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Wunsiedel

Baugenossenschaft Kirchenlamitz

Wohnungsbauunternehmen wird 100 Jahre alt

Die Baugenossenschaft betreibt in Kirchenlamitz vier Mehrfamilienhäuser. Das Engagement hat hier eine lange Tradition.



Der Vorstand der Baugenossenschaft Kirchenlamitz vor dem 1963 errichteten Sechs-Familien-Haus Eichendorffstraße 2 (von links): Stadtarchivar Werner Bergmann, der wertvolle Geschichtsdaten dazu lieferte, Alfred Hallmeyer, Inge Zacherl, Friederike Kränzle, Aufsichtsratsvorsitzender Jens Büttner, geschäftsleitender Vorstand Claus Steger, Karin Strobel, Werner Bauriedel und Walter Geyer. Foto: Willi Fischer
Der Vorstand der Baugenossenschaft Kirchenlamitz vor dem 1963 errichteten Sechs-Familien-Haus Eichendorffstraße 2 (von links): Stadtarchivar Werner Bergmann, der wertvolle Geschichtsdaten dazu lieferte, Alfred Hallmeyer, Inge Zacherl, Friederike Kränzle, Aufsichtsratsvorsitzender Jens Büttner, geschäftsleitender Vorstand Claus Steger, Karin Strobel, Werner Bauriedel und Walter Geyer. Foto: Willi Fischer  

Kirchenlamitz - Vor 100 Jahren war in Kirchenlamitz die Wohnungssituation sehr angespannt. Doch hier hatte man frühzeitig erkannt, wie die Wohnungsnot gelindert werden konnte und Wohnungen zu erschwinglichen Preisen angeboten werden konnten. Nun feierte die Baugenossenschaft Kirchenlamitz ihr 100-jähriges Bestehen.

Der Vorstand

Dem aktuellen Vorstand der Baugenossenschaft gehören an: Claus Steger (geschäftsleitend seit 1995), zweite Bürgermeisterin Friederike Kränzle (seit 2007) und Walter Geyer (seit 2010). Den Vorsitz des Aufsichtsrats hat 2017 Jens Büttner vom langjährigen Vorsitzenden Werner Bauriedel übernommen. Weitere langjährige Aufsichtsratsmitglieder sind: Karin Strobel, Inge Zacherl und Alfred Hallmeyer.


Die Baugenossenschaft Kirchenlamitz bewirtschaftet heute vier Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohnungen und 2099 Quadratmetern Wohnfläche. Zwölf Wohnungen unterliegen der Preisbindung für sozialen Wohnraum. Bei einer seit Jahren anhaltenden rückläufigen Mitgliederentwicklung haben aktuell 80 Mitglieder Geschäftsanteile an der Genossenschaft.

Wie der geschäftsleitende Vorstand Claus Steger sagte, ist es Ziel der Baugenossenschaft, in Kirchenlamitz attraktiven Wohnraum zu moderaten Mietpreisen anzubieten. Dabei stellten insbesondere die seit dem Arbeitsplatzverlust in der Porzellanindustrie in Kirchenlamitz vorherrschende geringe Nachfrage nach Wohnraum und das zunehmend nachlassende Interesse am Genossenschaftsgedanken die vornehmlichen Herausforderungen dar. Der Vorstand verwies darauf, dass das aktuelle Wohnungsangebot im Internet abrufbar sei. Schon jetzt laden Vorstand und Aufsichtsrat alle Mitglieder zur Jahresversammlung im November 2019 in das VFC-Clubheim ein.

Zum 100-jährigen Bestehen wurde die Baugenossenschaft Kirchenlamitz mit einer besonderen Jubiläumsurkunde der Wohnungswirtschaft ausgezeichnet. Diese wird mit den besten Wünschen für die weitere erfolgreiche Tätigkeit vom GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen verliehen.

