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"Das ist wie an einem Spielautomaten"

Alexander Höme vergleicht die Fußball-Relegation mit einem Casino-Besuch. Der Diplom-Psychologe aus Hof hat ein paar Tipps für nervöse Spieler parat.



Interview: mit Alexander Höme, Diplom-Psychologe aus Hof
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Herr Höme, in der Relegation ist der Nervenkitzel viel größer als bei einem normalen Ligaspiel - warum ist das so?

Nur im Eurosport-Player

So sehr die Relegationsspiele in den oberen und unteren Klassen im Fokus stehen, so sehr werden sich die Fans ärgern, wenn sie Folgendes lesen: Die Entscheidungsspiele zwischen der 1. und 2. Bundesliga (VfB Stuttgart gegen Union Berlin) werden in diesem Jahr nur im Eurosport-Player und auf Eurosport2HD Xtra zu sehen sein. Damit werden zum zweiten Mal die Ausscheidungsspiele nur im Bezahlfernsehen übertragen. Immerhin: Die Partien zwischen dem FC Ingolstadt (2. Liga) und dem SV Wehen Wiesbaden (3. Liga) laufen im ZDF.

 

So eine Saison ist sehr lang. Da zählt meistens: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Man kann einmal eine herausragende Leistung bringen und haushoch gewinnen - wenn man dann aber fünf Mal hintereinander verliert, ist dieses tolle Spiel gar nichts mehr wert. Und eben hier liegt der Unterschied zur Relegation. Hier erfolgt eine unmittelbare Belohnung. Das ist wie an einem Spielautomaten im Casino.

 

 

Wie meinen Sie das?

Bei einem Spielautomaten werfe ich Geld ein und weiß innerhalb von wenigen Sekunden, ob ich gewinne oder verliere. In der Relegation ist das ähnlich. Da kann schon ein einziges Spiel über Aufstieg oder Abstieg entscheiden.

 

Sie sprechen von einer Art

Alles-oder-Nichts-Prinzip?

Genau. Das Ende ist in einer Relegation absehbar, es ist quasi zum Greifen nah. Als Spieler weiß man, dass eine lange Saison bald vorbei sein wird - und zwei Szenarien möglich sind. Genau das wirkt sich unheimlich auf die Leistung aus. Der Spieler holt noch einmal alles aus sich heraus und kann ans Maximum seiner Leistungsfähigkeit gehen, weil er im Idealfall sofort dafür belohnt wird. Ein hoher Einsatz eines Spielers kann sich also auszahlen. Vor allem erfahrene Spieler wissen das natürlich und treten oft wie beflügelt auf.

 

Es gibt aber doch auch immer wieder Spieler, deren Nervenkostüm nicht für so eine Relegation gemacht ist...

Das wundert mich nicht. Man muss sich nur mal die Mannschaften anschauen, die in so einer Relegation gegeneinander antreten. Meistens ist es doch so, dass ein Team mit einem sehr positiven Gefühl in dieses Duell geht, weil ein positives Ziel winkt - zum Beispiel der Aufstieg. Für die andere Mannschaft geht es doch meistens nur um die Vermeidung eines Debakels - also darum, den Abstieg zu verhindern. Das sind völlig verschiedene Ausgangslagen. Da ist es doch völlig klar, dass nicht jeder Sportler souverän mit dieser Situation umgeht.

 

Warum haben manche Spieler Nervenflattern - und andere nicht?

(überlegt) Einige Spieler haben einfach von Natur aus gute Nerven geschenkt bekommen, das sind sozusagen Naturtalente. Meistens sind diese Talente gleichzeitig auch die großen Stars des Sports. Es sind die Spieler, die in den entscheidenden Phasen nicht allzu viel nachdenken und einfach ihren Job erledigen - und zwar an ihrer oberen Leistungsgrenze.

 

Und dann gibt es diejenigen, die Probleme mit ihrem Nervenkostüm haben. Was kann man gegen solche Probleme denn machen?

Mentales Training hilft. Meiner Meinung nach muss da sehr viel in den Tagen vor so einem wichtigen Spiel passieren. Ich habe schon von vielen Sportlern gehört, die vorab die Wettkampfstätte noch einmal aufsuchen. Das hilft, um sich das Bevorstehende schon mal vorzustellen und sich in diverse Situationen hineinzuversetzen. Wenn man eine brenzlige Situation im Kopf vorher schon mal durchgespielt hat, ist man besser vorbereitet und weniger überrascht. Insgesamt erachte ich die Tage vor dem Ereignis als extrem wichtig.

 

Was hilft noch für eine ideale Vorbereitung?

Alles steht und fällt mit einer inneren Überzeugung. Eine "Wir haben’s drauf"-Mentalität halte ich vor wichtigen Relegationsspielen fast für unverzichtbar. Natürlich gehört dazu immer eine gewisse Portion Realismus. Das erreichbare Ziel muss schon realistisch sein, nur so hilft eine gesunde innere Überzeugung. Auch beim 1. FC Nürnberg wird der ein oder andere Spieler diese Überzeugung sicher gehabt haben. Letzten Endes hat aber der gesunde Menschenverstand einem gesagt: Der FCN gehört mit dieser Mannschaft nicht in die erste Liga.

 

Relegationsspiele sind wahre Publikumsmagneten. Die Zuschauerzahlen sind viel besser als bei einem normalen Ligaspiel. Ist der Mensch sensationsgeil?

In erster Linie geht es den Fans doch darum, das wichtige sportliche Ereignis hautnah miterleben zu dürfen. Der Fan will mitzittern, mitfeiern, mitleiden - und das kann er am besten, wenn er am Spielfeldrand steht. Das Live-Erlebnis steht hier im Mittelpunkt. Außerdem mögen Sportfans es, wenn sie ihren Bekannten sagen können: "Ich war mit dabei."

Das Gespräch führte

Hannes Huttinger

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Redaktion
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
16:14 Uhr

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
16:14 Uhr



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