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"Ich hinterfrage mich ständig"

Der Fußball-Landesligist FC Vorwärts Röslau steckt in der Krise. Trainer Ali Sener spricht über die Probleme, neue Spieler und die Rückendeckung vom Verein und seinen Spielern.



Skeptischer Blick, aber kämpferische Einstellung: Ali Sener, Trainer des FC Vorwärts Röslau.	Foto: Michael Ott
Skeptischer Blick, aber kämpferische Einstellung: Ali Sener, Trainer des FC Vorwärts Röslau. Foto: Michael Ott  

0:5, 1:3, 0:5, 2:5 - zuletzt vier Spiele, null Punkte und 3:18-Tore: Können Sie eigentlich noch gut schlafen, Herr Sener?

Das sagt der Vorsitzende des FC Vorwärts Röslau

Trotz nur zweier Siege aus den vergangenen elf Spielen und zuletzt vier teils heftigen Niederlagen in Folge: Beim FC Vorwärts Röslau gibt es keine Zweifel an Trainer Ali Sener. Bernd Nürnberger, der Vorsitzende des Fußball-Landesligisten trifft auf Nachfrage eine klare Aussage: "Bei uns wird es definitiv keinen Trainerwechsel während der Saison geben." Die Mannschaft und der Vorstand stünden voll hinter Sener. "Wir lassen uns vom ersten kleinen Stürmchen nicht aus der Bahn werfen", erklärt Nürnberger, der seit dem Jahr 1998 als Vorsitzender das Vorwärts-Schiff auf Kurs hält.

Die Schuld an der derzeitigen sportlichen Misere dem Trainer zu geben, wäre für Nürnberger viel zu einfach. "Was kann Ali Sener dafür, dass wir mit Waldemar Schneider und Mahsun Deniz zu Beginn der Saison zwei wichtige Spieler völlig unerwartet verloren haben? Was kann Ali für unser riesengroßes Verletzungspech? Und was kann Ali dafür, wenn im Spiel ständig jemand anders einen Bock schießt?"

Über den Trainer gebe es deshalb im Vorstand keinerlei Diskussionen. Ali Sener erhalte klare Rückendeckung und könne mit der Mannschaft in Ruhe weiterarbeiten, versichert Nürnberger. "Wir werden versuchen, im Winter zwei oder drei neue Spieler an Land zu ziehen. Es laufen bereits Gespräche." A.P.

 

Schwerere Verletzungen

Anthony Hofweller

Kreuzbandriss ---> Saison damit beendet

Robin König

Kreuzbandriss ---> Saison damit

beendet

Jakob Schmidt

Doppelter Bänderriss (fehlte 12 Wochen, ab jetzt wieder einsatzbereit)

Matthias Dadder

Innenbandriss (Operation in der Winterpause)

Nico Knoblauch

Riss des Syndesmosebandes (am 26. Oktober im Spiel gegen den SC Schwabach.)

Andre Blaumann

Bänderriss im Knöchel (fehlte bis Ende Sept.)

 

 

Das ist schon schwierig. Ich mache mir im Augenblick wirklich laufend Gedanken, was wir besser machenen können. Ich bin ständig auf Fehlersuche.

 

 

Mit welchem Ergebnis?

Die Probleme liegen auf der Hand. Wir haben einen viel zu dünnen Kader. Wir sind zwar mit 19 Mann in die Saison gestartet, Mitte Juli waren es plötzlich nur noch 17. Das war für die Landesliga mehr als blauäugig. Dann kamen noch die bekannten Verletzungsprobleme dazu.

 

Aber sich gleich in drei der vergangenen vier Spiele fünf Gegentreffer einzufangen, ist schon heftig. Finden Sie nicht?

Es ist ja nicht so, dass die Jungs von heute auf morgen das Fußballspielen verlernt hätten. Aber das Selbstvertrauen bröckelt natürlich.

 

Das macht sich wie bemerkbar?

In Selb oder zuletzt gegen Buch haben wir eigentlich gut begonnen. Der erste individuelle Fehler wurde dann sofort mit einem Gegentor bestraft. Dann lassen die Spieler die Köpfe hängen, haben Angst vor dem nächsten Fehler.

 

Was können Sie als Trainer in der jetzigen Situation tun? Gespräche mit der Mannschaft, Einzelgespräche?

