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Wunsiedel

Papierfabrik ist endgültig vom Tisch

Das Unternehmen Progoup investiert nicht im möglichen Industriegebiet am Plärrer. Dennoch soll die Fläche weiterentwickelt werden.



Riesige Mengen Papier werden nun in Bitterfeld und nicht im Fichtelgebirge produziert. Foto: Patrick Pleul/dpa
Riesige Mengen Papier werden nun in Bitterfeld und nicht im Fichtelgebirge produziert. Foto: Patrick Pleul/dpa  

Wunsiedel - Der Leiter der Entwicklungsagentur Fichtelgebirge, Thomas Edelmann, ist enttäuscht. Als ihn am Mittwochvormittag die Absage des Papierunternehmens Progroup erreichte, ist eines der größten Ansiedlungsprojekte seit der Standortsuche von BMW Anfang des Jahrhunderts geplatzt. "Es gibt schönere Nachrichten", sagt Edelmann im Gespräch mit der Frankenpost. "Immerhin ist es hier um 140 direkte und etwa 350 indirekte Arbeitsplätze in der Region gegangen." Die Entwicklungsagentur begleitet und unterstützt Wunsiedel und Thiersheim bei der Realisierung des Gewerbegebietes von Anfang an.

Wie es in einer Mitteilung der Progroup heißt, ist der geplante interkommunale Gewerbepark der Stadt Wunsiedel und des Marktes Thiersheim buchstäblich erst im Finale eines europaweiten Wettbewerbs ausgeschieden. Zuletzt waren nur noch das Fichtelgebirge und Brehna bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt im Rennen. "Aufgrund der infrastrukturellen und planerischen Rahmenbedingungen, die für ein derartiges Investitionsvorhaben am Standort vorhanden sein müssen, konnten wir uns leider nicht für Wunsiedel entscheiden. Da wir 2020 bereits produzieren müssen, kam nur ein Standort in Betracht, der planerisch, infrastrukturell und eigentumsrechtlich verfügbar ist", heißt es in dem Schreiben, das am Mittwoch bei den Kommunen Thiersheim und Wunsiedel eingegangen ist.

Dass es schwer werden würde, war eigentlich schon mit der Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie zum Gewerbegebiet Ende März klar. Knackpunkte sind die immensen Anforderungen des Unternehmens an die Infrastruktur. So bezifferte Progroup den Wasserbedarf auf 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Zum Vergleich: Die Stadt Wunsiedel mit ihren 9300 Einwohnern verbraucht pro Jahr samt aller ihrer Betriebe gerade mal knapp 500 000 Kubikmeter. Selbst wenn alle erdenkbaren, auch derzeit stillgelegten Quellen angezapft worden wären, hätten die Kommunen dem Unternehmen maximal 1,1 Kubikmeter Wasser zur Verfügung stellen können. Nicht zu befriedigen wäre auch der Strom- und Gasbedarf gewesen. Insgesamt hätte alleine die Progroup um die 30 Hektar Fläche belegt. In der Mitteilung des Unternehmens zur Entscheidung für Bitterfeld ist sogar von 450 000 Quadratmetern, also 45 Hektar die Rede. Dies entspricht 63 Fußballfeldern, auf denen die Produktion und ein Ersatzbrennstoff-Kraftwerk entstehen sollen.

Eine Absage habe er zumindest in Erwägung gezogen, sagt Thomas Edelmann. "Das Unternehmen hat kurz vor Abgabeschluss der Bewerbungsunterlagen die Anforderungen noch einmal erhöht." Trotz seiner Enttäuschung hält er die bisherigen Anstrengungen für nicht umsonst. "Mit der Machbarkeitsstudie ist eine wichtige Vorarbeit für die weitere Bauleitplanung der Kommunen geleistet worden."

Der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck und sein Thiersheimer Amtskollege Bernd Hofmann waren am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Öffentlichkeitsbeauftragte der Stadt Wunsiedel, Inge Schuster, sagte auf Nachfrage, dass auch nach der Absage der Progroup die weitere Entwicklung des Gewerbegebiets vorangetrieben werde. "Das Interesse der Progroup an dem Gebiet war lediglich eine Art Startschuss."

Dass dies notwendig ist, sagt auch Thomas Edelmann. "Es gab auch in den vergangenen Monaten immer wieder Anfragen von Unternehmen. Da wir ein seriöser Partner sind, haben wir allerdings zunächst die Entscheidung der Progroup abgewartet. Daher werden wir nun eruieren, ob die Unternehmen weiterhin Interesse an einer Ansiedlung haben." Inge Schuster von der Wunsiedler Stadtverwaltung bestätigt, dass es immer wieder Standortanfragen potenzieller Investoren gebe.

Hoch erfreut auf die Nachricht des Unternehmens reagiert Heike Bock, Sprecherin der Bürgerinitiative "Bernstein bewahren". "Da sind wir begeistert." Die BI sprach sich nicht nur gegen die Ansiedlung der Papierfabrik aus, sondern auch gegen ein Gewerbegebiet in der Nähe des Ortes. "Ich befürchte, der Wunsiedler Stadtrat wird am Gewerbegebiet festhalten. Wir bleiben auf jeden Fall wachsam." Heike Bock sagt, dass sie den Sinn des Gewerbegebietes in seiner nun angedachten Form nicht verstehen könne. "Da gibt es einen Streifen Natur, dann Gewerbeflächen, dann wieder Natur und noch einmal Gewerbeflächen. Im Grunde sind das jetzt alles Teilflächen in der Art, wie sie es im Landkreis in vielen Orten gibt." Den Gewerbegebiet-Planern müsse klar sein: "Die Bernsteiner Grundbesitzer verkaufen nicht."

Auch der Bund Naturschutz hat die Nachricht vom Aus für die Papierfabrik "mit großer Erleichterung aufgenommen", sagt BN-Kreisvorsitzender Fred Terporten-Löhner. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft Bernstein, den Grundbesitzern und dem Bauernverband. BN-Geschäftsführer Karl Paulus merkt an, "dass dieses Projekt mehrere Nummern zu groß für unseren Naturraum gewesen wäre". "Wir hätten unsere Landschaft und Heimat nicht wiedererkannt."

Terporten-Löhner sagt, dass nun der Weg frei sein sollte, für die Entwicklung eines Gewerbegebietes mit Maß und Ziel und ökologischen Leitplanken. "Die Studie liefert auf der Ostseite des Areals beim Plärrer durchaus brauchbare Ergebnisse."

 

Lesen Sie dazu auch: "Hätten uns über dieses Werk gefreut"

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
16. 05. 2018
19:44 Uhr

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Matthias Bäumler

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16. 05. 2018
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