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Das Unterkotzauer Rezept: sprechen, zuhören, handeln

Die Jugendabteilung des FSV ist eine sehr spezielle - das hängt mit der Vereinsphilosophie zusammen. Edmund Stolz gewährt interessante Einblicke.



Posieren fürs Teamfoto: Die alte und die neue E-Jugend mit ihren beiden Trainern Wolfgang Schmidt und Mourad Dhifalli sowie Betreuern und Jugendleiter Edmund Stolz (hintere Reihe, zweiter von links). Foto: Verein
Posieren fürs Teamfoto: Die alte und die neue E-Jugend mit ihren beiden Trainern Wolfgang Schmidt und Mourad Dhifalli sowie Betreuern und Jugendleiter Edmund Stolz (hintere Reihe, zweiter von links). Foto: Verein  

Der FSV Unterkotzau ist ein kleiner Hofer Vorortverein, noch ziemlich jung und deshalb allem Neuen gegenüber sehr aufgeschlossen. Fußball ist die Plattform, auf der die Unterkotzauer ihre Philosophie mit Leben erfüllen wollen. Edmund Stolz, von allen nur "Eddy" genannt, ein Mittvierziger mit sozialer Ader, hat die Idee in den Verein eingepflanzt - mit Erfolg, wie sich schnell herausgestellt hat.

Es begann vor zwei Jahren. Vom Nachbarverein kamen 27 junge Fußballer, die beim FSV ihre Zukunft sahen. "Sie fühlten sich, wie sie uns sagten, von ihrem Ex-Klub nicht richtig ernst genommen", erzählt Stolz, der die Burschen im Alter von zehn bis 14 Jahren nach Absprache mit dem ebenfalls sehr jungen Vorsitzenden Christian Michael mit Kusshand "adoptierte".

Heute, zwei Jahre später, können die FSV-Verantwortlichen eine stolze Zwischenbilanz ziehen. Aus den 27 Jugendlichen sind in diesen zwei Jahren 67 geworden. Der Verein ist von dieser rasanten Entwicklung überrollt worden und braucht deshalb dringend Verstärkung im Betreuerteam. Die FSV-Verantwortlichen wollen damit auch ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden. "Der Sport besteht nicht nur aus Toren, Punkten und Siegen", betont der FSV-Jugendleiter Stolz. Deshalb legt er bei der Auswahl von Trainern und Betreuern auch großen Wert auf deren soziale Kompetenz. Es reiche nicht, den Buben das Stoppen des Balles beizubringen. Bei Spielen gegen andere Vereine erlebt er immer wieder, dass manche Betreuer regelrecht ausrasten, Spieler anschreien und den Schiedsrichter beleidigen. Stolz: "Das gibt es bei uns nicht. Wenn sich einer nicht nach unseren Regeln benimmt, trennen wir uns von ihm."

In seinem kleinen Betreuerteam läuft alles nach Plan. Wolfgang Schmidt, Mourad Dhifalle, Markus Gossrau und Alexander Lein ticken wie Stolz. Die Freude an Spiel und Sport ist eine Grundvoraussetzung für das gute Klima im Verein. Die Vorstandschaft schwimmt auf dieser Welle mit. Sie beherzigt, was Stolz einfordert: "Die Jugendabteilung sollte im Idealfall das Aushängeschild eines Vereins sein oder zumindest mit den Senioren auf Augenhöhe stehen. Wir haben beispielsweise unser eigenes Konto. Das zeigt uns, dass wir ernstgenommen werden."

Stolz ist stolz auf das Erreichte. Vor allem die Integration von Flüchtlingen liegt ihm am Herzen. Der Anteil ausländischer Jugendspieler liegt aktuell bei 30 Prozent. Auch Eltern aus aller Herren Länder bringen sich mit ein. Stolz: "Alle sind sehr froh und dankbar, dass sie beim FSV eine sportliche Heimat gefunden haben."

Dass Integration im Sport besonders gut klappt, ist allseits bekannt. Die Regeln sind überall gleich, Fußball wird in jedem Winkel der Erde gespielt. Wenn sich Stolz die Geschichten seiner Schützlinge anhört, wird er oft traurig. Und demütig. "Wir wissen oft gar nicht zu schätzen, wie gut es uns geht. Genau da setzen wir an. Die Kinder lernen bei uns schnell die fremde Sprache und fühlen sich in der Gemeinschaft wohl. Bei uns sind die Trainer nicht nur Trainer. Sie müssen auch viel Verständnis für die Situation ihrer Schützlinge aufbringen. Das ist Sozialarbeit im besten Sinne."

Der Zulauf beim FSV Unterkotzau reißt nicht ab. Auch deutsche Kinder kommen aus den verschiedensten Stadtteilen. Der FSV organisiert Fahrdienste zu Übungsstunden, Spielen und gesellschaftlichen Anlässen. "Wir stoßen dabei aber immer mehr an die Grenzen unserer Belastbarkeit", betont Stolz. Ein Kleinbus könnte die Arbeit der eifrigen Unterkotzauer unterstützen. Aber der ist sehr teuer. Stotz appelliert an Bevölkerung und Wirtschaft. "Spenden in jeder Höhe helfen uns weiter."

"Sprechen, zuhören, handeln", so beschreibt Stolz am Ende das Erfolgsrezept des FSV. Und übrigens: In Unterkotzau wird auch sportlich gut gearbeitet. Einer aus der Schar junger FSV-Talente hat kürzlich mit seinem Team den Sprung in die Jugend-Bayernliga geschafft. Respekt!

Autor

Peter Langer
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Veröffentlicht am:
09. 08. 2018
15:50 Uhr

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09. 08. 2018
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