Wir reden ohnehin sehr viel miteinander. Vielleicht müssen wir noch mehr reden. Ich muss die Jungs Woche für Woche aufbauen. Aber es sind ganz klar die personellen Probleme, die zur jetzigen Situation führten. Seit zweieinhalb Monaten habe ich nur acht, neun oder zehn Spieler beim Training.

 

Da können Sie vermutlich so viel nicht im Detail arbeiten?

Nein. Es fehlt uns im Training einfach die Qualität. Wir können gar keine bestimmten Situationen einstudieren. Auch, weil auswärts arbeitende oder studierende Spieler oft nur einmal wöchentlich beim Training sind. Das merkt man vorne und hinten.

 

Viele Jahre lebte der FC Vorwärts Röslau von einer ganz starken Defensive. In dieser Saison stehen nach 19 Spielen bereits 50 Gegentore zu Buche. Wie erklären Sie sich diesen Einbruch?

Uns sind in den vergangenen Jahren ja schon viele Leute weggebrochen. Mit Jaroslav Smrha habe ich nur noch einen gelernten Innenverteidiger in der Mannschaft. Er alleine kann keinen Krieg gewinnen. Gut gemacht hat seine Sache auch Jakob Schmidt, obwohl er kein gelernter Innenverteidiger ist. Aber Jakob ist seit zwölf Wochen verletzt. Mittlerweile haben bereits fünf weitere Spieler diese Position eingenommen. Da bekommst du nicht die Stabilität rein, die du brauchst.

 

Zuletzt haben Sie es ja sogar mit Sturmführer Ertac Tonka als Innenverteidiger probiert...

Ja - und Ertac hat das auch noch mit am besten gemacht. Aber ihn brauche ich halt eigentlich woanders.

 

Wie sehr vermissen Sie einen Mohammad Tamo, der in Röslau viele Jahre als Abräumer vor der Abwehr gespielt hat?

Mo hat vor der Abwehr viele Zweikämpfe gewonnen und so die Defensive stabilisiert. Ihn konnten wir nicht ersetzen. Dann ist plötzlich auch Waldemar Schneider wieder zurück nach Selb. Vielleicht hätte es mit ihm anders ausgesehen.

 

Kommen wir noch einmal zurück zu Ertac Tonka. Auch wenn er zuletzt hinten aushelfen musste: Fünf Treffer sind für den einstigen Torgaranten schon etwas mager, oder?

Wenn Ertac keine Bälle von links oder rechts serviert bekommt, wie soll er da Tore machen? In den ersten Wochen hatte er noch Anthony Hofweller an seiner Seite. Durch dessen Ausfall ist eine weitere Option verloren gegangen. Und Neuzugang Matthias Dadder, der als Flügelspieler eingeplant war, hat zwei Mal von Beginn an gespielt, sonst war er verletzt. Solche Spieler bräuchte Ertac Tonka. Er lebt schließlich auch von den Zuspielern.

 

Sie haben gesagt, der FC Vorwärts wäre zu blauäugig in die Saison gestartet. Warum hat der Verein nicht mehr neue Spieler geholt?

Wir haben mit Kickers Selb einen wahnsinnigen Konkurrenten in der Landesliga dazubekommen. Und unser Verein wollte den Geldbeutel nicht zu weit aufmachen.

 

Sie haben kürzlich deutlich geäußert, dass im Winter personell etwas getan werden muss. Gab es von der Vereinsführung schon das Signal, dass da was geht?

Mir wurde zugesagt, dass wir drei, vier Leute holen können. Aber jetzt müssen wir erst einmal welche finden, das ist das Problem. Uns fehlt etwas die Quelle im Augenblick.

 

Es ist also noch niemand in Sicht?

Doch. Wir haben schon mit drei, vier Leuten gesprochen. Und wir haben bereits die Zusage von einem jungen Talent. Ich hoffe, dass es mit dem abgebenden Verein funktioniert.

 

Könnten diese Spieler der Mannschaft nach der Winterpause sofort helfen?

Das weiß man nie, egal ob von jungen oder gestandenen Spielern. Aber ich bin der Meinung: Ja. Und es hilft ja schon, dass wir wieder mehr Konkurrenzkampf im Training bekommen. Die acht bis zehn Leute, die jetzt da sind, wissen ohnehin, dass sie spielen.

