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Bayern Hof

Der Nationalspieler aus Hof

Max Voigt, der Junge aus Hof, ist Kapitän der U 15-Junioren des RB Leipzig. An diesem Donnerstag streift er sich das deutsche Nationaltrikot über - und kommt vielleicht auch gleich zu seinem ersten Einsatz.



Max Voigt, der Junge aus Hof, ist Kapitän der U 15-Junioren des RB Leipzig. An diesem Donnerstag streift er sich das deutsche Nationaltrikot über - und kommt vielleicht auch gleich zu seinem ersten Einsatz.	Foto: Archiv
Max Voigt, der Junge aus Hof, ist Kapitän der U 15-Junioren des RB Leipzig. An diesem Donnerstag streift er sich das deutsche Nationaltrikot über - und kommt vielleicht auch gleich zu seinem ersten Einsatz. Foto: Archiv  

Etwas traurig blickte Max Voigt drein, als er vor knapp einem Monat von seiner Premiere im Nationalteam zurückfuhr. Bei einem Sichtungslehrgang durfte er vorspielen. Der 14-Jährige musste Nationaltrainer Michael Prus von seinen Stärken überzeugen. Denn in dieser Woche stehen zwei Testspiele gegen die Niederlande an. Als Voigt damals von der Nominierung des Kaders für die beiden Länderspiele erfuhr, trübte sich sein Blick: Er stand nicht mit auf dem Zettel und musste daheim bleiben. Zunächst.

Weiter bei RB Leipzig

Nach einem Jahr beim Bundesligisten RB Leipzig hat sich der Oberkotzauer Max Voigt eingewöhnt - und spürt die Zufriedenheit seines Clubs. Seinen Vertrag verlängert der 14-Jährige nun um vier Jahre. Mittlerweile muss er sich bei solchen Fragen extern beraten lassen. "Wir kommen nicht mehr drumherum, einen Spielerberater zu haben", sagt Vater Michael Voigt, der sich selbst in solchen Fragen zurückhalten will - und auch muss. "Bei Vertragsfragen blicke selbst ich nicht mehr komplett durch." Dabei geht es um viel mehr als nur um Einsätze und Entschädigungen. Insgesamt fühle sich sein Sohn in Leipzig aber wohl, weshalb er auch bei RB bleibt. "Er lebt schon in einer Wohlfühloase, ihm wird alles abgenommen, sodass er sich auf den Fußball konzentrieren kann." Allerdings heißt Wohlfühlen nicht gleich Ausruhen. "Er muss sich durchsetzen und dafür quälen", sagt Michael Voigt. Und dazu gehört auch, dass sein Sohn auch seine schulische Laufbahn fortsetzt - und deshalb eine 60- bis 70-Stunden-Woche hat. "Aber das hat jeder Sportler", sagt Voigt. "Wenn du in die Spitze einer Sportart möchtest, dann ist es nicht mit viermal Training in der Woche getan."

Doch vor einer Woche ereilte ihn ein unerwarteter Anruf: Der Bundestrainer informierte ihn: "Max, du bist doch mit dabei." Und nun ist er seit Sonntag in Barsinghausen beim DFB-Team. Komplett: im Kader, mit Nationaltrikot. Max Voigt ist Nationalspieler - das steht nun fest. Und vielleicht feiert er an diesem Donnerstag oder im Rückspiel am Samstag sogar seine Premiere im Trikot. Er wäre damit der erste Nationalspieler der SpVgg Bayern Hof. Und sein Weg ist noch längst nicht beendet.

Doch ein Schritt zurück. Wie kommt ein Oberkotzauer, der nicht einmal ein Jahr bei RB Leipzig spielt, dazu, nun den großen Schritt zu machen? Liegt es am Talent? Oder liegt es in der Familie, weil auch Bruder Felix Voigt in der A-Junioren-Bundesliga für den 1. FC Nürnberg spielt. "Beide haben einen gewissen Schuss Talent, aber sind nicht mit Talent gesegnet", sagt Vater Michael Voigt, der bis zum Sommer noch sportlicher Leiter der SpVgg Bayern Hof ist. Der Vater - als lizenzierter Fußballtrainer - kennt die wahren Gründe für den Erfolg seiner Jungs: harte Arbeit und viel Fleiß. "Ich habe auch von höchster Ebene die Rückmeldung erhalten: Sie besitzen großen Willen und sind wissbegierig." Auch das zeichnet sie im Vergleich zu Konkurrenten aus.

