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"Das tut sehr weh"

Für viele ist es ein Schock: Alexander Scarabello ist nicht länger Trainer des Football-Bayernligisten Hof Jokers - aber warum? Der 53-Jährige spricht über die Hintergründe.



Stand jahrelang bei den Hof Jokers an der Seitenlinie: Alexander Scarabello. Foto: Andreas Geißer
Stand jahrelang bei den Hof Jokers an der Seitenlinie: Alexander Scarabello. Foto: Andreas Geißer  

Herr Scarabello, Sie sind überraschend als Trainer des Football-Bayernligisten Hof Jokers zurückgetreten. Wie kam es dazu?

Scarabellos Karriere

Seit mehr als 25 Jahren ist Alexander Scarabello ein Teil der Hof Jokers. 1993 trat er dem Klub bei, bei dem er bis ins Jahr 2010 spielte. Nach einer kurzen Auszeit, in der Scarabello nach eigener Aussage "nur Fan" der Jokers war, kehrte er vor sechs Jahren als Trainer der ersten Mannschaft zurück. In dieser Zeit führte der 53-Jährige die Hofer Footballer von der Aufbauliga zurück in die Bayernliga, in der sie in den Spielzeiten 2017 und 2018 sogar die Playoffs erreichten. In der Saison 2019 verpassten die Saalestädter die Aufstiegsspiele mit Rang drei in der Nord-Staffel.

 

Das sagt der Football-Abteilungsleiter

Die Stimmung bei Dominik Konopka war schon mal besser. Einen Tag nach dem Aus von Trainer Alexander Scarabello sagt der Football-Abteilungsleiter des PTSV Hof: "Wir dachten eigentlich, dass wir noch sehr lange mit Coach Scara zusammenarbeiten würden. Dass es jetzt so gekommen ist, ist auch für uns ein schwerer Schlag." Es habe sich gezeigt, dass die Differenzen im sportlich-taktischen Bereich zwischen dem Trainer und einigen Führungsspielern zu groß seien. So musste auch Konopka akzeptieren, dass eine Trennung wohl das Beste sein würde. "Alexander Scarabello wollte immer noch an seinem Oldschool-Football festhalten, einige andere wollten lieber mit der Zeit gehen", sagt der Abteilungsleiter, der ergänzt: "Der Weggang von Alexander Scarabello wird ein großes Loch reißen. Es wird nicht mehr so sein wie früher."

Unterdessen ist noch unklar, wer den scheidenden Coach beerben wird. "Wir haben noch keinen genauen Plan, aber es gibt schon ein paar Ideen, die wir jetzt weiterentwickeln werden", sagt Konopka, der bis spätestens Anfang November einen neuen Mann präsentieren will. Derweil organisieren die Assistenz-Coaches den Trainingsbetrieb.

 

 

Wir hatten eine zweistündige Krisensitzung, in der es teils massive Vorwürfe gegen mich gab. Danach war eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich.

 

 

Welche Vorwürfe waren das?

Es ging um fachliche und menschliche Dinge. Über manche Sachen darf und muss man sicherlich nach einer nicht ganz zufriedenstellenden Saison sprechen, trotzdem waren da Vorwürfe dabei, die absolut haltlos sind. Das tut sehr weh und trifft mich auch als Mensch sehr hart!

 

Können Sie genauer sagen, was man Ihnen ankreidet?

Es geht beispielsweise um das System, das ich habe spielen lassen. Mir wurde vorgeworfen, dass ich im Spiel taktische Systeme laufen lasse, die wir vorher nicht trainiert haben. Das ist natürlich völliger Quatsch. Außerdem wurde mir gesagt, dass einige Spieler nur wegen mir den Verein verlassen, weil Sie mit meiner Art des Coachings nicht zurechtkommen.

 

Sind Sie etwa ein unangenehmer Trainer?

Ich denke nicht. Ich habe immer versucht, fair zu den Spielern zu sein. Ich bin kein Lautsprecher - und ganz sicher auch niemand, der im Training ständig herumbrüllt. Natürlich spreche ich manche Dinge klar an, so etwas muss ein Trainer meiner Meinung aber auch tun.