 

Welche Typen von neuen Spielern sind Ihnen denn wichtig?

Ein oder zwei richtige Typen, die das Heft in die Hand nehmen und der Mannschaft sofort weiterhelfen, wären die kurzfristige Lösung. Wichtig ist aber auch, Spieler zu bekommen, die längerfristig in Röslau bleiben. Und wir suchen natürlich auch nach hungrigen Talenten, die neuen Schwung in unsere Mannschaft bringen. Aber diese Spieler liegen naturgemäß nicht auf der Straße.

 

Geht der Blick auch ins Nachbarland?

Auch mit Spielern aus Tschechien ist das nicht mehr so einfach. In Eger oder Karlsbad wird ebenfalls schon gutes Geld verdient.

 

Sprechen wir nochmals über die aktuelle Situation. Die Relegations- und Abstiegsplätze rücken immer näher. Spüren Sie noch die Rückendeckung von der Vereinsführung?

Ich denke schon. Wir haben uns die gesamte Vorrunde über unsere Situation unterhalten. Wir waren lange positiv überrascht über das Erreichte. Aber es stimmt. Jetzt ist es sehr eng geworden. Die Verantwortlichen im Verein können aber schon ziemlich gut einschätzen, dass wir in der Breite des Kaders ein Problem haben.

Wie sieht es bei der Mannschaft aus? Stehen die Spieler noch voll hinter Ali Sener?

Seit Sonntag sage ich: Ja! Ich habe die Jungs gleich nach dem 2:5 gegen Buch zusammengeholt. Und alle, von der Nummer eins bis zur 15, haben mir den Rücken gestärkt. Ich gehe fest davon aus, dass ich meiner Truppe vertrauen kann.

 

Könnten Sie eine Trainerdiskussion denn nachvollziehen?

Klar. Ich hinterfrage mich ja auch ständig. Fußball ist ein Ergebnissport. Ich kenne die Mechanismen. Wenn der Verein denkt, er braucht etwas Neues, wird die Führung reagieren.

 

Im Umfeld war es zuletzt schon etwas unruhig geworden.

Ich höre ja auch, dass der ein oder andere Zuschauer unzufrieden ist, ohne dass diese Leute die Details kennen. Da ist dann immer erst der Trainer schuld. Aber ich glaube, die Verantwortlichen sehen, wie hart wir arbeiten und versuchen, das Ruder herumzureißen.

 

Vielleicht schon am kommenden Samstag beim ASV Vach?

Wir haben gegen Buch leider wieder zwei Leistungsträger verloren. Jaroslav Smrha durch seine Rote Karte und Tobias Benker wegen einer Verletzung. Da kann man sich ausmalen, was in Vach passiert. Aber wir werden sowohl in Vach wie auch eine Woche später zu Hause gegen Großschwarzenlohe versuchen, das Bestmögliche herauszuholen. Dann ist Winterpause und wir können die Wunden lecken.

 

Sie haben das für 14. Dezember angesetzte Nachholspiel gegen den SV Mitterteich also gar nicht mehr auf dem Schirm?

Ich weiß nicht, was sich der Landesliga-Spielleiter da gedacht hat. Wir sind doch immer noch Amateursportler und im Fichtelgebirge beheimatet. Stellen Sie sich mal vor: Wir müssten zwei Wochen weitertrainieren, um dann vielleicht am Spieltag vormittags zu erfahren, dass die Begegnung doch ausfällt. Also ich will kein Prophet sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da noch spielen können.

 

Herr Sener, auf welchem Tabellenplatz steht der FC Vorwärts am 23. Mai 2020?

Das ist ganz schwierig (überlegt und rechnet). Ich sage auf Platz 13.

 

Das wäre der sichere Klassenerhalt. Was macht Ihnen Hoffnung, dieses Ziel zu realisieren?

Dass wir uns im Winter verstärken können und von weiteren großen Verletzungen verschont bleiben. Es ist eine ganz große Herausforderung. Aber ich weiß, dass wir es sportlich schaffen können.

Das Gespräch führte Andreas Pöhner

 
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Redaktion
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Veröffentlicht am:
20. 11. 2019
00:00 Uhr

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20. 11. 2019
00:00 Uhr



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