Um es zu illustrieren, dient ein Beispiel aus Max Voigts’ noch junger Fußballer-Laufbahn: Als er noch bei der SpVgg Bayern Hof spielte, drohte seiner Karriere ein Knick. Er zog sich einen Meniskusriss zu und musste fünf Monate lang aussetzen. Als Jugendlicher ist das ein schwerer Rückschlag. So war es auch für Max Voigt. Doch statt sich ein halbes Jahr lang daheim fit zu machen und die Ergebnisse aus dem Netz abzurufen, wählte er einen anderen Weg: Max Voigt war immer mit dabei - bei jedem Spiel, aber auch bei jedem Training. Selbst bei Frost. "Er kam oft mit abgefrorenen Fingern nach Hause", erinnert sich sein Vater. Max wollte beim Team sein. Aber nicht, weil er die Kameradschaft vermisste, sondern weil er die Trainingseinheiten nicht verpassen wollte. Er hatte die Befürchtung, eine Wissenslücke zu haben, wenn sein damaliger Trainer Alexander Spindler den Spielern etwas zeigt, das Max verpassen würde.

Diese Motivation zahlt sich nun aus. "Das Talent war nicht entscheidend", betont Vater Michael Voigt nochmals. Und es wird nun, auf dem höchsten Fußball-Level auch keinen Ausschlag mehr darüber geben, ob ein Spieler den Sprung in die Bundesliga oder die Nationalelf schafft oder nicht. Voigt hatte sich vor einem Monat selbst das DFB-Camp angeschaut. Er wollte sehen, wo sein Sohn im Vergleich zu den anderen Spielern steht. Seine Erkenntnis: "Was die Jungs abrufen, instinktmäßig, aber auch körperlich, ist brutal."

Nun besteht allerdings in solchen Situation die Gefahr, dass gerade der Vater seinen Sohn besser sieht, als er eigentlich ist. Michael Voigt verfügt allerdings über einen Wissensvorsprung. Er kennt die Fallen der Eltern im Umgang mit Vereinen und Trainern gut aus eigener Erfahrung. Zudem hat er auch mit seinem älteren Sohn Felix Erfahrungen gesammelt. Felix, der mit 18 Jahren jetzt seine erste Saison in der Nürnberger U 19 spielt, hatte zu Saisonbeginn Probleme. "Er war es nicht gewohnt, einmal nicht von Anfang an zu spielen." Sein Coach setzte ihn auf die Bank - und Felix Voigt wusste nicht, woran es lag. "Ich habe ihm gesagt: Bewerte deine Trainingsleistungen auf einer Skala von eins bis zehn", erinnert sich Michael Voigt. Felix sah sich im Bereich einer Sieben oder Acht. Irgendetwas konnte nicht stimmen. Lag es am Trainer? Michael Voigt fuhr eine Woche lang zu jedem Training seines Sohns, versteckte sich hinter einem Baum, um vom eigenen Sohn nicht gesehen zu werden. "Danach habe ich es ihm verraten und gesagt: Bei mir hättest du stets eine Fünf bekommen." Michael Voigt wusste also, weshalb sein Sohn nicht von Anfang an spielte - und konfrontierte ihn mit der harten Wahrheit. Mit Erfolg. Danach trainierte Felix härter - und steht seit dem Herbst in der Startelf der Club-U 19. Und das als junger Jahrgang.

Eben jene Härte wendet Michael Voigt beim jüngeren Sohn an. Die erste Nicht-Nominierung in den Nationalkader nahm er realistisch. "Max hat in einem Testspiel zwar stark auf der Sechser-Position gespielt, aber die zwei Spieler, die für ihn nominiert wurden, sind fußballerisch im Moment einfach besser." Zumal sie in Hoffenheim und München auch einen anderen Fußball spielen als Voigt in Leipzig.

Dabei spielt vor allem auch etwas eine Rolle, das nicht mehr beeinflussbar ist: das Geburtsdatum. Der überwiegende Anteil der Nachwuchsnationalspieler ist im ersten Halbjahr, ja sogar in den ersten drei Monaten des Jahres geboren. Max Voigt hingegen im Juli. "In dieser Altersklasse machen ein paar Monate körperlich schon enorm viel aus", sagt Michael Voigt. Und so wird sein Sohn sich durchbeißen müssen. "Ich habe ihm gesagt: Du musst dich in kleinen Räumen fußballerisch entwickeln." Nach zwei Tagen trainierte Max Voigt dann schon wieder im Garten am Kopfballpendel. Ein Einsatz, der sich nun auszahlen kann.

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
20:32 Uhr

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