abgelehnt. Ungewiss sei außerdem, ob die veranschlagten Baukosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro ausreichten, sagt Berg. Denn der Boom im Handwerk treibe die Preise stark in die Höhe.

"Über zwei Drittel der Kosten für die Generalsanierung müssen wir aus Eigenmitteln bezahlen", sagt Berg. Neben der halben Million Euro "Sternstunden"-Spenden stünden dem Träger lediglich rund 300 000 Euro von der Oberfranken-Stiftung sowie 180 000 Euro von der bayerischen Landesstiftung zur Verfügung. Die Jugendämter der Landkreise, aus denen die betreuten Kinder kämen, bezahlten zwar einen Pflegesatz samt einer Pauschale für Instandsetzungen, beteiligten sich jedoch nicht an Generalsanierungen. "Das wird eine harte Nummer", prophezeiht der Fachmann. Seit der Freistaat den Zuschuss für Investitionen strich, stünden alle bayerischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen vor großen Problemen: "Der Investitionsstau wird immer größer." Berg und seine Kollegen wandten sich nun mit einem Bittbrief an die Staatsregierung: "Wir hoffen sehr, dass Markus Söder die Förderung wieder auflegt."

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Ein Kommentar dazu findet sich

auf der nächsten Seite.

Das heile Bild von der

Familie stimmt oft nicht:

Hier gibt es viel

Unrecht und Gewalt.


zitat

 

Joachim Lehmann, Leiter des Kinder-

 

und Jugendhilfezentrums Wunsiedel

 

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Brigitte Gschwendtner
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Veröffentlicht am:
04. 01. 2019
18:34 Uhr

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Brigitte Gschwendtner

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Veröffentlicht am:
04. 01. 2019
18:34 Uhr



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