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Nur der Trainer ahnte es

Der FC Rehau ist das Überraschungsteam der Fußball-Bezirksliga. Ein Faktor für den Erfolg ist womöglich die Ansprache von Coach Giorgio Arancino zu Saisonbeginn.



Rehauer Jubel - das ist mittlerweile ein gewohntes Gefühl beim FC. Hier jubeln (von links): Cosmin Ichim, Rico Raithel, Ionut Croitoru, Ekrem Cehadarevic und Tobias Müller. Foto: Michael Ott
Rehauer Jubel - das ist mittlerweile ein gewohntes Gefühl beim FC. Hier jubeln (von links): Cosmin Ichim, Rico Raithel, Ionut Croitoru, Ekrem Cehadarevic und Tobias Müller. Foto: Michael Ott  

Was für eine Autofahrt muss das gewesen sein: Am Samstag auf der Autobahn in Richtung Süden starrte die gesamte Familie Arancino gebannt aufs Smartphone. Welche Nachrichten aus Oberfranken würden im Minutentakt ankommen? Nur gute! Denn der Trainer des FC Rehau erfuhr während der Fahrt in seine kalabrische Heimat von der nächsten Rehauer Überraschung. Mit 2:0 besiegte der FC Rehau den TSV Kirchenlaibach-Speichersdorf - und stürmte damit Platz zwei der Liga. Als Aufsteiger. "Darüber habe ich mich sehr gefreut", sagt Arancino aus der Ferne.

Gefreut hat er sich, aber das sensationelle Abschneiden seines Team hat ihn nicht völlig überrascht. Er wusste von vornherein, was sein Team draufhat. "Ich habe meiner Mannschaft vor Saisonbeginn gesagt: Hut ab vor dem Startprogramm. Entweder wir sind nach fünf Spielen Zweiter oder Dritter - oder Letzter." Seine Spieler nahmen Arancinos Alles-oder-nichts-Ansage zum Anlass, alles auf eine Karte zu setzen. Und es klappte.

Doch so ganz aus dem Nichts kommt der Erfolg des Kreisliga-Süd-Meisters nicht. "Dafür gibt es zwei Gründe", sagt der Coach. "Erstens kommt uns die Bezirksliga entgegen." Denn in der Liga spielen die anderen Teams mit. In der Kreisliga tat sich Rehau gegen tief stehende Gegner stets schwer. "Da haben wir oft mit Glück mit 1:0 gewonnen", sagt Arancino. Nun spielen die gegnerischen Teams mit - und stoßen dann auf eine höchst stabile Defensive. "Die Defensive ist unser Prunkstück", sagt auch Oliver Höll, der Vorsitzende des FC Rehau, "und auch in der Bezirksliga unser Schlüssel zum Erfolg." Die These stützt sich auf Zahlen: Kein Team in der Liga hat weniger Gegentreffer gefangen. Drei Gegentore - davon nur eins in zwei Heimspielen sprechen für die Rehauer. Mit Cosmin Ichim und Simon Decker hat der FC Rehau zwei erfahrene Abwehrspieler. Auch Christoph Peschek und Orhan Bülbül blühen derzeit auf. "Es ist schwer, an ihnen vorbeizukommen", sagt Sven Gläser, der Co-Trainer und Arancino-Urlaubs-Vertretung. "Es ist aber nicht nur die letzte Reihe, sondern der geschlossene Mannschaftsverbund, der es defensiv gut macht", ergänzt Höll. Ganz klar: An der Mischung aus erfahrenen Recken und jungen Spielern beißt sich so mancher Bezirksligist die Zähne aus.

Faktor Nummer zwei für den Erfolg ist die Lösung, die Arancino für die Offensive gefunden hat. Er machte aus der Not eine Tugend: Im Sommer suchte der Klub händeringend nach einem Stürmer. "Uns fehlt ein Knipser", sagt auch Gläser. Mit zwölf Spielern sprachen die Rehauer - ohne Erfolg. "Da mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen", sagt Arancino. Und er griff in die Taktikkiste: Ohne einen Torjäger setzt er auf schnelle Außenbahnspieler. Tobias Müller und Adlan Musaev sind derzeit in guter Form. Und ganz vorn ist Arancino flexibel. "Wir stellen je nach Gegner um." Denn die Hoffnung, dass nun doch noch ein Stürmer zum Team dazustößt, hat Oliver Höll nicht. "Wir halten zwar die Augen offen. Aber wenn es bisher noch nicht gelungen ist, einen Spieler zu überzeugen, dann frage ich mich, warum es ausgerechnet jetzt klappen soll?" Und der Erfolg mit elf Punkten auf der Habenseite setzen Rehau nicht unter Handlungsdruck. "Bis zur Winterpause versuchen wir es hinzubekommen", so der Vereinschef.

Es gilt aber auch eine andere Tugend, die Rehau derzeit stark macht, auszunutzen: den Zusammenhalt. Denn wie so oft beim Schweben auf der Erfolgswelle ist das Kollektiv der entscheidende Faktor. Alle Rädchen greifen ineinander. "Wir sind nicht nur eine Fußballmannschaft, sondern ein Team", sagt Gläser. "Das liegt vor allem am Trainer, der viele Teambuilding-Maßnahmen mit uns gemacht hat." Wahrscheinlich schweißte auch die erfolgreiche Saison in der Kreisliga die Spieler enger zusammen. Sie merkten, was sie bewegen können, wenn sie zusammenhalten. "Wir haben alle lange genug darauf gewartet, wieder Bezirksliga zu spielen", sagt Höll, "daher war die Vorfreude auch so groß." Nach dem Abstieg im Jahr 2015 brauchte der FC Rehau vier Serien, um wieder nach oben zu kommen. Die Vorfreude wandelte sich schnell in einen Leistungsschub. Dennoch hebt die Rehauer Bezirksliga-Rakete nicht ab - glaubt man den Worten der Verantwortungsträger. "Nein, definitiv nicht", sagt Gläser mit lauter Stimme auf die Frage, ob das Saisonziel nun geändert werden müsse. "Das wäre viel zu früh. Wenn es bis zur Winterpause so weitergeht, können wir aber darüber reden."

Es ist allerdings nicht einmal unwahrscheinlich, dass es erfolgreich weitergeht. Zuletzt musste Rehau nicht nur auf den Trainer, sondern auch auf wichtige Spieler verzichten. Urlaub und Verletzungen ließen den Kader schrumpfen. "Fünf Stammspieler aus der Aufstiegself haben uns gefehlt", sagt Arancino. Doch wieder war das Kollektiv zur Stelle - und glich das Fehlen aus.

Doch Erfolg ist vergänglich. Schon vor Arancinos Rückkehr aus Italien kann sich das Rehauer Blatt womöglich wieder wenden. Nach dem Pokalspiel an diesem Dienstag bei der SG Ahornberg/Leupoldsgrün (18.30 Uhr) warten mit Kasendorf und Poppenreuth zwei andere Kaliber. Und wieder greift eine Kalkulation des Rehauer Trainers: "Ehrlich gesagt rechne ich mir nicht viel aus den Spielen aus", sagt Arancino. "Mit dem Spiel in Kirchenlaibach-Speichersdorf will ich vier Punkte aus den drei Spielen holen. Doch vielleicht wird es nun doch etwas mehr." Zuzutrauen ist es diesem Rehauer Team allemal. Mit dem Trainer auf der Bank oder in der italienischen Sonne am Liveticker.

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
09:52 Uhr

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
09:52 Uhr



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