Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

Wunsiedel

Kleinwendern auf dem Weg zum Archedorf

Mehrere Bürger halten in dem Ort seltene Haustier-Rassen. Im Garten des ehemaligen Museums grasen zum Beispiel Coburger Fuschsschafe. Fast alle Einwohner nehmen sich der Tiere an.



Die Coburger Fuchsschafe sind immer neugierig, wenn Besucher kommen. 	Fotos: Bäumler
Die Coburger Fuchsschafe sind immer neugierig, wenn Besucher kommen. Fotos: Bäumler   » zu den Bildern

Kleinwendern - Zugegeben, noch ist es eine Vision. Aber viele Menschen arbeiten daran, dass diese real und Kleinwendern ein Archedorf wird. "Damit wäre es das erste in Bayern und eine echte Attraktion für die Region", sagt der Naturpark-Gebietsbetreuer und Bad Alexandersbader Ronald Ledermüller.

In Archedörfern werden verschiedene vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen gehalten und gezüchtet. Außerdem informieren und zeigen die Besitzer die Tiere interessierten Besuchern. All das wäre auch in Kleinwendern möglich, glaubt Ledermüller. "Immerhin gibt es in dem Dorf bereits einen soliden Grundstock an seltenen Rassen." Dieser besteht derzeit aus fünf Coburger Fuchsschafen, die auf der Wiese am ehemaligen Dorfmuseum grasen, aus Sundheimer Hühnern, die Jörg Bertholdt hält, und aus vier Sechsämter-Rotvieh-Rindern, die die Familie Küspert besitzt (wir berichteten).

Derzeit stehen mehr als 100 Nutztierrassen in Deutschland auf der "Roten Liste". Um diese Rote-Liste-Rassen geht es in dem 1995 ins Leben gerufenen Arche-Projekt der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GDH. Ziel ist es, diese Rassen in der landwirtschaftlichen Produktion zu halten, ihre besonderen Eigenschaften gezielt zu nutzen und so deren langfristige Erhaltung zu gewährleisten.

Damit Kleinwendern als Archedorf anerkannt wird, müssten insgesamt sechs bedrohte Rassen von vier Höfen im Dorf gehalten und gezüchtet werden. "Wenn das Dorf es will und zusammenhält, dann könnte es mit dem Archedorf klappen", sagt Ledermüller. Als Gemeinderat sieht er auch den touristischen Reiz einer derartigen Attraktion. Auch für die Gastronomie würden sich neue Perspektiven bieten, wenn die Betriebe Fleisch von seltenen Nutztierrassen verarbeiten könnten.

Das bisher einzige Archedorf Deutschlands, Steinlah, liegt zwischen Göttingen und Hannover. In dem 1100-Einwohner-Ort gibt es auf vier Höfen 14 verschiedene seltene Nutztierarten, vom Rotbunten Husumer Hausschwein über das Deutsche Reichshuhn bis hin zu Altseirer Hennen und einem Harzer Fuchs. Bei letzterem handelt es sich um eine alte Hunderasse. Im Gespräch mit der Frankenpost sagt der Steinlaher Bauer Joachim Tiefnig, dass die Tiere vor allem aus reiner Liebhaberei gehalten würden. "Man darf das nicht wirtschaftlich betrachten."

Der große touristische Boom ist in Steinlah zwar bisher ausgeblieben. "Aber das liegt auch an der Werbung", sagt Tiefnig. Bisher habe die Dorfgemeinschaft nicht groß auf sich aufmerksam gemacht. Dennoch merke er, dass sich Gäste für die Tiere begeistern können, sagt Tiefnig.

In Kleinwendern ist Jörg Bertholdt einer der Initiatoren des Projektes Archedorf. Er besitzt 15 Sundheimer Hühner. Dies ist eine aus dem Badischen stammende Fleischhuhnrasse. Der heutige Bestand in Deutschland wird laut Wikipedia auf rund 800 geschätzt. "Meine Frau und ich tragen uns schon länger mit dem Gedanken, Hühner anzuschaffen. Und da wir uns für das Projekt Archedorf begeistern, haben wir uns für eine seltene Rasse entschieden", sagt Bertholdt, der seine Tiere von Züchtern aus Sonneberg und Bad Salzuflen gekauft hat. Seit dieser Woche gackern die Hühner in einem Gehege samt knallgelben Bauwagen. Bertholdt hofft, dass er kommendes Jahr mit der Zucht beginnen kann. "Und wenn es für das Archedorf sein muss, kann ich mir vorstellen, noch eine weitere bedrohte Tierart zu halten."

Zu den seltenen Rassen gehören auch die Coburger Fuchsschafe, die auf dem Gelände des ehemaligen Dorfmuseums grasen. Ronald Ledermüller, Jörg Bertholdt und Mike Franzke haben die Schafe von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth geliehen. Hier arbeitet der Sichersreuther Martin Höpfel als Gutsverwalter, der das "Leihgeschäft" vermittelt hat. In zwei Wochen bringen die Kleinwendener die Tiere wieder zurück nach Bayreuth. "Wir überlegen gerade, ob wir uns kommendes Jahr Schafe kaufen", sagt Ledermüller.