 

Kam die Trennung für Sie letztlich überraschend?

Ich habe schon gespürt, dass da etwas im Busch ist. Schon die Einladung zu besagter Krisensitzung wurde seltsam formuliert. Womit ich dann aber konfrontiert wurde, war ein Schock. Das kam aus dem Nichts. Ich sage es noch einmal: Es ist völlig okay, dass man eine durchwachsene Saison analysiert und schaut, wo man Dinge verbessern kann. Da muss ich auch als Coach Kritik einstecken können. Wie diese dann aber vorgebracht wurde, war einfach nicht okay. Das Tischtuch ist jetzt erst einmal zerschnitten.

 

Hat die Football-Abteilung Sie aktiv aufgefordert, Ihren Hut zu nehmen? Oder sind Sie letztlich freiwillig gegangen?

Es ist darauf hinausgelaufen, dass die Football-Abteilung mir eine andere Position innerhalb des Teams anbieten wollte. Das habe ich abgelehnt - ich habe auch meinen Stolz.

 

War das eine ganze Front, die sich innerhalb des Klubs gegen Sie aufgetan hat - oder sind Einzelpersonen für Ihr Aus verantwortlich?

Den PTSV Hof als Hauptverein muss ich aus der Schusslinie nehmen. Das ist alles innerhalb der Football-Abteilung abgelaufen. Letztlich gibt es zwei, drei Personen, mit denen ich nicht mehr zusammenarbeiten kann und will. Innerhalb des Teams muss es wohl eine Abstimmung gegeben haben, ob es mit mir weitergehen soll oder nicht. Das Ergebnis sprach offenbar gegen mich - wobei ich das jetzt kaum mehr glauben kann.

 

Warum?

Seit Sonntagabend habe ich viele positive Wortmeldungen von ehemaligen Spielern erhalten. Sie alle finden es sehr schade, dass es mit mir nicht weitergeht. So frage ich mich schon, wer bei der Abstimmung alles gegen mich war. Mir ist schon klar, dass ich es nicht jedem Einzelnen recht machen kann - bei zirka 40 Spielern im Kader ist das auch gar nicht möglich. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass ich bei einem Großteil des Teams nicht ankomme.

 

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

(überlegt) Das ist eine gute Frage. Ein paar Angebote sind schon eingetrudelt, allerdings muss ich die ganze Angelegenheit jetzt erst einmal sacken lassen.

 

Ist es möglich, dass wir Sie in der nächsten Saison wieder als Trainer eines anderen Teams sehen?

Möglich ist das. Im Football ist es aber nicht so einfach wie im Fußball, da fährt man nicht einfach ins nächste Dorf und trainiert dann die nächste Mannschaft. Die Fahrten sind weiter. Ich müsste mich, wenn ich zu einem neuen Verein gehen sollte, schon mindestens eine Dreiviertelstunde ins Auto setzen. Da muss ich mich dann schon genau fragen, ob ich diesen Aufwand betreiben möchte. Ich brauche jetzt ein bisschen Zeit.

 

Gibt es womöglich doch noch einen Rücktritt vom Rücktritt und wir erleben Sie 2020 doch als Jokers-Trainer wieder?

Ich habe gelernt, dass man im Sport niemals nie sagen sollte. Zurzeit ist eine baldige Rückkehr zu den Jokers für mich aber nur sehr schwer vorstellbar. Wer weiß - vielleicht sieht man mich in der nächsten Bayernliga-Saison in Hof als Gästetrainer auf der anderen Seite des Spielfeldes.

 

Sie galten als Gesicht des American Footballs in Hof. Ist die Zukunft der Jokers nun in Gefahr?

Das hoffe ich nicht. Ich wünsche dem Team, obwohl meine Trainer-Tätigkeit nun ein unschönes Ende genommen hat, weiterhin alles Gute. Das meine ich wirklich ernst! Ob es schon einen Nachfolger gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Da müssen Sie andere Personen fragen.

 

Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Noah verlässt seine Arche"

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Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
20:40 Uhr

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Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
20:40 Uhr



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