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Cavelius bastelt an seiner Traumreise

Der 23-jährige Judoka will in den nächsten Jahren hoch hinaus. Ein großes Ziel bestimmt schon jetzt sein Denken und Handeln. Der Turnierplan des Hofers ist proppenvoll.



Cavelius bastelt an seiner Traumreise
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Hier ein paar vorweihnachtliche Plätzchen? Da ein kleines Gläschen Glühwein? Darauf hat Timo Cavelius keine Lust. Oder besser gesagt: Dafür hat Timo Cavelius nicht wirklich Zeit. Der Hofer Judoka ist in diesen Tagen wieder in seiner reinsten Naturform zu erleben: akribisch, hochmotiviert, niemals stillstehend. Aber es gibt ein Problem - ein sehr, sehr störendes sogar. Der 23-Jährige schlägt sich mit einer Schien- und Wadenbeinverletzung herum. Ausgerechnet jetzt, wo er sich fit für 2020 machen will. Da hat der Vorzeige-Athlet eine Menge vor.

Zunächst einmal lohnt sich ein Blick auf die vergangenen Monate. Die lesen sich aus Cavelius’ Sicht ganz gut. Der Hofer ist in diesem Jahr von Weltranglistenplatz 285 auf Rang 40 vorgestürmt - das sollte zunächst einmal einen deutlich hörbaren Jubelschrei bei ihm auslösen. So ist es aber nicht. Denn: Timo Cavelius ist einer, der immer noch ein bisschen mehr will. Einer, der nie hundertprozentig zufrieden ist. Daher fällt seine Jahresbilanz folgendermaßen aus: "Ich sehe die Sache zweigeteilt. Sportlich habe ich sicher eine Mega-Entwicklung genommen. Mein ganzes Potenzial konnte ich aber nicht ausschöpfen, weil ich durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde. Das ist extrem ärgerlich."

War es vor einigen Wochen noch das Sprungbein im linken Fuß, das Probleme bereitet hat, so leidet Cavelius nun unter einer Schien- und Wadenbeinverletzung. Er habe ein Loch in einer Membran, gibt der Judoka einen kleinen Exkurs. Übrigens: Wieder ist die linke Seite betroffen. Zufall? Daran glaubt der 23-Jährige nicht. "Vielleicht habe ich ein bisschen zu einseitig trainiert", sagt er. Ziel werde es für das nächste Jahr auf jeden Fall sein, den Körper gleichmäßig zu trainieren und zu stabilisieren.

Harte Einheiten - das sogenannte Stählen im Fitnessstudio - muss bei Cavelius noch warten. Erst muss er seine Verletzung noch ein paar Tage auskurieren. An die nächste Saison denkt der Hofer trotzdem schon. Zur erweiterten Weltspitze in der Klasse bis 81 Kilogramm gehört er bereits. Der nächste Schritt: die Top-Leute, sozusagen die absolute Spitze. Zu dieser Spitze gehört auch Dominc Ressel, der derzeit die deutsche Nummer eins ist und in der Weltrangliste auf Position sechs liegt.

In eben diesem Bereich würde sich Timo Cavelius nur zu gern schon sehr, sehr bald sehen. "Manchmal will ich zu schnell ein bisschen zu viel - aber so bin ich eben", betont der Bundesliga-Judoka des TSV Abensberg. So hat er Ende März im Rausch der Gefühle - als er beim Judo-Grand-Prix im georgischen Tiflis sensationell den zweiten Platz belegt hat - auch das ziel Olympia 2020 ausgegeben.

Nun muss Cavelius feststellen, dass es mit den Sommerspielen in Tokio wohl nichts werden wird. Zu groß ist momentan noch Ressels nationale Übermacht. Aber: Die Nummer zwei, die will sich Cavelius schnappen. Aktuell liegt Alexander Wieczerzak im Ranking noch zehn Plätze vor Cavelius, der Landsmann des Hofers befindet sich aber in einer sportlichen Abwärtsspirale. So wittert der 23-Jährige Morgenluft: "Wenn ich in Deutschland die Nummer zwei werden sollte, wäre ich für Olympia zumindest als Nachrücker nominiert."

Da war er nochmal kurz, der Gedanke an Tokio 2020. Eigentlich aber sieht die Planung des Wahl-Münchners etwas ganz anderes vor: die sichere Teilnahme an den Sommerspielen 2024 in Paris. "Da muss es dann definitiv klappen", betont Cavelius. Dass er das sagt, ist kein Wunder. Mit 27 Jahren wäre er im perfekten Judo-Alter. Und ob Ressel mit dann 30 Jahren noch derart dominiert - oder ob er sich bis dahin überhaupt noch tagtäglich motivieren kann -, steht in den Sternen.

In den nächsten Jahren will Cavelius also den Grundstein für eine Traumreise Richtung Paris legen. Ergebnisse wie jenes aus Tiflis dienen als Motivationsspritze. Denn eines zeigt so ein Resultat: Cavelius kann es. Sein Manko: Er ist noch nicht konstant genug. "Daran muss ich noch arbeiten. So etwas kommt aber auch mit dem Alter", sagt der Hofer, der in diesem Jahr kaum eine ruhige Woche hatte und Tausende Kilometer im Flugzeug zurücklegen musste.

An dieser Stelle lohnt sich noch ein Blick auf die Weltkarte: Rom (Italien), Düsseldorf, Jekaterinburg (Russland), Tiflis (Georgien), Antalya (Türkei), Minsk (Weißrussland), Montreal (Kanada), Budapest (Ungarn), Zagreb (Kroatien), Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) - was sich wie das Inhaltverzeichnis eines Atlasses lesen lässt, sind die Austragungsorte, die der 23-Jährige in seinem Wettkampfkalender für 2019 stehen hat. Und Achtung: Hier sind nur die größeren Turniere berücksichtigt. Kleinere Events - und auch die zahlreichen Trainingslager - kommen noch nicht einmal vor.

Man könnte es Cavelius nicht übel nehmen, wenn er in diesen Tagen zu Plätzchen und Glühwein greifen würde. Wenn er einfach einmal herunterkommen und in den Ruhemodus schalten würde. Aber das passt nicht zu seinem Naturell. 2020 wartet - und ein künftiger Olympia-Athlet formt sich eben nicht von allein.

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Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
28. 11. 2019
18:30 Uhr

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Hannes Huttinger

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28. 11. 2019
18:30 Uhr



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