Bereits vor 100 Jahren kam in Kirchenlamitz die Idee auf, der herrschenden Wohnungsnot durch die Gründung einer Genossenschaft wirksam zu begegnen. Das Genossenschaftsgesetz von 1889 ermöglichte die Gründung von Genossenschaften mit beschränkter Haftungspflicht. Zugleich schuf die Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzgebung von 1889 weitere Voraussetzungen, weil damit die Vergabe von langfristigen und zinsgünstigen Krediten der Versicherungsanstalten an die gemeinnützige Wohnungswirtschaft einherging.

Stadtarchivar Werner Bergmann hat recherchiert, dass am 18. Dezember 1918 im "Kirchenlamitzer Anzeiger" eine Anzeige erschienen war, in der zur Information über eine Baugenossenschaft eingeladen wurde. Die Einladung lautete: "Am Donnerstag, dem 19. Dezember, abends 7 ½ Uhr, findet im Rathaussaal eine allgemeine Aussprache über die Gründung einer Baugenossenschaft statt."

In seinem Geschichtsband "Strömungen und Gegenströmungen" über die politische Geschichte von Kirchenlamitz von 1848 bis 1948 berichtet Bergmann dazu: "Bereits vor 1914 bestand in Kirchenlamitz eine große Wohnungsnot, die durch 15 Kriegstrauungen eine weitere Verschlimmerung erfuhr. Außerdem hatten für den 1. Mai 1919 acht weitere Familien um Vermittlung von Wohnungen nachgesucht. Wirksame Abhilfe konnte nur durch den Bau zweckentsprechender Häuser geschaffen werden. Dazu fand am Donnerstag, dem 19. Dezember 1918, im Rathaussaal eine Sitzung des Bürger-, Bauern- und Arbeiterrats statt, deren einziger Tagesordnungspunkt die Gründung einer Baugenossenschaft war. Der Vorsitzende des Bürgerrats, Fabrikbesitzer Rudolf Wächter, erläuterte die Ziele der neuen Vereinigung, bei deren Verwirklichung nicht nur der soziale Aspekt eine Rolle spiele, sondern auch für die Gewerbetreibenden und die Arbeiter neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen würden und dadurch den Industriebetrieben Arbeiter am Ort erhalten blieben, was wiederum zur Stärkung des Steueraufkommens der Stadt beitragen müsse. Die Schlussabstimmung ergab die Gründung einer Baugenossenschaft in Kirchenlamitz."

Am 2. Januar 1919 kam es zur Annahme der Statuten und der Wahl der sechs Aufsichtsratsmitglieder Karl Frank, Georg Pfeifer, Georg Rupprecht, Andreas Schricker, Wilhelm Seyß und Johann Spitzl. Vorsitzender wurde Karl Frank, sein Stellvertreter Johann Spitzl und Schriftführer Andreas Schricker. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 28 Mitglieder der neuen Vereinigung beigetreten. Anfang Februar stieg die Zahl der Mitglieder auf 70. Ein Geschäftsanteil betrug 200 Mark und konnte in Raten zu fünf Mark eingezahlt werden.

Die Planungen für vier Doppel- und zwei Vierfamilien-Wohnhäuser nahmen bald konkrete Formen an. Bereits im Februar 1920 wurde das Richtfest für das erste Haus der Baugenossenschaft Kirchenlamitz gefeiert. Im November 1920 konnten die drei Baugenossenschafts-Häuser mit neun Wohnungen bezogen werden.

Ein größeres Wohnungsbauvorhaben entstand 1950 mit Bauträgerschaft der Baugenossenschaft. Hier wird auch das Andenken an Franz Schaller, den letzten Inhaber der Porzellanmanufaktur Rudolf Wächter, durch die nach ihm benannte Franz-Schaller-Siedlung wachgehalten. Schaller, der auch Ehrenbürger der Stadt Kirchenlamitz war, förderte 1950 durch ein Arbeitgeber-Darlehen den Bau von 18 Eigenheimen mit 37 Wohnungen für Firmenangehörige am westlichen Ortsrand. Dieses Sozialwerk stellte im gesamten Landkreis Wunsiedel ein Novum dar.

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Willi Fischer

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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
17:06 Uhr

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27. 08. 2019
17:06 Uhr



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