Zusammen mit Gudrun Frohmader-Heubeck vom Naturpark hatte der Gebietsbetreuer im März den Kleinwendernern das Konzept des Archedorfes vorgestellt. "Damals reagierten die Menschen verhalten, aber seit die Schafe im Dorf sind, entwickelt sich eine tolle Gemeinschaft." So hätten mehrere Männer beim Zaunbau für das Gehege geholfen. Ein Dorfbewohner habe einen Stall gebaut, und die Kinder hätten jeden Tag ihre Freude an den Tieren. "Niemand erwartet einen wirtschaftlichen Nutzen von der Auszeichnung Archedorf. Aber für unseren Kurort Bad Alexandersbad wäre ein Archedorf eine tolle Werbung", sagt Ledermüller.

Im Dorf gibt es einen soliden Grundstock an alten Haustierrassen.

Ronald Ledermüller


Im Dorf leben Kampfhühner, Fleischhennen, Alpakas

Auch wenn Kleinwendern noch nicht den Titel Archedorf trägt, gibt es bereits jede Menge interessanter Tiere zu sehen. So hält ein Liebhaber Japanische Ko-ShamoKampfhühner und die Familie Brodmerkel besitzt Alpakas. Im Herbst soll bei einer Dorfversammlung besprochen werden, wie das Projekt Archedorf umgesetzt werden kann. "Im Grunde geht es dabei weniger um einen wirtschaftlichen Vorteil für unser Dorf, sondern um den Erhalt der Biodiversität. Wenn das Dorf dazu beitragen kann, umso besser", sagt Ronald Ledermüller. Außerdem seien die alten Haustierrassen einfach schön anzusehen. Vor allem Kinder hätten ihre Freude daran. Dass Tiere nicht nur Arbeit bereiten, sondern auch viel zurückgeben, erlebt auch Jörg Bertholdt jeden Tag. Er hält seit einigen Monaten die seltenen Sundheimer Hühner. Außerdem züchtet er Meerschweinchen.


Autor

Von Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 08. 2013
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürger Garten Hausschwein Hunderassen Landwirtschaftliche Produktion Museen und Galerien Rassen Schafe Werbung Wikipedia
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nach dem Antrittsbesuch des Bürgermeisters dürfen die böhmischen Waldschafe das Areal erkunden und sich das saftige Grün schmecken lassen.

09.07.2020

In Wunsiedel "mähen" Schafe

Am Ortsrand der Kreisstadt sind ganz besondere ökologische Rasenmäher am Werk. 15 böhmische Waldschafe halten die Grünfläche kurz und lassen es sich schmecken. » mehr

Am liebsten schmusen die Lockenköpfchen mit Frauchen Birgit Reisser.

31.07.2020

Das ist also des Pudels Kern

Birgit Reisser züchtet in Vordorf die quirligen Lockenköpfchen. Nachts liegt sie mit 26 ihrer Lieblinge im Bett. » mehr

Wild wuchert das distelartige Gras neben der Unterführung.

31.07.2020

Bahnhof als etwas anderer Genussort

Die Image-Kampagne der Deutschen Bahn für Oberfranken ist nett gemeint. Allerdings wirkt sie mancherorts absurd - so zum Beispiel in Holenbrunn. » mehr

Teddydoktor Lutz Reike "behandelt" am Sonntag im Fichtelgebirgsmuseum wieder plüschige "Patienten". Foto: Fichtelgebirgsmuseum

04.09.2020

Museumsfest mit Teddys und Rallye

Das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel bietet am Sonntag ein Programm für die ganze Familie. Allerdings ist es etwas geändert. » mehr

Das Falkenweibchen (rechts) kümmert sich rührend um die fünf Jungen. Foto: Schi. .

03.07.2020

Greife gedeihen im Blumenkasten

In Wunsiedel nisten Turmfalken vor dem Fenster eines Wohnhauses. Fünf Junge zieht das Pärchen derzeit auf. » mehr

Die Stadtgärtner Alexander Brodmerkel, Stefan Grohmann und Karlheinz Schieweck (von links) sowie Stadtrat German Schlaug (rechts) beobachteten das Einpflanzen des Apfelbaums der Sorte "Der Schöne aus dem Oberland" durch (ab Vierter von links) Stadtförster Hubert Steinberger, Bürgermeister Nicolas Lahovnik, Martina Kerschbaum und Stadtrat Wilfried Kukla. Foto: Schi.

22.05.2020

Baum der Versuchung für Katharinenberg

Auf dem Wunsiedler Hausberg wurzelt nun ein Apfelbäumchen. Es ist ein Geschenk der Grün-Bunten-Stadträte an den neuen Bürgermeister. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Abfischen am Frankenwaldsee in Lichtenberg

Abfischen am Frankenwaldsee in Lichtenberg | 27.09.2020 Lichtenberg
» 38 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft | 24.09.2020
» 19 Bilder ansehen

Autor

Von Matthias Bäumler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 08. 2013
00:00 Uhr



^