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Wunsiedel

Stein bringt Kulturen zusammen

Eine Gruppe junger Steinmetz-Schüler aus Torbali ist erstmals zu Gast in Wunsiedel. Damit wird das Austauschprogramm auch auf die Berufsschule ausgeweitet.



Mithilfe der neuen Landkreis-Bücher, die Landrat Karl Döhler (rechts) den türkischen Berufsschülern zum Abschied überreicht hat, sollen sie auch ein wenig Deutsch lernen. Die Betreuer Reinhard Pößnecker und Tamer Ersoy (Dritter und Vierter von links) kümmern sich ebenso um die Schützlinge wie stellvertretender Schulleiter Erwin Hornauer (Vierter von rechts). 	Foto: zys
Mithilfe der neuen Landkreis-Bücher, die Landrat Karl Döhler (rechts) den türkischen Berufsschülern zum Abschied überreicht hat, sollen sie auch ein wenig Deutsch lernen. Die Betreuer Reinhard Pößnecker und Tamer Ersoy (Dritter und Vierter von links) kümmern sich ebenso um die Schützlinge wie stellvertretender Schulleiter Erwin Hornauer (Vierter von rechts). Foto: zys  

Wunsiedel - Ein Kauderwelsch von Deutsch, Türkisch und Englisch hallt durch den Raum. Sevim Dursun hämmert akribisch und vorsichtig das A in den feinen Sandstein. Weitere Buchstaben des deutschen Alphabets folgen. Was die junge Türkin im Europäischen Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauer-Handwerk in Wunsiedel lernt, hat sie in Torbali noch nicht als Rüstzeug mitbekommen. In der türkischen Partnerstadt des Landkreises Wunsiedel macht sie gerade eine Ausbildung zur Steintechnikerin. Doch dass es hier weitreichende Unterschiede zur Ausbildung in Deutschland gibt, zeigt der erste Austausch von Berufsschülern.

Stolz präsentieren die fünf Schüler um Betreuer Tamer Ersoy von der Außenstelle der Universität Izmir, was sie in der ersten Woche im Stein-Zentrum gelernt haben. Es sind nicht nur die einfachen Umgangsfloskeln an den beiden Tafeln, die einander besser verstehen helfen sollen. Reinhard Pößnecker von der Kommunalen Jugendarbeit am Landratsamt hat das Austausch-Programm, das er seit Jahrzehnten betreut, auch für die Berufsschüler eingefädelt. Dass sich Schulleiter Heinrich Rhein und sein Stellvertreter Erwin Hornauer so experimentierfreudig gezeigt haben, die jungen Steinmetz-Schüler von der Dokuz Eylül Üni - Torbali Meslek Yüksekokulu - im Fichtelgebirge zu unterrichten, stimmt Pößnecker hoffnungsfroh. "Die kleinen Dinge an der Basis machen die EU aus", betont er, als er sich zusammen mit Landrat Dr. Karl Döhler ein Bild vom Unterricht im Stein-Zentrum macht.

"Gerade im Berufsschulbereich, der immer ein wenig vernachlässigt worden ist, ist es wichtig, internationale Kontakte herzustellen." Pößnecker sieht den Austausch ein wenig wie das weltbekannte "Work and Travel", das viele junge Menschen praktizieren, um Erfahrungen zu sammeln, ehe sie sich ins Arbeitsleben stürzen. Der Jugend-Beauftragte blickt auf die Füße der jungen Türken: "Bei uns lernen sie, dass sie beim Arbeiten mit dem Stein Sicherheitsschuhe tragen müssen. Und sie lernen Pünktlichkeit", schmunzelt er.

Ganz wichtig ist Landrat Döhler der Umgang mit fremden Kulturen. "Das ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung und fördert den gegenseitigen Respekt." Um auch auf dem Weltmarkt gegenüber China oder den USA bestehen zu können, müssten sich die Europäer zusammentun, Vertrauen aufbauen, einander verstehen und zusammen arbeiten.

Dass zwischen der Ausbildung in der Türkei und in Deutschland in Sachen Steinhandwerk noch ordentliche Lücken klaffen, zeigt sich schon in der Dauer der Lehrzeit. Laut Erwin Hornauer sind die Türken in zwei Jahren fertige Steintechniker. "Bei uns dauert die Ausbildung zum Steinmetz drei Jahre, dann kommen noch zwei weitere Jahre hinzu für den Meister und die Techniker-Ausbildung." Demzufolge werde die Ausbildung der Türken in Deutschland auch nicht anerkannt. Tamer Ersoy pflichtet ihm bei und erklärt, dass seine Schüler lediglich zwei Stunden praktisches Arbeiten pro Woche hätten.

Dass die jungen Frauen und Männer zwölf Tage lang mit Knüpfel, Spreng- und Spitzeisen zu Werke gehen können, stößt auf große Begeisterung. Auch Betreuer Ersoy findet, "dass es eine gute Sache ist, dass wir hier mehr praktisches Arbeiten lernen". Doch nicht nur das. Bei einem Ausflug nach Regensburg blicken die Besucher aus Torbali sogar den großen Meistern ihres Handwerks in der Regensburger Dombauhütte über die Schulter.

Der Umgang mit fremden Kulturen ist wichtig für den gegenseitigen Respekt.

Landrat Karl Döhler


Gegenbesuch im November

Vom 17. bis 23. November ist ein Austausch in die Gegenrichtung geplant. Einige Steinmetz-Schüler aus Wunsiedel reisen in die Türkei, um dort unter anderem Steinbrüche und -betriebe zu besuchen. "Hier bieten sich den Teilnehmern einmalige Gelegenheiten, berufliche und kulturelle Erfahrungen in einem anderen Land zu sammeln", betont Erwin Hornauer, der mit von der Partie ist. Etwas ganz Besonderes sei der Besuch des Theaters von Ephesos, "wo wir eine fachliche Erläuterung der Restaurierungsarbeiten bekommen werden."


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Von Peggy Biczysko
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Veröffentlicht am:
25. 07. 2013
00:00 Uhr

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Von Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2013
00:00 Uhr



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