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Regionalsport

Die unvergessene Pokalsensation

Vor genau 25 Jahren blamiert der Dorfklub TSV Vestenbergsgreuth das Starensemble des FC Bayern München. David besiegte Goliath.



Roland Stein (links) jubelt über sein 1:0 für Vestenbergsgreuth, und Bayern-Torwart Oliver Kahn blickt ins Leere.	Foto: Imago
Roland Stein (links) jubelt über sein 1:0 für Vestenbergsgreuth, und Bayern-Torwart Oliver Kahn blickt ins Leere. Foto: Imago  

"Wunder gibt es immer" hieß es 1970 in einem Hit der Sängerin Katja Ebstein. Stimmt. Große Wunder aber, die den Superlativ Sensation rechtfertigen, sind auch im DFB-Pokal eine Seltenheit. Aber es gibt sie.

Am 14. August 1994, also vor genau 25 Jahren, versetzte der TSV aus der kleinen Gemeinde Vestenbergsgreuth am Rande des Steigerwaldes die Fußballwelt in höchstes Erstaunen: In der ersten Runde dieses Wettbewerbs warf er im Nürnberger Stadion den Topfavoriten FC Bayern München mit einem 1:0-Sieg raus. Der Vergleich zwischen David und Goliath war in diesem Fall fast noch untertrieben. Ein Regionalligist, ein Dorfverein, hatte eigentlich gegen die Millionen-Truppe aus der Landeshauptstadt nicht den Hauch einer Chance. Daran lassen seine Protagonisten auch im Jubiläumsjahr keinen Zweifel zu.

"Das war unglaublich, war unfassbar, von so etwas konnten wir nicht einmal träumen", äußert sich der damalige TSV-Vorsitzende Helmut Hack in ähnlichem Wortlaut wie unmittelbar nach dem Abpfiff im Stadion. Das kleine Dorf erntete dicke Schlagzeilen - und dies sogar über Deutschland hinaus. Fußball verschaffte ihm einen enormen Bekanntheitsgrad und wirkte sich selbstverständlich auch für die ortsansässige Teefirma Bauer positiv aus.

Strahlender Held des Spiels war Roland Stein, der zwei Minuten vor dem Pausenpfiff das Tor des Tages erzielte. Doch Trainer Paul Hesselbach tendiert verständlicherweise zu einer anderen Auffassung: "Dieses Wunder war das Ergebnis einer großartigen Leistung der gesamten Mannschaft." Ihr Plus: Die Mischung zwischen Routiniers und Talenten stimmte.

Zwei Abwehrspieler haben es danach geschafft, sich im großen Fußball einen Namen zu machen. Harry Koch agierte jahrelang als geschätzter Manndecker beim 1. FC Kaiserslautern - und Frank Schmidt betreut als Trainer seit einigen Jahren mit beachtlichem Erfolg den Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Als Libero bremste er mit seinen Abwehrkollegen damals die Bayern-Superstars aus. "Es war natürlich ein Spiel, das man nicht vergisst", sagt Schmidt heute, "denn als Regionalligist hast du gegen diese Truppe eigentlich überhaupt keine Chance."

Die tüchtigen Greuther Kicker wurden nicht nur stürmisch gefeiert, sie konnten auch ein dickes Lob von Münchens Trainer Giovanni Trapattoni einheimsen. "Vestenbergsgreuth hat nach hinten sehr diszipliniert gespielt", räumte der Italiener ein und ärgerte sich mächtig über seine Stars, die nur wenige klare Chancen herausgespielt hatten. Lothar Matthäus, aus dem von Greuth nicht weit entfernten Herzogenaurach stammend, wusste, was auf ihn und seine Mitspieler wie Helmer, Kahn, Babbel, Papin, Jorginho, Hamann und wie sie alle hießen zukommen würde: Tiefe Schmach und Hohn für längere Zeit. Es hatte ihnen in den 90 Minuten auch nichts genutzt, dass der Gegner mit einem Handikap auskommen musste: Beim Aufwärmen hatte sich Stammtorhüter Günter Reichold eine Verletzung zugezogen und musste so seinen Platz an den 21-jährigen Ersatzmann Ralf Scherbaum abtreten. Doch dieser machte seine Sache, so Paul Hesselbach, ausgezeichnet und erwies sich keineswegs als Schwäche.

Der Triumph sei vor allem durch die mannschaftliche Geschlossenheit und die taktische Disziplin ermöglicht worden. Und weiter: Der Faktor Zeit habe für seine Mannschaft eine wichtige Rolle gespielt, meint der Trainer, "denn die Bayern sind nervös geworden, nachdem sie Chancen vergeben hatten". Paul Hesselbach (68), der bis vor zwei Jahren noch als Scout für die SpVgg Greuther Fürth tätig gewesen ist, hat sich vom Fußball mittlerweile verabschiedet. "Wenn ich an die Riesengehälter und an die wahnsinnigen Ablösesummen denke, verliert man die Lust am Fußball", begründet er sein Desinteresse.

Eine Feier ist für den Tag des Jubiläums nicht vorgesehen. Aber die Helden von damals sind nicht vergessen: Im TSV-Stadion steht eine Tafel aus Stein, auf der ihre Namen verewigt sind. Die Aufstellung von damals: Ralf Scherbaum - Bernd Santl, Harry Koch, Frank Schmidt, Bernd Lunz - Reiner Wirsching, Harry Ebner - Roland Stein, Werner Pfeuffer, Jochen Weigl - Wolfgang Hüttner/Einwechselspieler: Uwe Ernst, Thomas Latteier.

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Dieter Bracke
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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
22:20 Uhr

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Dieter Bracke

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
22:20 Uhr



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