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Lokalsport

Bitteres Aus für Lena Bernhardt

Die für den WSV Naila startende Radrennfahrerin hatte sich so auf die Amateur-WM in Polen gefreut. Jetzt träumt die 27-Jährige von Whistler.



Aerodynamisch: Lena Bernhardt (rechts) fährt beim Rennen auf dem Schleizer Dreieck vorneweg. Foto: Privat
Aerodynamisch: Lena Bernhardt (rechts) fährt beim Rennen auf dem Schleizer Dreieck vorneweg. Foto: Privat  

Für die nächsten Wochen hatte Lena Bernhardt einen ganz anderen Plan. Nach Dresden wollte die 27-jährige Radsportlerin noch ein Vorbereitungsrennen in Hamburg fahren, ehe sie, am ersten Septemberwochenende, bei der Amateur-Weltmeisterschaft im Straßenradsport in Poznan/Polen an den Start gegangen wäre. Darauf hat sie in den vergangenen Monaten hingearbeitet. Es sollte ihr Saisonhöhepunkt werden.

Nun ist alles anders gekommen. Eine Zehntelsekunde hat am Sonntag ihre Pläne über den Haufen geworfen. "Ich war in Dresden auf gerader Strecke in einer Gruppe von Fahrerinnen unterwegs. Eine hat einen kurzen Wackler gemacht. Das Hinterrad hat mein Vorderrad touchiert. Bei dem Tempo von weit über 40 Stundenkilometer kannst du nicht mehr reagieren." Lena Bernhardt erzählt nüchtern, sachlich. Was geschehen ist, ist geschehen. Sie stürzte hart auf den Asphalt. Der Helm ging dabei kaputt. Sie trug eine dicke Beule davon, zog sich Prellungen auf der ganzen linken Seite zu, am schlimmsten aber erwischte es die linke Schulter: Das Schlüsselbein ist gebrochen. "Mir tut noch immer alles weh", sagt sie im Gespräch mit der Frankenpost.

Der erste Schock ist lange vorbei. Sie hatte wohl noch Glück im Unglück. Der Krankentransport war kurz. Die Universitätsklinik lag gleich ums Eck. "Am Freitag werde ich jetzt operiert, am Sonntag darf ich dann wohl schon wieder nach Hause."

Ihre Stimme klingt schon wieder zuversichtlich. Keine Spur von Traurigkeit. Dabei ist mit dem Sturz auf dem Altstadt-Rundkurs durch die sächsische Hauptstadt auf dem Asphalt auch ein Traum zerschellt. Die Teilnahme an der Straßenradweltmeisterschaft in drei Wochen kann sie sich nun abschminken. In den nächsten wohl mindestens zwei Monaten wird sie lediglich daheim auf dem Hometrainer strampeln können. Mit dem Rennrad auf der Straße entlang jagen, daran wird bis dahin wohl nicht zu denken sein. Die Schulter wird fixiert.

Die WM in Polen wäre für Lena Bernhardt keine Premiere gewesen, sondern schon ihre zweite Teilnahme. Vor zwei Jahren war sie in Frankreich dabei."Es war einfach ein tolles Erlebnis." Eines, das nach Wiederholung schrie.

Lena Bernhardt hat in diesem Jahr viel dafür getan, um in Poznan starten zu dürfen. Für die WM hat sie sich bei einem der Ausscheidungsrennen qualifiziert. Schon dafür muss sie einiges auf sich nehmen. In Deutschland finden seit Jahren keine WM-Qualifikationsrennen mehr statt. Lena Bernhardt geht dafür auf Reisen, opfert ihren Urlaub. In Italien, Slowenien oder Luxemburg gibt es die Möglichkeit dazu. Oder in Griechenland. Diese Veranstaltung buchte die 27-Jährige. Ende April waren die Rennen auf der griechischen Insel Kos. Im Einzelzeitfahren siegte sie, im Straßenrennen kam sie als Dritte aufs Podium. Damit hatte sie die WM-Norm locker erfüllt: Dafür hätte ein Platz unter den ersten 25 gereicht.

Sie freute sich. Die Mühen im März in Südafrika hatten sich somit bezahlt gemacht. Gut zwei Wochen war für sie die Region um Kapstadt Urlaubsdomizil, vor allem aber auch Trainingslager. Hunderte Kilometer spulte sie auf den Straßen am Kap der Guten Hoffnung ab.

Trainingslager Tausende Kilometer fern der Heimat unter südlicher Sonne, Rennen auf der ganzen Welt, Teilnahme an der Amateur-Weltmeisterschaft. Alles nebenbei. Neben der Vollzeitstelle als Verwaltungsfachangestellte im Gesundheitsamt. "Ich bin kein Profi, ich bin eine ambitionierte Hobbysportlerin", sagt Lena Bernhardt.

Eine zudem, die relativ spät damit begann, viel Zeit auf zwei Rädern zu verbringen. Erst als 20-Jährige, sie begann damals ihre Ausbildung in Hof, gewann Radfahren einen immer höheren Stellenwert für sie. Sie begann damit, von ihrem Wohnort in Helmbrechts zur Arbeit nach Hof und wieder nach Hause zu fahren. Wobei sie den Heimweg individuell gestaltete und selten den kürzesten Weg nahm und nimmt. Tag für Tag. Nur wenn die Straßen oder das Wetter es nicht zulassen steigt sie um. So kommt sie auf 250 bis 300 Kilometer pro Woche. Daneben macht sie ein eigenes Athletiktraining. Alles in Eigenregie. Einen Trainer hat sie nicht. Erfolge stellen sich dennoch ein. Nicht zuletzt die treiben sie auch immer wieder an.

Ende eines jeden Jahres plant sie, welche Rennen sie im Jahr darauf fahren will. Sie muss schließlich ihren Urlaub darauf abstimmen. Aber so kommt sie auch weit herum. Im Mai dieses Jahres war sie etwa eine Woche auf Kreta und bewältigte dort ein kräftezehrendes sechstägiges Rennen. 600 Kilometer mit 12 000 Höhenmetern waren dabei in sechs Etappen zu bewältigen. Lena Bernhardt gewann vier und holte sich am Ende den Gesamtsieg. "Das war ein ganz hartes Stück Arbeit. Gerade auf der Königsetappe, die über 170 Kilometer mit 4000 Höhenmetern führte, dachte ich, dass es nicht reichen könnte." Die 27-Jährige hat sich mit zähem Willen durchgebissen: "Wenn man mal das Gelbe Trikot hat, dann will man es behalten."

Lena Bernhardt ist eine Kämpfernatur. Sie blickt schon wieder voraus: "2020 ist die WM in Whistler/Kanada." Ein lohnendes Ziel. Warum sollte sie sich nicht erneut qualifizieren?

Autor

Thomas Schuberth-Roth
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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
22:22 Uhr

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Autor

Thomas Schuberth-Roth

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
22:22 Uhr



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